Wohin mit dem zusätzlichen Geld?

12. Januar 2017, 13:20 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Die deutschen Staatskassen glänzen erneut mit hohen Übeschüssen. Nicht nur der Bund erwirtschaftete 2016 ein saftiges Plus - das zweite Mal in Folge. Geht es nach Kassenwart Wolfgang Schäuble (CDU), sollten die zusätzlichen Milliarden zum Abbau alter Schulden genutzt werden. Was nicht jeder in der Koalition so sieht.

Wie kam es zum Überschuss von 6,2 Milliarden Euro allein beim Bund?

Zunächst einmal lief die Wirtschaft gut, die Beschäftigung erreicht ein Rekordniveau. Entsprechend höher fielen die Steuereinnahmen aus. Auch ein etwas höherer Bundesbankgewinn als unterstellt schlägt zu Buche. Zugleich profitiert Schäuble wie auch seine Länderkollegen von den Niedrigzinsen, was Kosten für Alt-Kredite drückt.

Steht nur der Bund so gut da?

Nein. Bund, Länder, Kommunen und Sozialkassen insgesamt weisen für 2016 einen gesamtstaatlichen Überschuss von 19 Milliarden Euro aus - oder 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Allerdings rechnen die Statistiker anders und kommen auf ein höheres Plus für den Bund. Länder und Kommunen haben auch von Entlastungen durch den Bund bei Flüchtlingskosten in Höhe von fast 9,1 Milliarden Euro profitiert. Auch das dürfte dem ein oder anderen beim Etat-Plus geholfen haben.

Was wurde aus dem Überschuss des Bundes von 2015?

Die gut zwölf Milliarden packte Schäuble in eine Rücklage, um die Flüchtlingskosten finanzieren zu können. Aus dieser Reserve von 12,8 Milliarden Euro sollten 2016 rund 6,1 Milliarden genutzt werden, in diesem Jahr 6,7 Milliarden. Das Polster musste bisher nicht angezapft werden. Es konnte sogar noch ein Nachtragsetat auf den Weg gebracht werden mit zusätzlichen Ausgaben von 3,5 Milliarden Euro für Investitionen in marode Schulen finanzschwacher Kommunen.

Was schlägt Schäuble nun vor?

Nach den geltenden Regeln müsste auch der Überschuss von 2016 automatisch wieder in die Rücklage für die Flüchtlingskosten fließen. Geht es aber nach dem Bundesfinanzminister und Haushaltsexperten der Union, sollte das zusätzliche Geld zur Schuldentilgung genutzt werden. Schließlich steht allein der Bund immer noch mit gut 1270 Milliarden Euro in der Kreide. In den Beratungen über den Nachtragsetat 2016 sollten daher die Vorgaben geändert werden - und letztlich frühere Regeln wieder gelten.

Wo genau sollen die Altschulden getilgt werden?

Konkret geht es um die Altlasten des in der Finanz- und Wirtschaftskrise aufgelegten Investitions- und Tilgungsfonds (ITF). Der wies zuletzt Schulden von 18,7 Milliarden Euro aus - trotz erster Tilgungen. In den 2009 geschaffenen Fonds war ein Teil der Ausgaben des Bundes für das zweite Konjunkturpaket ausgegliedert worden - etwa die damalige Abwrackprämie zur Ankurbelung der Pkw-Nachfrage. Diese Kredite wurden mit einem Teil der Einnahmen aus dem Bundesbank-Gewinn getilgt. Die Koalition hat für 2017 schon beschlossen: Fällt der Bundesbankgewinn höher als 2,5 Milliarden Euro aus, fließt der überschießende Betrag nicht mehr in die Flüchtlings-Rücklage, sondern wieder in die Altschulden-Tilgung.

Welche anderen Vorschläge zur Verwendung des Überschusses gibt es?

Daran mangelt es nicht. Obwohl es streng genommen nur darum geht, wie man den Nachtragsetat 2016 nochmals ändert. Das begrenzt die Möglichkeiten eigentlich. Die Rücklage ist zweckgebunden, kann also nicht beliebig genutzt werden. Und mit dem Nachtragsetat wurden Investitionen ja schon erhöht. Das Geld fließt oft nicht ab. Aber es verfällt nicht, die Summe könnte durchaus nochmals erhöht werden.

Wie sehen die Forderungen aus der schwarz-roten Koalition aus?

SPD-Haushälter pochen darauf, die Investitionen weiter aufzustocken und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten. Bayerns Finanzminister Marcus Söder (CSU) fordert in der «Bild»-Zeitung, der Staat sollte Bürgern etwas zurückgeben. Sein Parteikollege Peter Ramsauer betont, der deutsche Steuerzahler müsse jetzt Vorrang vor den Flüchtlingskosten haben.

Kommen solche Forderungen nur aus dem Koalitionslager?

Auch das ifo-Institut plädiert dafür, die Bürger durch eine Senkung der Einkommensteuer zu entlasten. Zumindest teilweise sollten Einbußen der Sparer durch die Niedrigzinsen ausgeglichen und Zinsersparnisse des Staates zurückgegeben werden. Aus Sicht des Steuerzahlerbundes sollte der Solidaritätszuschlag schon jetzt abgebaut werden. Geht es nach den Linken, sollte Kinderarmut stärker bekämpft werden, die Grünen sind für zusätzliche Investitionen.

Ist der riesige Finanzpuffer nicht auch eine Vorsorge?

Durchaus. Schließlich gibt es etliche Unwägbarkeiten. Auch muss 2018 noch ein Etat-Loch von immerhin etwa fünf Milliarden Euro im Bundesetat gestopft werden. Zudem sind nach der Bundestagswahl Steuersenkungen geplant, die weitere Lücken reißen werden.

Haushalt / Bund / Koalition / Deutschland
12.01.2017 · 13:20 Uhr
[0 Kommentare]
BSW-Bundesparteitag
Magdeburg (dpa) - Der Europaabgeordnete Fabio De Masi ist zum neuen Vorsitzenden der Partei Bündnis Sahra Wagenknecht gewählt worden. Der 45-Jährige erhielt beim BSW-Bundesparteitag in Magdeburg nach Angaben des Tagungsleiters 93,3 Prozent abgegebenen Stimmen. Die bisherige Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali wurde demnach mit 82,6 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Beide führen das BSW künftig […] (09)
vor 8 Minuten
Hayley Williams
(BANG) - Hayley Williams ist während eines Auftritts von 'Misery Business' mit PinkPantheress beim Austin City Limits kurz "ohnmächtig geworden". Die Paramore-Frontfrau erlitt 2022 beim gemeinsamen Auftritt mit der 'Boy’s a Liar'-Sängerin auf dem Musikfestival eine kurze Episode. Sie erzählte Amy Poehler im 'Good Hang'-Podcast: "Ich bin beim ACL [Austin City Limits] während der letzten Albumphase […] (00)
vor 7 Stunden
Review: Roborock F25 Ultra – kraftvoller Premium-Dampfreiniger für makellose Böden
Moderne Haushalte profitieren enorm von Geräten, die mehrere Reinigungsaufgaben gleichzeitig übernehmen und Abläufe spürbar erleichtern. Gerade wenn nasser und trockener Schmutz im Alltag zusammentreffen, wünscht man sich einen leistungsstarken Helfer, der zuverlässig arbeitet und Oberflächen dennoch schont. In dieser Schnittmenge entfaltet der Roborock F25 Ultra seine Stärken, denn als […] (00)
vor 53 Minuten
ARC Raiders: Quest-Guide – So gelingt dir „Greasing Her Palms“
Die Quest „Greasing Her Palms“ (dt. etwa „Jemandem die Hände schmieren“) gehört zu den aufwendigeren Aufträgen, die du von den Händlern in Esperanza erhältst. Sie ist deshalb besonders anspruchsvoll, weil sie dich nicht nur auf eine, sondern gleich auf drei verschiedene Karten in der verwüsteten Welt von ARC Raiders schickt. Um sie erfolgreich abzuschließen, musst du drei spezifische Orte […] (00)
vor 4 Stunden
Wie war Weihnachten im Osten?
In einer Dokumentation der Marke «Terra X History» blickt die Mainzer Fernsehstation auf die unterschiedlichen Arten. Zum Abschluss des langen Sport- und Fernsehtags widmet sich das ZDF um 23: 45 Uhr in «Terra X History» „Das geteilte Fest: Weihnachten in Ost und West“ einem besonderen Kapitel deutscher Zeitgeschichte. Die Dokumentation fragt, wie unterschiedlich – und zugleich ähnlich – die Menschen in der Bundesrepublik und der DDR das […] (00)
vor 6 Stunden
Spanien - Deutschland
Dortmund (dpa) - Die deutschen Handballerinnen bleiben im Erfolgsrhythmus und stimmen sich mit dem nächsten souveränen WM-Sieg auf das Viertelfinale ein. Die Auswahl von Bundestrainer Markus Gaugisch setzte sich im abschließenden Hauptrundenspiel gegen Spanien mit 29: 25 (13: 10) durch und feierte im sechsten Turnierspiel den sechsten Sieg. Spanien hätte einen Erfolg gebraucht, um ebenfalls in die […] (00)
vor 20 Minuten
Jefferies bestätigt Kaufempfehlung für Airbus – Auslieferungsziel wieder erreichbar
Aktie mit solidem Lauf und weiterem Potenzial Im Xetra-Handel notierte die Airbus-Aktie am Freitagmittag mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 198,90 Euro. Verglichen mit dem Kursziel von Jefferies ergibt sich damit ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 16 Prozent. Auf Jahressicht 2025 hat das Papier bereits eine starke Performance hingelegt und rund 31,7 Prozent zugelegt – ein Beleg dafür, […] (00)
vor 52 Minuten
Future Fuels beschleunigt Uranexploration im “Hornby Basin”
Lüdenscheid, 06.12.2025 (PresseBox) - Future Fuels Inc. (ISIN: CA36118K1084 | WKN: A40TUW). Future Fuels oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es offiziell das Genehmigungsverfahren für Bohrungen in seinem zu 100 % unternehmenseigenen Uranprojekt “Hornby Basin” eingeleitet hat, das sich etwa 95 Kilometer südwestlich von Kugluktuk (Nunavut) befindet. Der wichtigste Vermögenswert […] (00)
vor 10 Stunden
 
alpen, mountain, alps, berge, nature, snow, schnee
Von Westen her zieht Regen über Deutschland, während der Osten und Südosten vorerst trocken […] (00)
Fabio De Masi am 06.12.2025
Magdeburg - Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali sind das neue Spitzenduo des BSW. De Masi bekam […] (00)
Harry Kane (Archiv)
Stuttgart - Am 13. Spieltag in der Fußball-Bundesliga haben die Bayern beim VfB Stuttgart mit […] (02)
Nikolaus-Tradition
Borkum (dpa) - Im vergangenen Jahr war das Klaasohm-Fest wegen gewalttätiger Angriffe auf […] (00)
Rückkehr aus der Krise: Warum Block plötzlich wieder Hoffnung macht
Block hat ein Jahr hinter sich, das selbst für den durch Turbulenzen gewohnten Fintech-Sektor […] (00)
Jindal setzt auf Subventionen – und macht Thyssenkrupps Stahl plötzlich wieder interessant
Politische Fördergelder werden zum Kern der Übernahmestrategie Jindal Steel International […] (00)
Rita Ora
(BANG) - Rita Ora möchte sich nicht darauf beschränken, nur Musikerin zu sein. Die 35-jährige […] (00)
Windrose: Gameplay Video zeigt Souls-lite-Kämpfe, nahtlose Schiffsgefechte & Survival in der Karibi
Auf der prestigeträchtigen „PC Gaming Show: Most Wanted“ hat sich ein digitaler Sturm […] (00)
 
 
Suchbegriff