WLAN wird zur kritischen Infrastruktur – doch viele Unternehmen messen ihre Funknetze nicht regelmäßig
Zwischen „funktioniert“ und „funktioniert zuverlässig“ liegen im WLAN oft erhebliche Produktivitätsverluste. Regelmäßige Messungen könnten sie sichtbar machen.

08. September 2026, 10:00 Uhr · Quelle: Pressebox
Schleichende WLAN-Probleme verursachen in Unternehmen jährlich hohe Kosten. Regelmäßige Messungen können diese Risiken reduzieren.

Ottobrunn, 08.09.2026 (PresseBox) - Das WLAN ist in vielen Unternehmen längst keine Komfortfunktion mehr. Scanner in der Logistik, mobile Endgeräte in Produktion und Lager, VoIP-Telefonie, Videokonferenzen, Cloud-Anwendungen und digitale Geschäftsprozesse sind darauf angewiesen, dass die Funkverbindung zuverlässig funktioniert.

Trotzdem wird die Qualität des WLANs häufig anders behandelt als die anderer kritischer IT- und Infrastruktursysteme: Gemessen wird vor allem dann, wenn es Probleme gibt.

Genau darin liegt ein wirtschaftliches Risiko.

Das Problem beginnt dort, wo das WLAN nicht ausfällt

Ein kompletter WLAN-Ausfall ist offensichtlich. Schwieriger zu erkennen sind die vielen kleinen Beeinträchtigungen, die den Betrieb nicht zum Stillstand bringen, aber Arbeitsabläufe verlangsamen.

Ein mobiler Scanner benötigt etwas länger für die Übertragung. Ein Mitarbeiter wartet auf den Aufbau einer Anwendung. Ein Endgerät verliert beim Roaming kurzzeitig die Verbindung. Eine Videokonferenz stockt. Ein Auftrag muss erneut übertragen werden.

Solche Ereignisse werden selten als klassischer IT-Ausfall erfasst. Sie können sich dennoch über Tausende Vorgänge pro Tag summieren.

Eine einfache Modellrechnung zeigt die mögliche Größenordnung: Verlieren 200 Beschäftigte durchschnittlich fünf Minuten Arbeitszeit pro Arbeitstag durch Wartezeiten und Verzögerungen, entstehen rund 3.667 verlorene Arbeitsstunden pro Jahr. Bei kalkulatorischen Personalkosten von 70 Euro pro Stunde entspricht das rund 257.000 Euro.

Die Rechnung berücksichtigt weder Produktionsausfälle noch Lieferverzögerungen oder zusätzlichen Aufwand im IT-Support.

„Das Problem ist weniger der einzelne WLAN-Fehler als dessen Häufigkeit“, erklärt Ulrich Diehl, Geschäftsführer der EUDISA GmbH und der Kybatec Wireless GmbH. „Wenn eine Verzögerung nur wenige Sekunden dauert, wird sie normalerweise nicht als Störung wahrgenommen. Wenn sie aber hundert- oder tausendfach auftritt, wird daraus ein wirtschaftlicher Faktor.“

Der Signalbalken sagt wenig über die tatsächliche Qualität aus

Ein Grund für die unterschätzte Problematik liegt in der Art, wie WLAN häufig beurteilt wird.

Noch immer gilt eine gute Signalstärke für viele Anwender als Synonym für ein funktionierendes WLAN. Technisch ist das jedoch nur ein Teil der Wahrheit.

Entscheidend sind unter anderem Interferenzen, Kanalbelegung, Airtime-Auslastung, Paketverluste, Latenzen und das Roaming-Verhalten. Auch die konkrete Situation des Endgeräts spielt eine Rolle.

Ein Client kann also eine hohe Empfangsstärke anzeigen und trotzdem eine schlechte Nutzererfahrung liefern.

Mit Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7 wird diese Situation nicht einfacher. Zusätzliche Frequenzbereiche, größere Kanalbandbreiten und neue technische Möglichkeiten erhöhen die Leistungsfähigkeit moderner WLANs, gleichzeitig aber auch die Anforderungen an Planung und Betrieb.

Die zentrale Frage lautet deshalb zunehmend nicht mehr, ob ein Access Point erreichbar ist, sondern ob die Funkinfrastruktur die jeweils benötigte Anwendung zuverlässig unterstützt.

WLAN ist eine Momentaufnahme – bis sich die Umgebung verändert

Auch eine professionelle Funkausleuchtung bei der Inbetriebnahme garantiert nicht, dass ein WLAN dauerhaft unter identischen Bedingungen arbeitet.

Gebäude werden umgebaut, Arbeitsplätze verlagert, Maschinen installiert, zusätzliche Endgeräte in Betrieb genommen und neue IoT-Systeme integriert. Hinzu kommen Bluetooth-Geräte und benachbarte Funknetze.

Damit verändert sich die Funkumgebung.

Das bedeutet: Eine Messung aus dem Jahr 2024 beschreibt nicht zwangsläufig die WLAN-Qualität im Jahr 2026.

„Ein WLAN ist ein dynamisches System“, sagt Diehl. „Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten, ob das Netzwerk bei der Installation funktioniert hat. Entscheidend ist, ob es auch im laufenden Betrieb zuverlässig funktioniert.“

Cisco sieht WLAN zunehmend als Produktivitätsfaktor

Dass Wireless-Infrastrukturen inzwischen deutlich stärker mit wirtschaftlichen Zielen verknüpft werden, zeigt der Cisco State of Wireless Report 2026.

Für die weltweite Studie wurden mehr als 6.000 IT- und Netzwerkverantwortliche befragt. 78 Prozent der Unternehmen berichten demnach von einer höheren betrieblichen Effizienz durch moderne WLAN-Infrastrukturen, 75 Prozent von einer gestiegenen Mitarbeiterproduktivität.

Gleichzeitig erwarten 64 Prozent der Befragten, dass die Behebung von WLAN-Problemen künftig komplexer wird. 55 Prozent geben an, ihre Wireless-Infrastruktur überwiegend reaktiv zu betreiben.

Damit entsteht ein bemerkenswerter Widerspruch: Die Bedeutung des WLANs für den Geschäftsbetrieb nimmt zu, während die Kontrolle der tatsächlichen Funkqualität vielfach weiterhin ereignisgetrieben erfolgt.

Vom Troubleshooting zur kontinuierlichen Messung

Für IT-Abteilungen bedeutet das einen Perspektivwechsel.

Statt eine Messung erst nach einer Beschwerde oder einem Ausfall zu starten, kann die WLAN-Qualität regelmäßig überprüft werden. Ziel ist nicht zwangsläufig eine permanente Vollanalyse, sondern die frühzeitige Erkennung relevanter Veränderungen.

Das ist insbesondere bei Unternehmen mit vielen Standorten interessant. Bei Filialnetzen, Produktionsstandorten, Logistikzentren oder Niederlassungen ist es organisatorisch und wirtschaftlich schwierig, für jede Überprüfung einen WLAN-Spezialisten vor Ort einzusetzen.

Hier setzen neue Messkonzepte an.

Sidos: Messungen durch Mitarbeiter vor Ort

Die EUDISA GmbH setzt für diesen Anwendungsfall unter anderem auf die Lösungen von Sidos.

Die Kombination aus Sidos Wave und Deep Survey App soll es ermöglichen, standardisierte WLAN-Messungen auch durch Mitarbeiter durchführen zu lassen, die nicht über die Ausbildung eines WLAN-Spezialisten verfügen.

Die App führt durch den Messprozess. Die erhobenen Daten können anschließend zentral von der IT-Abteilung oder einem WLAN-Experten ausgewertet werden.

Damit lässt sich ein bisheriger Engpass reduzieren: die begrenzte Verfügbarkeit von Spezialisten für Messungen an zahlreichen Standorten.

Nach Angaben von EUDISA ist bei der Durchführung von Messungen mit Deep Survey App und Sidos Wave zudem keine Begrenzung der Anzahl der Messenden vorgesehen. Dadurch können Unternehmen verschiedene Mitarbeiter in den Messprozess einbeziehen.

Der Ansatz zielt damit weniger auf die klassische einmalige Site Survey als auf eine wiederkehrende Qualitätskontrolle.

Ekahau bleibt Werkzeug für Planung und tiefgehende Analyse

Für komplexe Planungs- und Analyseaufgaben setzt EUDISA weiterhin auf Ekahau.

Die Werkzeuge ermöglichen die Planung und Simulation von WLAN-Infrastrukturen sowie professionelle Site Surveys und detaillierte Analysen bestehender Funknetze. Neben der reinen Abdeckung können dabei unter anderem Signalqualität, Interferenzen, Kanalnutzung und Roaming untersucht werden.

Damit ergänzen sich zwei unterschiedliche Ansätze: Während professionelle Werkzeuge wie Ekahau für Planung, Validierung und detaillierte Fehlersuche eingesetzt werden können, zielt Sidos Deep Survey auf die wiederholbare Messung im laufenden Betrieb.

Nicht jeder WLAN-Fehler verlangt einen neuen Access Point

Eine Konsequenz aus der stärkeren datenbasierten Betrachtung des WLANs könnte auch sein, Investitionen gezielter einzusetzen.

Denn nicht jedes Problem lässt sich durch zusätzliche Access Points oder mehr Bandbreite lösen.

Ist die Ursache eine Interferenz, eine ungünstige Kanalplanung, ein fehlerhaftes Roaming-Verhalten oder eine hohe Airtime-Auslastung, kann zusätzliche Hardware das eigentliche Problem sogar verschärfen.

Aus Sicht der EUDISA GmbH sollte deshalb vor einer Optimierungsmaßnahme zunächst die tatsächliche Ursache ermittelt werden.

„Wir sehen immer wieder Situationen, in denen über zusätzliche Access Points oder mehr Bandbreite diskutiert wird, obwohl die Ursache an einer ganz anderen Stelle liegt“, sagt Diehl. „Eine Messung schafft hier eine objektive Entscheidungsgrundlage.“

Fachwissen bleibt trotz Automatisierung entscheidend

Messtechnik allein löst allerdings kein WLAN-Problem. Die Messwerte müssen richtig interpretiert und in den Kontext der jeweiligen Anwendung gestellt werden.

Deshalb bietet EUDISA Workshops zu WLAN-Planung, Site Surveys, Funkausleuchtung, Fehlersuche, Optimierung und Betrieb an. Zielgruppen sind unter anderem Netzwerkadministratoren, Systemintegratoren, IT-Verantwortliche und WLAN-Planer.

Im Mittelpunkt stehen dabei praktische Fragestellungen: Warum ist ein Client trotz guter Signalstärke langsam? Wie lassen sich Roaming-Probleme nachweisen? Welche Auswirkungen haben Interferenzen? Welche Messwerte sind für eine Abnahme relevant? Und wie lässt sich ein Fehler reproduzierbar eingrenzen?

Die Entwicklung deutet dabei auf einen grundsätzlichen Wandel hin: WLAN-Messungen könnten sich von einer Spezialdisziplin für einzelne Projekte zu einem regelmäßigen Bestandteil des Infrastrukturmanagements entwickeln.

Denn je mehr Geschäftsprozesse vom WLAN abhängen, desto weniger genügt die Aussage: „Bei uns funktioniert das WLAN.“

Die entscheidende Frage ist vielmehr: „Woher wissen wir, dass es zuverlässig funktioniert?“

Quellen

  • Cisco, State of Wireless Report 2026 (Befragung von über 6.000 IT- und Netzwerkverantwortlichen weltweit): 78 % betriebliche Effizienz, 75 % höhere Produktivität, 64 % längere Problemlösungszeiten, 55 % überwiegend reaktive Betriebsweise.
  • Cisco, State of Wireless 2026 – Pressemitteilung: Strategische WLAN-Investitionen steigern Produktivität, Effizienz und ROI; 80 % der Unternehmen haben ihre Wireless-Investitionen in den vergangenen fünf Jahren erhöht.

Netzwerke / WLAN / IT-Infrastruktur / Cisco / EUDISA / Ekahau / Sidos
[pressebox.de] · 08.09.2026 · 10:00 Uhr
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