Witkoff und Kushner in Kiew: Trump-Sondergesandte testen Friedensformel mit Moskau und Selenskyj
US-Diplomatie erreicht Kiew – nach Moskau
Die beiden Sondergesandten der Trump-Administration haben zum ersten Mal ukrainischen Boden betreten. Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am Kiewer Bahnhof ein und wurden vom ukrainischen Geheimdienstchef Kyrylo Budanow empfangen. Damit endet eine Phase, in der die US-Unterhändler ausschließlich mit Moskau gesprochen hatten und bei Selenskyj für Verstimmung sorgten.
Vor dem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt hatten die beiden Unterhändler in Moskau fast drei Stunden mit Wladimir Putin verbracht. Putin betonte öffentlich, dass die Zusammenarbeit mit Witkoff und Kushner für Russland komfortabel sei. Selenskyj erklärte indes, die Ukraine bleibe konstruktiv und suche nach Sicherheitsgarantien für eine Nachkriegsordnung.
Temporäre Waffenruhe als Verhandlungsbedingung
Vor den Moskauer Gesprächen hatten die USA eine kurzfristige Waffenruhe vereinbart: Kiew verzichtete auf Drohnenangriffe gegen die russische Hauptstadt, Moskau stellte Raketenangriffe auf Kiew ein. Die New York Times berichtete, die USA hätten auf diese Aussetzung der Angriffe während des Aufenthalts der Unterhändler in Russland bestanden.
Die Verhandlungen über diese Reise zogen sich über Wochen hin. Witkoff und Kushner hatten seit 2025 mehrmals Moskau besucht, Kiew jedoch gemieden. Selenskyj hatte dies im April als respektlos kritisiert.
Frontverlauf und Eskalationsdynamik
An der Front gibt es kaum Bewegung, während beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensivieren. Moskau setzt vermehrt auf ballistische Raketen, die für die Ukraine schwer abzuwehren sind. Kiew wiederum hat seine Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Logistikzentren ausgeweitet.
Im Juli erreichte die Zahl der zivilen Opfer laut UN-Beobachtern den höchsten Stand seit Jahren. Die Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Genf brachten bisher keinen Durchbruch.
Trump-Optimismus und Realität
Donald Trump hatte die beiden Unterhändler entsandt, um zu prüfen, ob etwas zu erreichen sei. Er zeigte sich erneut optimistisch. Doch die Erwartungen in Kiew wie in Moskau an diese neuen Vermittlungsbemühungen bleiben gering.
Die USA waren zuletzt durch ihren eigenen Krieg im Iran abgelenkt, was die Ukraine-Verhandlungen zusätzlich verzögerte. Witkoff und Kushner flogen nach den Moskauer Gesprächen nach Rzeszow in Polen und reisten von dort mit dem Zug nach Kiew.
Was auf dem Spiel steht
Die Ukraine fordert Sicherheitsgarantien und eine würdige Nachkriegsordnung. Putin hat den US-Unterhändlern sein Vertrauen ausgesprochen. Ob daraus ein tragfähiger Waffenstillstand entsteht, bleibt offen. Die nächsten Schritte werden zeigen, ob die Trump-Administration über bloße Gesprächsrunden hinauskommt.

