Wilders und Rutte kämpfen um jede Stimme

13. März 2017, 22:44 Uhr · Quelle: dpa

Rotterdam (dpa) - Wie zwei Matadore betraten sie die Arena zu ihrem allerersten TV-Duell: Der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte und der Rechtspopulist Geert Wilders, die Nummer eins und zwei in den Umfragen vor der Parlamentswahl am Mittwoch.

Ein Schauspiel war es sicher am Montagabend in Rotterdam: der blond gefärbte Wilders gegen den dunkelhaarigen Rutte. Beide zeigten sich schlagfertig und streitbar. Sie stammen aus derselben politischen Familie. Wilders hatte 2004 mit der rechtsliberalen VVD - Ruttes Partei - gebrochen.

Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied: Der eine, Rutte, ist Premier und pochte sehr deutlich auf seine Führungsqualitäten. Die hatte er nach Ansicht von vielen zuletzt in der Krise mit der Türkei deutlich bewiesen. Der andere aber, Wilders, steht seit 14 Jahren im politischen Abseits und dominiert doch mit schärfsten Parolen die Debatte. Die Niederlande müsste aus der EU treten, rief er jetzt. «Wir müssen wieder Herr im eigenen Land werden.»

In diesem nach Sicht aller Beobachter bizarren Wahlkampf geht es eigentlich nur um eine Frage: Wie groß wird Wilders' Partei für die Freiheit PVV? Auch wenn ausgeschlossen ist, dass er Ministerpräsident wird, könnte er bei einem Sieg großen Einfluss auf die niederländische Politik haben.

Sowohl Rutte als auch Wilders hatten den Wahlkampf von Anfang an als einen Zweikampf inszeniert. Dazu aber war es bislang nicht gekommen. Im Gegenteil. Ruttes VVD stagniert bei etwa 16 Prozent und Wilders verliert in den Umfragen und steht nun mit rund 13 Prozent auf Platz zwei. Die übrigen Parteien holten dagegen deutlich auf. Nur die Sozialdemokraten, Ruttes bisheriger Koalitionspartner, stehen vor der größten Niederlage ihrer Geschichte.

Wer die Wahl gewinnt, ist noch offen. Daher stand für Rutte und Wilders bei diesem TV-Duell viel auf dem Spiel. Denn noch immer sind mehr als die Hälfte der Wähler unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben sollen.

Es gehe um eine «Absage an den falschen Populismus» hatte Rutte die Wähler beschworen und sich als seriöse Alternative zu Wilders' Kurs gegen Muslime und gegen Europa präsentiert. Dabei setzte der 50 Jahre alte, sonst so optimistisch lachende Premier auf dieselben Botschaften wie sein großer Kontrahent. In seitengroßen Zeitungsanzeigen hatte er «allen Niederländern» ein hartes Vorgehen gegen Migranten versprochen, die sich nicht an niederländische Werte und Normen hielten: «Verhalte dich normal oder geh weg!»

Doch die Wahlkampfstrategie der VVD fiel zusammen wie ein Souflé, das zu früh aus dem Ofen kommt. Wilders spielte das Spiel nämlich nicht mit. Er sagte die meisten TV-Debatten ab. Interviews gibt er sowieso höchst selten. Sein liebstes Medium ist und bleibt Twitter.

Diese Strategie aber kostet dem 53 Jahre alten Abgeordneten Stimmen. Noch bis Januar war der Islamgegner unangefochten die Nummer eins in den Umfragen gewesen. Doch seit einigen Wochen verliert die PVV.

Wilders kann sich nur schwer als Rechtsaußen profilieren, wenn der Premier einen ähnlich straffen Kurs fährt. Das wurde nun in der diplomatischen Krise mit der Türkei überdeutlich. Schon fast unholländisch kompromisslos hatte Ruttes Regierung die türkischen Minister abgewiesen, die in den Niederlanden Wahlkampf für ihre Verfassungsänderung führen wollten.

Jetzt muss Wilders alles tun, um seine Stammwähler bei der Stange zu halten. Immer mehr aber haben den Eindruck, dass eine Stimme für ihr Idol eine verlorene Stimme ist. Denn alle etablierten Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der PVV aus. Auch Ministerpräsident Rutte sagte ihm das jetzt mitten ins Gesicht: «Nie. Never. Nie.»

Wilders spielte den beleidigten Calimero und drohte bereits mit einem «Aufstand» seiner Wähler, sollte er bei einem Wahlsieg nicht an der Regierung beteiligt werden. Doch das zieht bei Rutte sicher nicht. Seine erste Minderheitsregierung war 2012 nach nur 18 Monaten gescheitert, weil Wilders die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte. Das hat ihm Rutte nie verziehen.

Wahlen / Niederlande
13.03.2017 · 22:44 Uhr
[3 Kommentare]
US-Präsident Trump
Berlin/Brüssel/Washington (dpa) - Europa kontra US-Präsident Donald Trump: Nach Trumps Zolldrohungen gegen Deutschland und andere wichtige Nato-Partner wegen Grönland bereitet die Europäische Union Gegenmaßnahmen vor und trifft sich voraussichtlich am Donnerstag zum Sondergipfel. «Wir lassen uns nicht erpressen», bekräftigte Vizekanzler Lars […] (06)
vor 6 Minuten
Feuchte Statistik, trockene Felder: Wie der Klimawandel Europas Ernten bedroht
Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich: In weiten Teilen Europas nehmen die Niederschläge zu, gleichzeitig verschärfen sich landwirtschaftliche Dürren. Aktuelle Klimastudien zeigen jedoch, dass genau dieses Paradox zu einem der zentralen Probleme der europäischen Landwirtschaft werden könnte. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Regen im […] (00)
vor 32 Minuten
Ein Jugendlicher sitzt im Wohnzimmer vor einem Laptop
Berlin (dpa/tmn) - Der Browser soll einfach nur ein Browser sein und einfach nur Webseiten anzeigen? Moderne Browser sind das oft nicht, sondern machen Dinge, die viele User von ihnen gar nicht erwarten - oder wollen, etwa: Shoppingangebote unpassende Vorschläge KI-Assistenten überall fehlerhafte KI-Suchergebnisse in den USA sogar schon […] (00)
vor 8 Minuten
Battlefield 6: EA enthüllt Patch Notes für Update am 20. Januar
Die Durststrecke zwischen den Seasons von Battlefield 6 hat bei vielen Fans für Unmut gesorgt, doch EA und Battlefield Studios lassen die Spielerschaft nicht völlig im Stich. Am 20. Januar 2026 landet Update 1.1.3.5, das zwar als „kleinerer Satz fokussierter Verbesserungen“ angekündigt wurde, aber mehr Substanz mitbringt als zunächst erwartet. […] (00)
vor 33 Minuten
«Streifenfragen»: SWR startet neuen Polizei-Podcast
Schon ab diesem Montag erblickt er das (Blau-)Licht der Welt. Der neue SWR Podcast Streifenfragen - Was dir Polizisten sonst nicht erzählen nimmt Hörerinnen und Hörer mit auf eine Reise in die Welt der Polizei. Gemeinsam mit Polizistinnen und Polizisten erzählt SWR3 Redakteur Joost Schmidt Geschichten, die über den Dienstalltag hinausgehen und die die Beamten nachhaltig geprägt haben. […] (00)
vor 1 Stunde
Tennis  - Australian Open
Melbourne (dpa) - Nach dem verheißungsvollen Auftakt hat es für die deutschen Tennisprofis bei den Australian Open am zweiten Turniertag ausschließlich Enttäuschungen gegeben. Tatjana Maria, Ella Seidel und Daniel Altmaier schieden in Melbourne allesamt in der ersten Runde aus. Vor allem Altmaier erlebte gegen den Kroaten Marin Cilic beim 0: 6, 0: […] (00)
vor 1 Stunde
Kostenloses Stock Foto zu bargeldersatz, bitcoin, bitcoin-einführung
Am 19. Januar erlitten XRP-Derivatehändler erhebliche Verluste, nachdem der Kryptomarkt aufgrund erneuter Handelskonflikte zwischen den USA und der EU, die mit den Zollandrohungen von Präsident Donald Trump in Verbindung stehen, einen starken Rückgang verzeichnete. Der Ausverkauf führte zu erzwungenen Liquidationen von XRP-Long-Positionen im Wert […] (00)
vor 23 Minuten
Outgassing unter Kontrolle – Reinheit in der Halbleiterfertigung sichern
Zürich, 19.01.2026 (PresseBox) -   Wesentliche Fakten auf einen Blick  evolast ®  setzt einen neuen Massstab für Reinheit in der Halbleiterindustrie:  Entwickelt für ultra-niedrige Ausgasungsleistung, die die Prozessintegrität in kritischen Plasma-, Temperatur- und Nasschemieumgebungen schützt.  Der fortschrittlichste niedrig ausgasende Elastomerwerkstoff:   evolast ®  gewährleistet […] (00)
vor 1 Stunde
 
S-Bahn in Berlin (Archiv)
Berlin - Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD Berlin und angehender SPD-Landeschef, […] (04)
EU-Kommission in Brüssel
Brüssel/Washington (dpa) - Die EU-Staaten beraten fieberhaft über eine Reaktion auf […] (04)
Junge Frau beim Telefonieren (Archiv)
Montabaur - Der Mobilfunkanbieter 1&1 will gegen die Bundesnetzagentur klagen. Anlass […] (00)
Verwelkte Bäume Bedeckt Mit Schnee Unter Bewölktem Himmel
An diesem Montag, den 19. Januar 2026, prägt ein Hochdruckgebiet die Wetterlage in […] (00)
Ashton Kutcher und Mila Kunis
(BANG) - Ashton Kutcher wurde von Tom Ford gefeuert, weil er für Gucci "zu dick" war. […] (00)
Resident Evil Requiem: Leon sollte ursprünglich ängstlich sein – Capcom änderte alles
Die Enthüllungen rund um Resident Evil Requiem während des kürzlich abgehaltenen […] (00)
ARD setzt auf Ruhrpott-Humor: «Das Millionenschnitzel» feiert Premiere
Mit einer neuen Komödie um Freundschaft, Vaterfragen und große Träume schickt Das Erste zur […] (00)
Handball EM - Pressekonferenz vor Spiel gegen Spanien
Silkeborg (dpa) - Den deutschen Handballern droht bei der Europameisterschaft das […] (01)
 
 
Suchbegriff