Cyber-Zwischenfall

Wie KI von OpenAI ausbrach und eine Firma hackte

22. Juli 2026, 16:55 Uhr · Quelle: dpa
OpenAI-Logo
Foto: Richard Drew/AP/dpa
Neue KI-Modelle des ChatGPT-Entwicklers OpenAI versuchten sich als Computer-Hacker, um bei einem internen Test zu schummeln. (Archivbild)
Ein außergewöhnlicher Vorfall bei einem Testlauf des ChatGPT-Entwicklers OpenAI demonstriert drastisch das Risiko von KI-Cyberattacken. Dabei wollte die Software nur in einem Test schummeln.

San Francisco (dpa) - Ein Alptraum-Szenario von Tech-Sicherheitsexperten ist Wirklichkeit geworden: Eine Software mit Künstlicher Intelligenz drang auf eigene Faust in Computersysteme einer anderen KI-Firma ein und verhielt sich dabei wie ein gewiefter Hacker. Zum Glück war es diesmal nur ein schiefgegangener Testlauf, bei dem ein übereifriges neues KI-Modell des ChatGPT-Entwicklers OpenAI zwar zu weit ging - aber letztlich nur harmlos auf ein gutes Prüfungsergebnis aus war. Doch der außergewöhnliche Zwischenfall zeigt drastisch, was passieren kann. Und mit böswilligen Angreifern hätte es ganz anders ausgehen können.

Das betroffene Unternehmen Hugging Face, eine Plattform für quelloffene KI-Anwendungen, berichtete bereits vergangene Woche von einem Cyberangriff und vermutete Künstliche Intelligenz dahinter. Das war korrekt: Wie sich herausstellte, ging die Attacke auf einen internen Versuch bei OpenAI zurück, den die Software ungeplant zu weit trieb. 

Ein Test, der zum Ernstfall wurde 

OpenAI selbst spricht von einem «beispiellosen Cyber-Zwischenfall». Wie so oft bei Unfällen fielen unerwartete Faktoren und das Versagen von Schutzmechanismen zusammen.

OpenAI wollte laut einem Blogeintrag beim neuen Modell GPT-5.6 Sol und einer noch unveröffentlichten künftigen Version die Fähigkeit ausloten, Sicherheitslücken für Cyberattacken auszunutzen. Dafür sollte die Software in abgesicherter Umgebung Aufgaben eines Standard-Tests mit dem Namen ExploitGym lösen, der dafür oft in der Branche verwendet wird. Doch die KI-Modelle gingen viel weiter als gedacht, um die Aufgabe zu erfüllen.

Flucht ins offene Internet

Zunächst brach die Software aus der Testumgebung aus, indem sie sich auf eigene Faust Zugang zum offenen Internet verschaffte - und zwar über eine bisher unentdeckt gebliebene Schwachstelle. Während sie eigenständig im Netz unterwegs waren, kamen die Modelle zu dem Schluss, dass es bei Hugging Face nützliche Daten und Lösungen für die ExploitGym-Aufgaben geben könnte. Deshalb habe die Software sich Zugang zu «geheimen Informationen» auf der Plattform verschafft, mit denen sie beim ExploitGym-Test schummeln könnte, erläuterte OpenAI. 

Auch dafür setzte die OpenAI-Software unter anderem auf zuvor unentdeckte Sicherheitslücken - aber auch auf gestohlene Zugangsdaten. Hugging Face zufolge führte der KI-Angreifer tausende Schritte aus und wechselte den Standort der digitalen Steuerzentrale der Attacke. Besser hätte ein erfahrener Computer-Hacker auch nicht vorgehen können.

Wie konnte das passieren?

Eigentlich sollte der Test in einer «höchst isolierten Umgebung» verlaufen, erklärte OpenAI. Die KI durfte eigentlich nur selektiv einige Datenpakete aus dem Netz laden, Software eines Spezialanbieters fungierte dabei als eine Art Türwächter. Was jedoch keine wusste: In dieser externen Software schlummerte unerkannt eine Schwachstelle, die das OpenAI-Modell nicht nur entdeckte, sondern auch eiskalt ausnutzte, um sich den Weg ins Internet freizulegen. Die Lücke wurde inzwischen dem Anbieter gemeldet.

Hugging Face hatte dann das Pech, der Ort zu sein, an dem die KI die Antwort auf die ExploitGym-Testaufgaben vermutete - es hätte auch jemand anderes treffen können. Mit freiem Zugang zum offenen Internet konnte das OpenAI-Modell methodisch nach Schwachstellen in den Systemen von Hugging Face suchen. Um hineinzukommen, verknüpfte es sogar mehrere davon zu einer Kette. Hugging Face entdeckte den Angriff, fand es aber schwierig, dagegen anzukämpfen, weil die KI so geschickt agierte. Auch OpenAI fiel nach eigenen Angaben auf, dass etwas falsch lief.

Was bedeutet das nun? 

Experten warnen schon lange vor Cyberattacken mit KI-Software. Branchenveteran Steve Newman, der einst Geburtshelfer von Google Docs war und jetzt Künstliche Intelligenz beim Golden Gate Institute for AI erforscht, sah in dem neuen Vorfall einen überaus präzisen «Warnschuss». 

Auch bei OpenAI ist das Alarmsignal angekommen. Micah Carroll, der dafür zuständig ist, die ChatGPT-Firma auf eine Zukunft vorzubereiten, in der sich KI-Software selbst weiterentwickeln kann, griff zu klaren Worten: Wenn dieser Vorfall jemanden nicht davon überzeugen könne, dass eine potenzielle Diskrepanz zwischen den Absichten der Menschen und der KI-Software in Zukunft zu den größten Risiken gehören werden, «weiß ich auch nicht, was dazu in der Lage wäre», schrieb er auf der Online-Plattform X.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mahnte: «Ein Angriff auf eine kritische Infrastruktur, etwa um einer Stadt den Strom abzustellen, wäre denkbar, wenn dies für die Aufgabenstellung der KI hilfreich ist.»

Rufe nach schärferen Regeln

Sofort wurden in der KI-Führungsmacht USA wieder Stimmen für eine striktere Regulierung Künstlicher Intelligenz lauter. Der Vorfall sei «extrem alarmierend», warnte etwa der demokratische Kongressabgeordnete Greg Casar. KI entwickele sich extrem schnell ohne verlässliche Regulierung für die Sicherheit. 

Präsident Donald Trump hatte in seiner zweiten Amtszeit die Leitplanken-Regeln seines Vorgängers Joe Biden für Künstliche Intelligenz schnell gekippt - im Namen eines Vorteils für US-Entwickler. Spätestens, wenn Trumps Republikaner im November ihre Mehrheiten in Abgeordnetenhaus und Senat an die Demokraten verlieren sollten, dürfte es neue Anläufe für strengere Regeln geben.

In Europa unterdessen sprachen sich EU-Abgeordnete dafür aus, die Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen zu verringern. Es brauche eigene leistungsfähige KI und mehr Kontrolle über Schlüsseltechnologien in Europa, sagten mehrere Europapolitiker dem «Spiegel».

Anthropics Wunder-KI löste Debatten aus 

In den vergangenen Monaten hatte vor allem ein neues Modell des OpenAI-Rivalen Anthropic die Debatte um Wohl und Risiken Künstlicher Intelligenz angeheizt. Die Software mit dem Namen Mythos entdeckte über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Sicherheitslücken bei viel genutzten Programmen und Online-Diensten. Die Schwachstellen konnten in der Folge gestopft werden. Doch zugleich führte das vor Augen, dass solche KI in den falschen Händen als verheerende Cyberwaffe dienen kann.

Anthropic macht die vollen Möglichkeiten von Mythos nur für ausgewählte Behörden und Unternehmen zugänglich. Für andere gibt es eine abgespeckte Version mit dem Namen Fable, der unter anderem die Cybersicherheits-Fähigkeiten fehlen. Nach Warnungen, dass die KI-Modelle von den Zügeln befreit werden könnten, musste Anthropic auf Geheiß der US-Regierung den Zugang zu Mythos und Fable zeitweise sperren. Die Blockade wurde inzwischen aufgehoben.

Computer / Internet / Software / USA / OpenAI / Hugging Face / KI-Sicherheit
22.07.2026 · 16:55 Uhr
[2 Kommentare]
Stellenausschreibung deutet auf Live-Inhalte bei Apple Fitness+ hin
Apple sucht derzeit nach einem Studio-Produzenten für seinen Dienst Apple Fitness+. Eine aktuelle Stellenausschreibung liefert dabei interessante Hinweise darauf, dass der Konzern aus Cupertino künftig auf Live-Inhalte und interaktive Trainingsformate setzen könnte. Bild: pexels Fokus auf Live-Produktionen in Santa Monica Die Ausschreibung […] (00)
vor 3 Stunden
Machtkampf in Thüringen und das Ringen um politische Stabilität in der Landesregierung
Die politische Landschaft im Freistaat Thüringen bleibt ein äußerst volatiles Terrain, das nicht nur Parteistrategen, sondern auch Wirtschaftsvertreter mit Sorge betrachten. Investoren und mittelständische Unternehmen verlangen nach Planungssicherheit und einer handlungsfähigen Administration. Stattdessen dominieren taktische Manöver und überraschende […] (00)
vor 24 Minuten
Hayden Panettiere
(BANG) - Der Tod von Hayden Panettiere wird untersucht, Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es bislang jedoch nicht. Die 'Heroes'-Schauspielerin starb im Alter von 36 Jahren, wie ihr Vater Alan Panettiere am Sonntag (16. August) bekannt gab. Die Polizei in Greenville im US-Bundesstaat South Carolina teilte inzwischen mit, dass ein Bekannter der […] (00)
vor 3 Stunden
Der Online-Casino-Markt entwickelt sich im Jahr 2026 weiter und Spieler achten zunehmend auf Faktoren wie eine große Spielauswahl, einfache Bedienung und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Neben Unterhaltung spielen auch technische Funktionen, Zahlungsmethoden und ein angenehmes Nutzererlebnis eine wichtige Rolle bei der Wahl einer Plattform. Viele Nutzer […] (00)
vor 41 Minuten
«Rote Roben»: ARD macht Podcast zu 75 Jahre Bundesverfassungsgericht
Bestritten wird das neue Audio-Projekt vom Duo Bräutigam/Hyseni. ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam und Egzona Hyseni, Reporterin aus der ARD-Rechtsredaktion erzählen in fünf monothematischen Folgen spezielle Fälle hinter den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts. Zum 75-jährigen Bestehen des Gerichts sprechen sie darüber, welche Auswirkungen die Entscheidungen auf Deutschland und die […] (00)
vor 4 Stunden
Trainings- und Fantag des FC Bayern München
München (dpa) - Ohne Jamal Musiala, dafür aber mit den Rückkehrern Harry Kane, Michael Olise und Dayot Upamecano hat sich der FC Bayern bei seiner Teampräsentation bejubeln lassen. Zwei Tage nachdem Musiala beim Testspiel gegen RB Leipzig (3: 1) große Sorgen bereitet hatte, schritt der 23-Jährige am Teamday am Campus des Clubs nicht mit den Münchner […] (00)
vor 1 Stunde
Speicherchips in der Achterbahn: Warum S&P-500-Optionen die Volatilität anheizen
Der unsichtbare Treiber: Optionshandel verzerrt Speicherchip-Kurse Die Speicherchip-Industrie erlebt derzeit eine ungewöhnliche Volatilitätswelle, die weniger mit fundamentalen Daten als vielmehr mit derivativen Finanzprodukten zu tun hat. Laut Thomas Sosnick, Head of Research bei Interactive Brokers, zeigt sich ein faszinierendes Muster: Bullische […] (00)
vor 1 Stunde
Buchtipp: Die Würze der Kürze
Ilmenau, 17.08.2026 (lifePR) - Walter-Uwe Weitbrecht aus Gummersbach ist ein Meister des Hintersinnigen, der leisen Töne. Seine Kurzgeschichten bieten Fantasie, Spannung, Humor und Leidenschaft in kompakter Form. Für Fans des Hintergründigen hat Walter-Uwe Weitbrecht eine passende Lektüre: „ Das Efeuhaus “ (ISBN: 9783957163875) enthält 16 […] (00)
vor 1 Stunde
 
Review – Merach R50 – Ein Luft-Rudergerät muss nicht groß, teuer und kompliziert sein…
Wer zu Hause trainieren will, kennt wahrscheinlich das Problem: Irgendwann steht da […] (00)
Nissan-SUV schafft als Serienhybrid ohne Auftanken 1.980 km am Stück
Nissans kompakter SUV Qashqai e-Power verfügt zwar über einen 100-prozentigen E-Antrieb, […] (02)
Review: OSCAL PowerMax 2400 SE – Kraftpaket, Gadget & mehr. Notstrom im Härtetest
Wer bei mobilen Stromspeichern an klobige, graue Kisten für den reinen Notfall denkt, […] (01)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Montag kaum verändert in den Handelstag gestartet. […] (00)
Alexander Zverev
Cincinnati (dpa) - Wimbledon-Finalist Alexander Zverev kommt vor den US Open nur […] (01)
Fortnite-Elite in Wien: Juu gewinnt Red Bull Reshuffle vor 1.000 Fans
Am 15. August 2026 wurde das Austria Center Vienna zum Fortnite-Mekka. Beim ersten […] (00)
Rentenkrise verschärft sich: Das kleine Problem, das niemand sehen will
Die stille Rentenkrise: Ein Risiko ohne Notfallplan Die Vereinigten Staaten steuern […] (00)
Review: Laifen P3 – Der neue Maßstab für Reiserasierer im Alltagstest
Reiserasierer haben im Alltag oft den Ruf, lediglich eine lückenhafte Notlösung für […] (01)
 
 
Suchbegriff