Wie China in einem Jahrzehnt das größte Schnellzug-Netz der Welt errichtete

In China gibt es inzwischen rund 30.000 Gleiskilometer für Schnellzüge. Das ist in etwa doppelt so viel wie im Rest der Welt zusammen. Insbesondere im Osten des Landes können so gut wie alle wichtigen Metropolen nun schnell und bequem per Zug erreicht werden. Besonders beeindruckend in diesem Zusammenhang: Die chinesische Regierung investiert erst seit rund zehn Jahren massiv in den Ausbau des Streckennetzes. Andere Länder mit ähnlichen Zielen waren hingegen deutlich weniger erfolgreich. So wollte Barack Obama eigentlich auch in den Vereinigten Staaten das Schnellzug-Netz massiv ausbauen. Diese Pläne wurden aber nur rudimentär umgesetzt. Grund genug einmal genauer zu schauen, was sich hinter dem Ausbau der Eisenbahn in China verbirgt.

Chinas Hochgeschwindigkeitsnetz ist erst knapp 10 Jahre alt. Foto: G category high speed train, Beijing West Railway Station, China, Fabio Achilli, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Motivation: Darum investiert China in Schnellzug-Strecken

Ohne starke politische Führung wäre der erfolgreiche Ausbau nicht möglich gewesen. Deshalb sollte die Frage gestellt werden, weshalb sich die chinesische Regierung in diesem Punkt so stark engagierte. Wie so oft ist dafür ein ganzes Bündel an Gründen verantwortlich. Zunächst einmal können gute Verkehrsanbindungen dazu beitragen, die Einheit eines Landes zu sichern. Durch stetigen Austausch wird verhindert, dass einzelne Regionen sich unabhängig voneinander entwickeln – was irgendwann zum auseinander brechen des Landes führen kann. Auch deshalb fährt inzwischen ein Schnellzug nach Ürümqi, wo die massiv unterdrückten Uiguren leben.

Gleichzeitig hat die Regierung die Bahntechnik als eine der Branchen definiert, in denen chinesische Unternehmen weltweit eine Spitzenposition einnehmen sollen. Das in die Bahn investierte Geld diente also auch dazu, die „China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC)“ zum größten Schienenfahrzeug-Hersteller der Welt zu machen. Aber auch sonst profitiert die Wirtschaft eines Landes natürlich von schnellen und preiswerten Transportmöglichkeiten. Der Ausbau des Streckennetzes ist also auch eine Art Wirtschaftsförderung. Vor allem in den letzten Jahren kam zudem noch der Aspekt des Klimaschutzes hinzu. Die Bahn bietet das Potential, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor deutlich zu reduzieren.

Die Erfolgsfaktoren: Viel Geld und Planungssicherheit

Auch die Weltbank hat sich das Schnellzug-Netz in China schon einmal genauer angeschaut. Dabei identifizierten sie einen oftmals übersehenen Erfolgsfaktor. Die chinesische Regierung verabschiedete im Jahr 2004 erstmals einen Streckenausbauplan. Seitdem wurde dieser nur zweimal modifiziert. Für die Unternehmen und Behörden bedeutet dies eine enorme Planungssicherheit. Außerdem wird weniger Arbeit in Projekte investiert, die dann doch nicht umgesetzt werden. Auch die Standardisierung wird erleichtert. Unter anderem deshalb kann ein Kilometer Schnellzug-Strecke in China rund ein Drittel günstiger errichtet werden als im Rest der Welt. Die Kosten liegen aber immer noch bei 17 bis 21 Millionen Dollar pro Kilometer. Voraussetzung für einen erfolgreichen Ausbau des Schienennetzes ist daher auch die Bereitschaft, sehr viel Geld zu investieren.

In China übernimmt diese Aufgabe letztlich der Staat. Denn die Finanzierung wird in der Regel durch staatliche Banken zur Verfügung gestellt. Bau und Betrieb übernimmt dann der Staatskonzern China Railways. Dieser allerdings hat dadurch inzwischen einen enormen Schuldenberg angehäuft. So belaufen sich die Verbindlichkeiten inzwischen auf 674 Milliarden Euro. Eine Summe, die sich viele andere Staaten schlicht nicht leisten können. Durch die Ticketpreise alleine kann das Geld zudem nicht wieder reingeholt werden. Denn diese werden von der Regierung gedeckelt. Ein Ticket von Shanghai nach Peking kostet in der Zweiten Klasse beispielsweise lediglich 71 Euro – was für eine Distanz von mehr als 1.300 Kilometern extrem preiswert ist. Flüge jedenfalls kosten in der Regel in etwa das Doppelte. Auch deshalb wird das Angebot von den Kunden so gut angenommen.

Auch in China läuft noch nicht alles perfekt

Die Weltbank hat herausgefunden, dass immerhin zwanzig Prozent der Bahnfahrer ohne die neuen Schnellzüge das Flugzeug genommen hätten. Die Klimabilanz allerdings fällt dennoch noch recht bescheiden aus. So konnten die Emissionen des Verkehrssektors durch das neue Schnellzug-Netz lediglich um rund zwei Prozent gesenkt werden. Der Hintergrund: Die Klimabilanz der Bahn hängt immer vom verwendeten Strommix ab. Werden ausschließlich Erneuerbare Energien verwendet, sind die Fahrten emissionsfrei. In China allerdings wird vorwiegend Kohlestrom genutzt. Auf diese Weise ist die Bahn zwar noch immer klimafreundlicher als das Flugzeug. Ihr volles Potential in diesem Bereich wird aber nicht ausgeschöpft. Allerdings hat die chinesische Regierung den Bau zahlreicher neuer Kohlekraftwerke bereits abgesagt und stattdessen den Ausbau der Erneuerbaren Energien forciert. Zukünftig dürfte sich die Klimabilanz der chinesischen Eisenbahn also weiter verbessern.

Via: Der Spiegel

Technik / Eisenbahnstrecke
[trendsderzukunft.de] · 16.12.2019 · 11:49 Uhr
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