Reit-Weltmeisterschaft

Werth rockt 40.000 Fans, Jung jubelt über Gold und Silber

16. August 2026, 16:59 Uhr · Quelle: dpa
Reit-WM Aachen
Foto: Uwe Anspach/dpa
Gold und Silber für Michael Jung in der Vielseitigkeit.
Standing Ovations im größten Reitstadion der Welt: Rekordreiterin Isabell Werth gewinnt ihre 14. WM-Medaille. In der Vielseitigkeit gibt es weitere Gründe zum Jubeln.

Aachen (dpa) - Einen Tag nach ihrer 14. WM-Medaille hat Isabell Werth die nächsten deutschen Erfolge bei den Reit-Weltmeisterschaften in Aachen gefeiert. Die Dressur-Königin jubelte auf der Tribüne, als Michael Jung in der Vielseitigkeit zu Gold und Silber ritt. Der 44 Jahre alte Reiter triumphierte in der Einzelwertung und holte sich außerdem mit dem deutschen Team den zweiten Platz.

«Das ist gigantisch», jubelte Jung nach seinem Erfolg im ersten Interview beim WDR. «Ich bin einfach so dankbar, dass ich so ein Pferd reiten kann. Das ist unwahrscheinlich», sagte er über den 18 Jahre alten Wallach, der mit vollem Namen fischerChipmunk FRH heißt.

Rund 17 Stunden nach Einzel-Bronze in der Dressur saß Werth am Sonntagnachmittag als Fan auf der Tribüne des größten Reitstadions der Welt, um «die Daumen zu drücken», wie sie es ausdrückte. Das hat offensichtlich geholfen. Werth konnte sehen, wie Jungs Pferd ein paar Mal die Stangen berührte, aber keine abwarf - und wie der Reiter schließlich die Faust ballte, als er es fehlerlos geschafft hatte. 

«Er kämpft, er galoppiert - ein unglaubliches Pferd!»

Jung führte das gesamte deutsche Team erneut zu Edelmetall. Der Titelverteidiger musste sich nur der britischen Equipe geschlagen geben, die durch Rosalind Canter mit Graffalo Einzeil-Silber gewann.

Neben Jung gehörten zum deutschen Team Julia Krajewski mit Nickel, Malin Hansen-Hotopp mit Carlitos Quidditch und Libussa Lübbeke mit Caramia. 

Der 44 Jahre alte Jung hatte die Basis für den Erfolg vor allem im Gelände gelegt, als er mit Chipmunk am Samstag eine formidable Runde gezeigt hatte. Der dreimalige Einzel-Olympiasieger schwärmte von seinem Pferd: «Er war so kraftvoll. Er kämpft, er galoppiert - ein unglaubliches Pferd!»

Mit seinem Erfolgspferd schien Jung im Gelände über die 24 Hindernisse zu fliegen. Und auch im Springen war das Paar perfekt. Als letzter Starter behielt Jung die Nerven und sicherte sich die zwei Medaillen. «Der strotzt vor Kraft», sagte Jung. 

«Ich heule schon die ganze Zeit»

«Ich heule schon die ganze Zeit», sagte die überglückliche Krajewski. «Ich hoffe, dem baut jetzt mal einer ein Denkmal», sagte sie über Jungs Pferd, das sie früher selbst geritten ist. 

Jung verhinderte in Aachen eine Wiederholung des Dramas bei der WM in Italien vor vier Jahren. In Rocca di Papa hatte er mit Chipmunk zwei Abwürfe und vergab damit im Springen seine Chance auf den Sieg im Einzel. Damals gab es mit der deutschen Mannschaft Gold.

«Risiko, Risiko, Risiko»

Schon am Samstagabend hatte Werth das Stadion gerockt, auch wenn sie nicht gewann und Dritte wurde. Zufrieden war die deutsche Rekordreiterin trotzdem. «Ich hatte tatsächlich nicht gedacht, dass das reichen wird», erzählte Werth über ihre Gold-Ambitionen. «Aber ich wollte natürlich unbedingt irgendwie noch ein Plätzchen auf dem Podium ergattern.» Daher lautete ihr Motto: «Flucht nach vorn und Risiko, Risiko, Risiko.»

Und das gelang ihr zur Freude der 40.000 Zuschauer, die schon vor den letzten Lektionen von Werths Kür tobten. Sie bedachten den Publikumsliebling mit Standing Ovations und klatschten nach dem Ende der Prüfung minutenlang. «Das Publikum hat uns so getragen, das war toll», schwärmte die Bronze-Gewinnerin.

Eindrucksvolle Medaillen-Sammlung

Werth erweiterte zum Abschluss der Dressurwettbewerbe in Aachen ihre eindrucksvolle Medaillen-Sammlung noch einmal. Für die 57 Jahre alte Reiterin war Bronze in der Kür die insgesamt 14. WM-Medaille ihrer bemerkenswerten Karriere, zehn davon sind aus Gold.

Sie selbst kommt bei ihren Statistiken regelmäßig durcheinander und will sich «demnächst» darum kümmern, wie sie vergnügt ankündigte. «Ist ja nicht so wichtig!»

Dressur unter Flutlicht mit Fußball-Stimmung 

Wichtiger sind ihr die Emotionen und der Wettkampf. «Ich habe nichts unversucht gelassen», sagte Werth. «Und das war einfach ein unglaublich tolles Gefühl.» Auch wenn ihr früh klar gewesen sei, «dass das jetzt nicht für Gold reicht».

Begeistert war Werth vom enthusiastischen Publikum, das bei Flutlicht für Fußball-Stimmung gesorgt hatte. «Das war einfach noch mal so sensationell», schwärmte sie. 20 Jahre nach dem Pferdesport-Sommermärchen an gleicher Stelle bei der WM 2006 genoss die erfolgreichste Reiterin der Welt erneut die unvergleichliche Stimmung in Aachen. Die von der alten und neuen Weltmeisterin Charlotte Fry aus Großbritannien mit vier Wörtern zusammengefasst wurde: «Das war einfach wow!»

Die Titelverteidigerin gewann mit Glamourdale wie am Vortag im Grand Prix Special vor der Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle. «Die gesamte Kür war das großartigste Gefühl der Welt», berichtete die überwältigte Fry. «In diesen Vibe hineinzureiten, Wahnsinn», sagte die 40 Jahre alte Doppel-Weltmeisterin von 2022 und 2026. Ihr Glamourdale habe «keinen Huf falsch gesetzt».

Pferdesport / Dressur / WM / Vielseitigkeit / Springen / Deutschland / Nordrhein-Westfalen
16.08.2026 · 16:59 Uhr
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