Weltpremiere: Businessjet stürzt ab und wird von integriertem Fallschirm aufgefangen

Piloten von Kampfflugzeugen können sich im Falle eine drohenden Absturzes schon seit vielen Jahren per Schleudersitz retten. Anschließend gleiten sie im Idealfall mithilfe eines Fallschirms langsam in Richtung Erde. Dafür benötigt man allerdings eine gewisse Übung. Für die Passagiere von Businessjets ist dies keine Lösung. Der Flugzeugbauer Cirrus hat daher in seinem Geschäftsflugzeug des Typs SF50 Vision-Jet ein neuartiges Sicherheitssystem im Rumpf integriert. In Florida geriet nun ein solcher Flieger mit drei Personen an Bord in Schwierigkeiten. Grund dafür war ein schweres Gewitter. Deshalb löste der Pilot den Notfallmechanismus aus. Daraufhin wurde ein Fallschirm gespannt, an dessen Ende das Flugzeug auf die Erde sank. Die drei Insassen wurden bei der etwas ungewöhnlichen Landung zwar verletzt, konnten die Maschine aber selbstständig verlassen. Der erste Einsatz des Rettungssystems bei einem Businessjet kann somit als Erfolg bezeichnet werden.

Bild: Dakins at English Wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Einsatz ist von Fluglage und der Geschwindigkeit abhängig

Ähnliche Systeme kamen in der Vergangenheit vor allem bei Ultraleichtflugzeugen und einmotorigen Propellerflugzeugen zum Einsatz. Hier konnten auf diese Weise bereits hunderte Menschenleben gerettet werden. Allerdings stößt der Ansatz immer stärker an Grenzen, je größer die Maschine wird. Vor diesem Hintergrund ist es eine durchaus beeindruckende Sache, dass nun ein fünfsitziger Businessjet auf diese Weise gerettet werden konnte. Zum Einsatz kommen kann der rettende Fallschirm, wenn der Motor aussetzt, es zu technischen Ausfällen kommt oder der Pilot die Orientierung verloren hat. Ausgelöst werden kann der Notfallmechanismus entweder durch den Piloten oder durch einen Passagier. Anschließend prüft das System zunächst, ob die physikalischen Voraussetzungen für das Aufspannen des Fallschirms gegeben sind. Andernfalls versucht der Autopilot die Fluglage und die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. Erst danach kommt dann der Fallschirm zum Einsatz und kann im Idealfall das Leben der Passagiere retten.

Auch Hubschrauber können so gerettet werden

Für größere Passagiermaschinen ist der Ansatz allerdings nicht geeignet. Denn hier würden im Fall eines Absturzes zu große Kräfte auf den Schirm wirken. Bisher liegen die Grenzen daher bei 2,6 Tonnen Abfluggewicht und einer Fluggeschwindigkeit von 300 Km/h. Allerdings ist die Idee nicht nur bei Flugzeugen anwendbar. Vielmehr gibt es auch ähnliche Systeme zur Sicherung von Helikoptern. Hier besteht die Schwierigkeit allerdings in der teilweise sehr niedrigen Flughöhe, sodass teilweise die Zeit fehlt noch rettend mit dem Fallschirm einzugreifen. Weil große Unglücke oftmals die Statistik verzerren, sind die Zahlen zu den Todesopfern im Zuge von Flugunglücken von Jahr zu Jahr stark schwankend. Grundsätzlich hat sich die Sicherheit im Flugverkehr in den letzten Jahrzehnten aber stark erhöht. Dafür verantwortlich ist vor allem die Implementierung von neuen technischen Sicherheitslösungen. Rettende Fallschirme könnten nun bei kleineren Flugzeugen für weitere Fortschritte sorgen.

Via: FAZ

Technik / Flugzeug
22.09.2022 · 08:11 Uhr
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