Warum Chinas Finanzelite nicht bei Goldman Sachs, JPMorgan und Co. arbeiten will

Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan, UBS und Credit Suisse sind große Namen in der westlichen Finanzwelt und besitzen hier eine enorme Anziehungskraft für gutausgebildete Banker. Ganz anders ist die Situation hingegen in China. Hier zeigen die Eliten der Finanzwelt kaum ein Interesse, einen Job bei ihnen anzunehmen, denn sie werden gerademal als "dritte Wahl" betrachtet, zitiert "Blomberg" Christian Brun von der Personalvermittlung Wellesley Partners.

Probleme bei der Rekrutierung

Dabei haben die westlichen Finanzkonzerne ein großes Interesse, sich Anteile am chinesischen Wertpapiermarkt zu sichern. Dieser hat immerhin ein Volumen von 44 Billionen Dollar. Doch obwohl Goldman Sachs und Co. ihre Expansionsbemühungen steigern, arbeiten die chinesischen Spitzenkräfte der Branche lieber für heimische, staatlich unterstützte Konzerne wie die China International Capital Corp. oder die Citic Securities Co.

Selbst ein deutlich höheres Grundgehalt - in einem "Bloomberg"-Beispiel ist sogar von einer angebotenen Steigerung um 60 Prozent die Rede - kann Chinas Finanzeliten nicht zu einem Wechsel verleiten. So wollten Christian Brun und sein Team seit Oktober mehr als 120 Job-Interviews führen, doch weniger als ein Fünftel war überhaupt zu einem Gespräch bereit. Und diejenigen, die ein Interesse zeigten, hätten nicht zu den Top-Talenten gehört.

Vorteile der Platzhirsche

Dieses zögerliche Verhalten hängt damit zusammen, dass die Joint Ventures mit westlicher Beteiliung laut der Securities Association of China noch relativ unbedeutend sind. Unter mehr als 90 Wertpapier-Unternehmen lagen diese in 2018 noch ziemlich am Ende in Bezug auf Vermögen, Umsatz und Gewinn. Dies wirkt sich letztlich auch auf das Gesamteinkommen der Finanzfachkräfte aus, denn bei den erfolgreicheren, heimischen Konzernen können sie mit hohen, einmaligen Bonuszahlungen rechnen.

Hinzu kommt laut Viviana Wu vom Headhunter-Unternehmen CGL Consulting, dass lokale Unternehmen eine breitere Plattform mit mehr Bewegungsraum bieten, so dass Angestellten neben einem flexiblen Anreizsystem auch bessere Möglichkeiten bei der Karriereentwicklung geboten werden.

Unprofitables Geschäft

Für ihr China-Geschäft benötigen die westlichen Finanzkonzerne Fachkräfte, die nicht nur über die nötigen Sprachkenntnisse verfügen, sondern sich auch mit internationalen Compliance-Standards auskennen. Um geeignetes Personal zu finden, bieten sie deshalb häufig Aufschläge beim Gehalt von rund 30 Prozent, berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf Eric Zhu vom Personalvermittler Morgan McKinley.

Aufgrund dieser hohen Kosten macht sich Eric Zhu aber auch Sorgen hinsichtlich der Profitabilität der Joint-Venture-Unternehmen mit westlicher Beteiligung. Er setzt deshalb auch ein "großes Fragezeichen hinter die Zukunftsfähigkeit derer Investitionen in China".

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[finanzen.net] · 12.07.2019 · 20:40 Uhr
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