VW-Chef will "echte Energiewende"

Wolfsburg (dts) - Volkswagen-Chef Herbert Diess hat die deutsche Politik aufgefordert, beim Klimaschutz die Energiewende mit mehr Nachdruck voranzutreiben. "Elektroautos haben nur dann Sinn, wenn sie einhergehen mit einer echten Energiewende", sagte Diess der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Der Energiemix in Deutschland führe dazu, "dass auch ein Elektroauto beim Betrieb noch zu hohe CO2-Werte hat, weil der Strom für das Auto teilweise auch aus Kohlekraftwerken kommt", so der VW-Chef weiter.

Nach Berechnungen von Volkswagen spare ein Elektroauto über den Lebenszyklus hinweg im Vergleich zum Verbrennungsmotor etwa die Hälfte des CO2-Ausstoßes ein. "Mit dem Einsatz von regenerativer Energie verbessert sich die Umweltbilanz", sagte Diess. Die Diskussion über eine konsequente Energiewende hätte in Deutschland früher beginnen müssen. Auch wenn der Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland unumkehrbar sei, falle auf, "dass die unterschiedlichen Lager über Kernenergie heute anders und offener diskutieren als noch vor Jahren". Diess, der die Wende zur Elektromobilität bei VW mit Nachdruck vorantreibt, verteidigte seine auch in der Branche umstrittene Strategie: "Wollen wir jetzt die Umweltvorgaben erfüllen, die die Politik uns setzt, und Strafzahlungen vermeiden, gibt es in den nächsten Jahren keine Alternative zum Elektroauto". Für das Auto sei der Elektroantrieb kurz- und mittelfristig die ökonomisch sinnvollste und auch realistischste Lösung. Zwar könnte in anderen Feldern für den Klimaschutz mehr erreicht werden, denn "überall ist die CO2-Reduzierung im Vergleich günstiger als beim Straßenverkehr. Aber ich akzeptiere natürlich, wenn die Politik den Verkehr besonders betrachtet", sagte Diess der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Gleichzeitig zerstreute er Sorgen, die Transformation von VW könne zu Entlassungen führen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss der VW-Chef "absolut" aus. "Glücklicherweise kommen wir gerade jetzt in eine Phase, in der zunehmend die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben ausscheiden", so Diess. Damit lasse sich der Strukturwandel sozialverträglich auch ohne betriebsbedingte Kündigungen bewerkstelligen. In den neuen Technologien würden zudem neue Arbeitsplätze entstehen. "Am Ende wird der erfolgreicher sein, der schneller umbaut als derjenige, der zu lange wartet", so der VW-Chef weiter.
Wirtschaft / DEU / Autoindustrie / Unternehmen / Energie
01.05.2019 · 17:48 Uhr
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