Autobranche in der Krise

VW-Chef nennt erstmals eine Zahl: Bis zu 50.000 Jobs bedroht

13. Juli 2026, 12:51 Uhr · Quelle: dpa
Volkswagen in Wolfsburg
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Bis zu 50.000 Jobs könnten bei VW bedroht sein. (Archivbild)
Volkswagen-Chef Blume hat sich lange nicht zum geplanten Stellenabbau bei dem Autoriesen geäußert. Nun macht er erstmals klar, wie viele Jobs bedroht sind. Und was ist mit den deutschen Standorten?

Wolfsburg (dpa) - Mitten im Ringen um die Zukunft des größten europäischen Autobauers hat Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume erstmals das mögliche Ausmaß der erwarteten Einschnitte beziffert. Ohne Veränderung der Arbeitskosten würde sich eine Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben, sagte er einem internen Interview im Volkswagen-Intranet zufolge, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte der «Spiegel» berichtet. 

Diese Zahl ergibt sich laut Blume aus dem Vorhaben, die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Die entsprechenden Kosten lägen bei Volkswagen noch um 20 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Das bedeute, dass «eine theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben» würde.

Höhe des Personalabbaus steht noch nicht fest

Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen ermittelt, welche Anpassungen «nötig und möglich» seien. Personalkosten ergäben sich neben der Zahl der Beschäftigten aus den Arbeitskosten. «Diesen Hebel müssen wir ebenfalls ziehen», sagte er und deutete damit an, dass das genaue Ausmaß des Personalabbaus wohl noch nicht feststeht.

Bis 2030 hatte Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte hätten bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben, bis zum Jahresende sollten rund 27.000 Beschäftigte ausgeschieden sein, sagte Blume nun.

Blume: Intelligente Lösungen sind besser als Werkschließungen

Die Äußerungen kommen wenige Tage nach der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, bei der Blume einem Medienbericht zufolge mit einem weitergehenden Sparpaket gescheitert sein soll. Was konkret im abgelehnten Paket steht, war zunächst nur aus Medienberichten bekannt - demnach könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, sogar von 120.000 war die Rede. Vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland könnten zudem von Schließung bedroht sein: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.

«Überkapazitäten kosten Geld», sagte Blume im VW-Intranet zu möglichen Werkschließungen. Und: «Die Wahrheit ist auch, dass wir heute für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen können.» Wichtig sei ihm: «Intelligente Lösungen sind immer besser, als ein Werk zu schließen.»

Alternative Lösungen werden geprüft

Mut mache, dass die Fabrikkosten bei Volkswagen an den deutschen Standorten allein im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken seien - das zeige in die richtige Richtung, sagte der Konzernchef. Auch alternative Lösungen würden geprüft, so sei Volkswagen für den Standort Osnabrück mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie «in fortgeschrittenen Gesprächen». Er betonte: «Uns ist es wichtig, Beschäftigung zu sichern.»

Zuvor hatte der bei Volkswagen mächtige Betriebsrat einen großen Vertrauensverlust in der Belegschaft ausgemacht. Ein Sprecher des Betriebsrates sagte am Sonntag, für Beschäftigte, Zulieferer, Dienstleister und ganze Standortregionen, die am größten Industriekonzern Deutschlands hingen, sei eine schwer erträgliche Lage entstanden: «Insbesondere für unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten.»

Hannovers Oberbürgermeister fordert Bekenntnis zum Standort

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay forderte, Volkswagen müsse sich immer zum Standort Deutschland bekennen. «Es ist mit Blick auf den internationalen Wettbewerb absurd, darüber nachzudenken, hoch qualifiziertes Personal nach Hause zu schicken und top moderne Fabriken auslaufen zu lassen», sagte der Grünen-Politiker auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

In Emden sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff, er habe schon am Tag der Aufsichtsratssitzung deutlich gemacht, dass Volkswagen «kreative und intelligente Lösungen entwickeln muss, anstatt immer wieder über Werksschließungen oder einen schleichenden Rückbau von Standorten zu diskutieren». Für Emden erwarte er «eine langfristige Perspektive mit neuen Produkten, neuen Aufgaben und weiteren Investitionen». Der parteilose Politiker betonte: «Die Beschäftigten haben den Wandel zur Elektromobilität mitgetragen, sie haben ihren Beitrag geleistet und verdienen Respekt.»

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Sebastian Lechner, machte klar: «Volkswagen ist mit Niedersachsen und seinen Menschen auf besondere Weise verbunden. Deshalb haben der Erhalt und die Zukunftsfähigkeit der niedersächsischen Standorte für uns als Landespolitik höchste Priorität.» Er mahnte einen schnellen, klaren und verbindlichen Zukunftsplan an: «Volkswagen braucht wettbewerbsfähige Produkte, effizientere Strukturen und konkrete Investitionsperspektiven für seine Werke.»

Arbeit / Automobilindustrie / Industrie / Niedersachsen / Deutschland / Volkswagen / Oliver Blume
13.07.2026 · 12:51 Uhr
[5 Kommentare]
Spielschein für Lotto 6 aus 49
Saarbrücken - In der Samstags-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und Totoblocks wurden am Abend die Lottozahlen gezogen. Sie lauten 6, 11, 28, 31, 37, 47, die Superzahl ist die 5. Der Gewinnzahlenblock im "Spiel77" lautet 4789095. Im Spiel "Super 6" wurde der Zahlenblock 097061 gezogen. Diese Angaben sind ohne Gewähr. Der Deutsche Lotto- […] (00)
vor 36 Minuten
Jasmin Tawil
(BANG) - Jasmin Tawil befindet sich nach eigenen Angaben derzeit in einer finanziellen Notlage und hat kein Zuhause. Die ehemalige GZSZ-Darstellerin wandte sich aus Kroatien mit einem dringenden Appell an ihre rund 38.900 Follower. In ihrer Instagram-Story erklärte die 44-Jährige: "Ich habe völlig unerwartet Wohnung und Arbeit verloren und bin aktuell […] (05)
vor 8 Stunden
OpenAI-Logo
San Francisco (dpa) - Eigenständig agierende KI-Agenten des ChatGPT-Entwicklers OpenAI haben eine deutschsprachige Wiki-Seite in großem Stil für Absprachen untereinander missbraucht. Der erst jetzt öffentlich gewordene Vorfall aus dem Frühjahr ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Software mit Künstlicher Intelligenz ungeplanten Ärger bereiten kann. Die […] (00)
vor 2 Stunden
MY HERO ACADEMIA: All’s Justice erscheint heute für Nintendo Switch 2
Bandai Namco Entertainment veröffentlicht heute  MY HERO ACADEMIA: All’s Justice für Nintendo Switch 2. Basierend auf dem Handlungsbogen der finalen Schlacht der weltweit gefeierten Anime-Serie bietet das Spiel bekannte Momente aus der Serie sowie Kämpfe, in denen die ikonischen Spezialitäten der Charaktere zum Tragen kommen – all das mit den […] (00)
vor 13 Stunden
«DogMan» feiert Free-TV-Premiere im ZDF
Luc Bessons ungewöhnliche Mischung aus Drama, Thriller und Außenseitergeschichte läuft Ende September erstmals im deutschen Free-TV. Caleb Landry Jones übernimmt die Hauptrolle. Das ZDF setzt sein Montagskino am 28. September 2026 mit einer Free-TV-Premiere fort. Um 22.15 Uhr zeigt der Mainzer Sender den französisch-amerikanischen Spielfilm DogMan von Luc Besson. Der 2023 entstandene Film war […] (00)
vor 6 Stunden
Deutschland - Japan
Berlin (dpa) - Die deutschen Basketballerinnen haben bei der Heim-WM ihren ersten Sieg gefeiert und damit wieder Kurs auf die K.-o.-Runde genommen. Einen Tag nach dem 53: 83-Debakel gegen Medaillenkandidat Spanien gewann das Team von Bundestrainer Olaf Lange in Berlin gegen Japan mit 74: 58 (34: 29) und hat das Weiterkommen nun selbst in der Hand. «Wir […] (00)
vor 13 Minuten
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, cryptocurrency, brown finance
Marc Boiron, CEO von Polygon, äußerte sich kritisch zu Urlaubszeiten seiner Mitarbeiter und spaltete damit die Krypto-Industrie. Der Chef von Polygon Labs gab zu, dass er Geschwindigkeit gegenüber Erholung bevorzugt. Kritiker bezeichneten dies als eine Denkweise, die eher im traditionellen Finanzwesen verankert sei. Boiron reagierte darauf mit einer […] (00)
vor 35 Minuten
Bezahlbarer Baugrund verfügbar
Weilburg, 05.09.2026 (lifePR) - 300.000 Wohnungen – das ist der Bedarf an Neubauwohnungen pro Jahr, so die Schätzung von Experten. Über deren Bezahlbarkeit entscheidet oft auch der hohe Baulandpreis. Dabei sind „Bauplätze“ in großer Zahl verfügbar: im Dachgeschoss oder auf dem Dach vieler Gebäude im Bestand. Darauf weist der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen in Weilburg hin. […] (00)
vor 11 Stunden
 
Julia Verlinden (Archiv)
Berlin - Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen-Bundestagsfraktion Julia […] (01)
BVB-Fans (Archiv)
Dortmund - In der zweiten Runde des DFB-Pokals kommt es zum Bundesliga-Duell zwischen […] (00)
Korruptionsaffäre in Monaco zieht weitere Kreise
Monaco (dpa) - Eine seit Jahren andauernde Affäre um Korruption und Einflussnahme im […] (00)
Antifa-Demo in Halle am 05.09.2026
Halle/Magdeburg - Am Vorabend der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der ein […] (00)
goldene bitcoin-münze auf euro-banknoten platziert, symbolisiert digitale währung und moderne finanzen.
Zcash (ZEC) hat in der aktuellen Aufwärtsbewegung des Kryptomarktes bemerkenswerte […] (00)
«Das Vergessen – Spurlos im Moor»: Neue Thriller-Serie mit Julia Koschitz
Als eine Leiche im Moor entdeckt wird, nimmt ihre Figur die Mordermittlungen auf. Was mit […] (00)
Bayer Leverkusen - 1. FC Union Berlin
Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat sein erstes Heimspiel unter Trainer Carles […] (00)
Loveless, die Hackerin fokussiert im neuen Borderlands 4 Gameplay Spotlight
2K und Gearbox Software bieten heute einen tiefen Einblick in die neueste Kammer- […] (01)
 
 
Suchbegriff