VW-Aufsichtsrat nickt Umbau ab – Blume hat Mandat, 50.000 Jobs und vier Werke bleiben Streitpunkte

Einigung ohne Siegermiene
Am Donnerstagabend haben die zwanzig Aufsichtsräte von Volkswagen den bislang tiefgreifendsten Restrukturierungsplan der Konzerngeschichte gebilligt. Oliver Blume erhält damit das Mandat, Kosten zu senken und Strukturen zu vereinfachen. An der Börse quittierten Anleger die Nachricht mit einem Kursplus von 6,5 Prozent bei den Vorzugsaktien. Der Schritt ist jedoch nur ein Rahmenbeschluss; die eigentlichen Verteilungskämpfe stehen noch bevor.
Wer zahlt die Zeche?
Alle Beteiligten – Porsche-Piëch-Familie, Land Niedersachsen, Betriebsrat und Vorstand – erkennen mittlerweile an, dass Europa einen Produktionsüberhang von 500.000 Fahrzeugen hat. Die Diskussion dreht sich daher nur noch darum, wie schnell und wer die Last trägt. Die Gewerkschaftsspitze sprach von Deeskalation, kritisierte zugleich aber den „Konfrontationskurs“ der Unternehmensleitung. Der Steuerzahler bleibt außen vor, obwohl jeder staatlich garantierte Arbeitsplatz indirekt von seiner Substanz zehrt.
50.000 Köpfe auf dem Prüfstand
Bis 2030 soll der Konzern weltweit weitere 50.000 Stellen streichen, davon rund die Hälfte in Deutschland. Hinzu kommen bereits beschlossene Kürzungen von 35.000 Jobs allein bei der Kernmarke. Altersteilzeit und Abfindungen sind weiterhin die bevorzugten Instrumente; betriebsbedingte Kündigungen bleiben bis 2030 ausgeschlossen. Die konkreten Verhandlungen mit IG Metall und Betriebsrat beginnen erst jetzt. Jede Abfindung ist letztlich Kapital, das an anderer Stelle fehlt.
Vier Werke in Wartestellung
Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm bleiben auf der Abschussliste. Der Aufsichtsrat hat lediglich zur Kenntnis genommen, dass für diese Standorte ab 2031 bis 2034 keine wettbewerbsfähige Auslastung in Sicht ist. Die Arbeitnehmervertreter räumen ein, dass die Kostennachteile „in anderen Unternehmen“ bereits zum Aus geführt hätten. Bis Juni 2027 soll ein europäisches Strukturkonzept stehen; alternative Nutzungen, etwa für Rüstungsgüter oder chinesische Modelle, werden geprüft. Bis dahin bleibt Unsicherheit.
Konzernstruktur: Idee vertagt, nicht gekippt
Die Ausgliederung der Kernmarke VW und der Komponentensparte ist vorerst vom Tisch. Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner sehen darin eine Verteidigung der Mitbestimmung. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) begrüßte die Entscheidung. Der Aufsichtsrat beauftragte den Vorstand jedoch gleichzeitig, ein „fortentwickeltes“ Entscheidungs- und Konzernstrukturmodell zu erarbeiten. Die Frage, wer künftig bei Volkswagen das Sagen hat, ist damit nur aufgeschoben.
Was Anleger jetzt sehen müssen
Die VW-Vorzugsaktie notierte am Freitag mit einem Schlusskurs von 6,5 Prozent im Plus, liegt aber seit Jahresbeginn noch immer mehr als 20 Prozent im Minus. Der Markt honoriert den Handlungswillen, bleibt aber skeptisch, ob die Kompromisse tief genug gehen. Solange Mitbestimmung und Politik die Kapitalallokation bestimmen, bleibt die Renditeerwartung gedeckelt. Blume hat nun das Mandat – die harte Arbeit beginnt erst.

