VW-Aktie steigt: Volkswagen benennt Führungsteam für Batteriegesellschaft - E-Auto-Serienproduktion in Emden beginnt

Volkswagen hat das Führungsteam seiner Batteriegesellschaft benannt und einen kräftigen Personalaufbau des in Salzgitter ansässigen Bereichs angekündigt.
An der Spitze der neu gegründeten Europäischen Aktiengesellschaft steht der frühere Continental- und Daimler-Manager Frank Blome, wie der Wolfsburger DAX-Konzern mitteilte. Er soll das Batteriegeschäft ausbauen, um Volkswagen weltweit als Zellhersteller zu etablieren. Blome, der seit vier Jahren bei VW beschäftigt ist, werde ab 1. Juli das operative Geschäft der Batteriegesellschaft aufnehmen.

Zudem sechsköpfigen Vorstand des Geschäfts zählt unter anderem Sebastian Wolf, der als Chief Operations Officer die Planung, Aufbau und Betrieb der geplanten Zellfabriken in Europa verantworten werde. Zum Finanzvorstand wurde Kai Alexander Müller berufen, der unter anderem bei Bank of America und Barclays arbeitete und mehrere Börsengänge begleitete.

VW kündigte auch an, das Batterie-Team in Salzgitter "in kurzer Zeit" von 750 auf 1200 Mitarbeiter auszubauen. Das Geschäft bündelt alle Aktivitäten entlang der Batterie-Wertschöpfungskette. VW erwägt perspektivisch einen Börsengang des Geschäfts.

Volkswagen beginnt E-Auto-Serienproduktion in Emden

Nach rund zwei Jahren Umbauphase im laufenden Betrieb hat Volkswagen in seinem Werk in Emden mit der Serienproduktion des vollelektrischen Kompakt-SUV ID.4 begonnen. In der neuen Montagehalle 20 rollten am Freitag die ersten fertigen Wagen vom Band. Nach der Anlaufphase und den Werksferien im Sommer sollen bis Ende des Jahres 4000 ID.4 pro Woche in der Seehafenstadt gefertigt werden, wie Werksleiter Uwe Schwarz sagte. "Ein starkes Signal für Volkswagen, für unser Werk, aber auch für die gesamte Region", sagte der VW-Manager zum Produktionsstart vor Dutzenden Gästen aus der Wirtschaft und der Politik sowie Pressevertretern.

Für die Produktion von E-Autos wird die Fabrik seit 2020 im laufenden Betrieb umgebaut. Neben neuen Fertigungshallen wurde auch ein Batterielager errichtet. Bis 2024 will Volkswagen Emden zu einem Werk ausschließlich für die Produktion von E-Autos umbauen und dazu nach eigenen Angaben insgesamt eine Milliarde Euro investieren. Noch wird parallel in Ostfriesland der Passat gebaut. Ab 2023 soll dann der Aero als zweites Elektromodell gefertigt werden und den Passat ablösen.

Mit der Serienproduktion des ID.4 ist Emden neben dem sächsischen Zwickau nun das zweite deutsche VW-Werk, in dem das Modell gefertigt wird. 400 Beschäftigte aus Ostfriesland waren zeitweise in Sachsen, um den Umstieg von der Verbrenner- auf die E-Auto-Produktion in Emden vorzubereiten. Sie sollen nun nach und nach auch weitere Beschäftigte im Emder Werk trainieren. Zunächst wird der ID.4 in einer Schicht gefertigt, ab Mitte Juni sollen es dann zwei Schichten sein. Von den rund 8000 VW-Beschäftigten in Emden arbeiten nach Angaben des Betriebsrats bereits rund 1000 an der Fertigung von E-Fahrzeugen.

Neben Zwickau und Emden wird der ID.4, das zurzeit absatzstärkste E-Modell von Volkswagen, auch in zwei Werken in China und ab dem Herbst auch in Chattanooga (USA) produziert. Im ersten Quartal 2022 lieferte der Wolfsburger Autobauer mehr als 30 000 ID.4 aus. "Die Erweiterung der Fertigungskapazitäten für den ID.4 hier in Emden ist von zentraler Bedeutung", sagte VW-Kernmarken-Chef Ralf Brandstätter zum Produktionsstart. "Das weltweite Produktionsnetzwerk wird dann auf fünf Standorte anwachsen und wir können dann die großen Märkte Amerika, China und Europa regional mit lokaler Fertigung bedienen."

Das Angebot an vollelektrischen Autos und die Umrüstung weiterer Standorte wie Hannover will VW weiter ausbauen. Das verlaufe "nach Plan", sagte Vorstandschef Herbert Diess kürzlich bei der Hauptversammlung des Konzerns. Die Wagen könnten bald vergleichbar profitabel sein wie Verbrenner. Umweltschützer und auch mehrere Aktionäre forderten aber, nach Kompaktmodellen, SUVs und Limousinen rascher auch kleinere Modelle wie einen ID.1 oder ID.2 anzugehen.

Für die Emder VW-Belegschaft ist der Umstieg auf die E-Mobilität der wohl größte Wandel in der fast 60-jährigen Geschichte des Werkes, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hafen steht. Im Dezember 1964 lief in der Stadt der erste Käfer vom Band und sorgte für viele neue Arbeitsplätze im strukturschwachen Ostfriesland. Seit 1977 wird in Emden der Passat gebaut.

Der Emder Betriebsratsvorsitzende Manfred Wulff sagte, die Transformation zur E-Mobilität sichere nachhaltig Arbeitsplätze in der Region. "Was wir vor vier Jahre entschieden haben, zeichnet sich nun mehr und mehr als richtige Entscheidung ab." Trotz der Corona-Pandemie und Engpässen bei Halbleitern sei der Zeitplan beim Umbau eingehalten worden.

VW-Aufsichtsrat fordert wohl neues Konzept für Cariad

Um die Probleme von Volkswagen bei der Softwareentwicklung in den Griff zu bekommen, verlangt der Aufsichtsrat laut Insidern ein überarbeitetes Konzept.

"Das reicht so nicht, was der Vorstand vorgelegt hat", sagte eine Person aus dem Umfeld des Gremiums der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Ein weiterer Insider sagte, in der letzten Aufsichtsratssitzung vor der Sommerpause werde von der Softwaretochter Cariad ein "Update" erwartet. Ein Termin sei noch nicht festgelegt. Der "Spiegel" berichtete, bei den Beratungen im Aufsichtsrat vor der Hauptversammlung vergangene Woche sei von gravierenden Managementfehlern bei Cariad die Rede gewesen. Volkswagen äußerte sich nicht dazu.

Eine organisatorische Neuaufstellung der Softwaretochter, wie der Spiegel folgert, ist offenbar nicht geplant. "Die Erwartung, dass sich etwas am Management ändert, ist falsch", sagte ein dritter Insider. Es gehe vielmehr um eine Neuordnung der Modellanläufe und darum, die vielfältigen Interessen in dem Konzern unter einen Hut zu bringen.

Der Aufsichtsrat lässt sich vom Vorstand regelmäßig über wichtige Themen auf den neuesten Stand bringen, darunter auch über die Entwicklung bei Cariad. Für die IT-Tochter, in der Volkswagen die Softwareentwicklung seiner Marken gebündelt hat, ist seit Jahresanfang Konzernchef Herbert Diess verantwortlich. Die Tochter ringt seit längerem mit Schwierigkeiten, wodurch wichtige Projekte in Verzug geraten und Modelle von Porsche und Audi erst später anlaufen können. Vor allem die zweijährige Verspätung beim elektrischen Macan, der für Porsche auch angesichts des geplanten Börsengangs wichtig ist, haben dazu geführt, dass die Familien Porsche und Piech im Aufsichtsrat hellhörig geworden sind. Bei VW gilt: Wenn die Haupteigner Fragen stellen, leuchten im Management die roten Lampen.

Alarmiert ist man in Wolfsburg durch eine Studie von McKinsey, wonach die Planung für Zukunftsprojekte durch die Softwareprobleme obsolet geworden ist. Audi entwickelt unter dem Projektnamen Artemis einen Wagen für autonomes Fahren, der zunächst für 2024 avisiert war, nun aber wohl erst 2027 in Serie gehen kann. Dadurch überholt die Volumenmarke VW mit ihrem Trinity-Projekt die Ingolstädter Premiumschwester in dem prestigeträchtigen Rennen. Der Trinity für automatisiertes Fahren (Level 4) soll wie geplant 2026 anlaufen. "Das ist eine Katastrophe für Audi", sagte ein Konzernkenner.

Für die VW-Aktie geht es am Freitag im XETRA-Handel zeitweise um 0,72 Prozent auf 146,36 Euro hoch.

EMDEN / DETMOLD (dpa-AFX) / FRANKFURT (Dow Jones) / Hamburg (Reuters)

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[finanzen.net] · 20.05.2022 · 16:37 Uhr
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