Von Südkorea bis Peru: Gehören Schwellenländer-Aktien jetzt in jedes Portfolio?

• Emerging Markets sind fundamental günstig
• Handelskrieg verschreckt die Investoren
• Schwellenländer steuern 44% zum globalen BIP bei

In ungewissen Zeiten haben volatile Investitionen aus fernen Ländern einen eher schweren Stand. Dementsprechend fokussieren sich gerade deutsche Anleger vermehrt auf die altbekannten DAX-Titel. Die Neigung, sein eigenes Kapital vornehmlich in Aktien aus der Heimat zu investieren, kostet jedoch nicht nur Rendite, sondern bringt auch ein gewaltiges Klumpenrisiko mit sich. Um diesem sogenannten "Home Bias" zu entkommen, empfiehlt es sich für Investoren gerade jetzt, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen. Denn aufgrund geopolitischer Unruhen im Nahen Osten, der Türkei-Krise, der Protestwelle in Hongkong, verschiedener US-Wirtschaftssanktionen und dem schwelenden Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China sind Aktien aus Schwellenländern aktuell sehr günstig bewertet.

Portfoliomanager rät zum Einstieg

Andrew Mathewson, Portfoliomanager des Martin Currie Emerging Markets Fund, vertritt in einem Interview mit CNBC die Ansicht, dass die niedrigen Bewertungen und die starken Entwicklungen der Schwellenländer nun zwingende Gründe dafür sind, Aktieninvestitionen über den eigenen Heimatmarkt hinaus zu diversifizieren.

Schwellenländer steuern 44 Prozent zum globalen BIP bei

Die aufstrebenden Volkswirtschaften trugen laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds im Jahr 2018 mit rund 44 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei. Im eigentlich für die Weltwirtschaft repräsentativen MSCI All Countries World Index, welcher rund 2.750 Unternehmen beinhaltet, bringen es die Emerging Markets-Aktien jedoch nur auf 11,9 Prozent. Dementsprechend sind diese Länder, obwohl sie nahezu die Hälfte zum globalen BIP beitragen, in den meisten Portfolios völlig unterrepräsentiert. Aktien von US-amerikanischen Unternehmen machen hingegen knapp 55 Prozent des MSCI ACW Index aus.

Die Emerging Markets sind fundamental günstig

Des Weiteren zeigen auch die aggregierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse für die nächsten zwölf Monate eine erhebliche Unstimmigkeit. Denn laut einer Analysten-Befragung von FactSet notiert der MSCI Emerging Markets lediglich bei einer 12-fachen Gewinnprognose, während der S&P 500 für das kommende Jahr ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 aufweist. Die systematische Untergewichtung und die relativ günstige Bewertung des MSCI EM sind für Mathewson zwei zentrale Gründe, gerade jetzt ein Engagement in den Schwellenländern vorzunehmen.

Mathewson schlägt die Benchmark

Dass Mathewson weiß, wovon er spricht, zeigt beiläufig auch die Performance seines Martin Currie Emerging Marktes Growth Fund, welcher innerhalb von einem und drei Jahren insgesamt 21 und 44 Prozent zulegen konnte. Der klassische MSCI EM Index kletterte in diesen beiden Zeiträumen lediglich 12,2 und 35,2 Prozent. Während der MSCI EM Index mehr als 1.100 Aktien aus 26 Ländern umfasst, versucht Mathewson nur die besten Werte in seinen Fonds aufzunehmen. Dementsprechend beläuft sich die Anzahl seiner Positionen zwischen 40 und 60 verschiedenen Firmen.

Dabei hält der Fondsmanager gezielt Ausschau nach hochwertigen Unternehmen, die vom Markt "falsch bewertet" werden. Unter hochwertigen Firmen versteht der Schwellenländer-Experte "Unternehmen, die gute Renditen erzielen und über eine Bilanz verfügen, die es ihnen ermöglicht, zu investieren und die Wachstumschancen zu nutzen, von denen wir glauben, dass sie einen Nutzen haben."

Die zehn Top-Picks des Schwellenland-Profis

Zu den zehn Top-Positionen des Martin Currie Fonds gehören dabei Unternehmen von Südkorea bis Peru. Mit einem Fondsanteil von knapp 20 Prozent machen die vier chinesischen Firmen Tencent, Alibaba, Ping An und Industrial and Commercial Bank of China jedoch den größten Teil aus. Einen ebenfalls sehr großen Anteil am Gesamtvermögen des Fonds hat Samsung aus Südkorea mit knapp 8 Prozent und Taiwan Semiconductor mit 7,7 Prozent. Weitere 2,9 und 2,6 Prozent seines Fonds hat Mathewson in die slowakische Bank OTP und den russischen Ölkonzern Lukoil investiert. Mit einem Anteil von rund 2,5 Prozent ist der Martin Currie Fonds auch am peruanischen Unternehmen Credicorp beteiligt. Die Tätigkeitsfelder der unbekannten lateinamerikanischen Finanzholding sind Versicherungsleistungen und vor allem Geschäftskredite für ortsansässige Unternehmer.

Viel Potenzial und noch mehr Risiko

Zwar bieten die zehn Top-Positionen von Andrew Mathewson sicherlich noch reichlich Kurspotenzial, dennoch sollten unerfahrene und risikoscheue Privatanleger eher einen Bogen um Einzelaktien aus Schwellenländern machen. So groß die Chancen und das Wachstumspotenzial auch sein mögen, darf nicht übersehen werden, dass Investitionen in Schwellenländer mit erheblichen Risiken einhergehen. Neben einer hohen Volatilität besteht bei Aktien aus einer aufstrebenden Region der Erde immer auch ein Währungsrisiko. Denn sobald die Währung des jeweiligen Landes gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung verliert, büßt der Investor sofort den entsprechenden Teil des Wertes ein. Des Weiteren können eine mangelnde Rechtsstaatlichkeit sowie politische Unsicherheiten zu Schwierigkeiten führen. So besteht beispielsweise das Risiko von einer plötzlichen Sondersteuer oder der Enteignung durch Verstaatlichung.

Breit gestreut, nie bereut?

Anleger, die trotz einer Vielzahl an Risiken am Wachstumspotenzial der Emerging Markets partizipieren möchten, sollten definitiv auf einen diversifizierten Fonds oder ETF zurückgreifen. Denn Einzelinvestitionen in Schwellenländer empfehlen sich für Privatanleger nur in einem sehr dosierten Ausmaß, welches der persönlichen Risikoneigung entspricht.

Pierre Bonnet / finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 20.11.2019 · 21:30 Uhr
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