Von Drehstopps bis Freizeitparkschließungen: Erleidet Disney einen wirtschaftlichen Schaden?

• Walt Disney-Aktie fällt kräftig zurück
• Coronavirus wird zur Belastung
• Konzern dürfte lange für Erholung brauchen

Das Leben weltweit erfährt immer mehr Einschränkungen - das betrifft in erster Linie auch große Konzerne. Dabei müssen nicht nur Autobauer wie Tesla & Co. ihre Produktionen stoppen oder zumindest einschränken, sondern auch andere Branchen spüren die Auswirkungen. Mediengigant Walt Disney spürte das schon relativ schnell in Form von Freizeitparkschließungen in Tokio, Hongkong und Shanghai. Doch das war noch nicht alles.

Disneys Freizeitparks weltweit schließen

Bereits vor knapp einer Woche teilte der US-Unterhaltungsriese mit, vorübergehend alle seine Freizeitparks zu schließen. Zwar habe es keine bekannten Fälle in einem der Parks gegeben, dennoch sei die Entscheidung im Interesse von Besuchern und Angestellten getroffen worden. Damit reagierte der Konzern auf die Empfehlung des kalifornischen Gouverneurs, Veranstaltungen mit über 250 Menschen zu vermeiden. Betroffen sind davon natürlich auch die Besucherlieblinge Walt Disney World in Florida, Disneyland in Paris und der älteste Disney-Freizeitpark in Kalifornien. Zunächst seien die Schließungen bis Ende März angesetzt, so das Unternehmen. Falls sich die Coronakrise weiter verschärft, wäre denkbar, dass diese Schließungen ausgeweitet werden müssen.

Doch was bedeuten die Besucherstopps überhaupt für das Geschäft von Disney? Fixkosten der Parks müssen weiter bezahlt werden, während nun voraussichtlich etwa einen Monat lang keine Einnahmen generiert werden können. Wie Michael Nathanson von Moffett Nathanson in einer Kundennotiz verkündete, soll es beim Themenparkgeschäft auf das Gesamtjahr gesehen zu Einbußen in Höhe von acht Prozent bei den Einnahmen und 25 Prozent beim EBIT kommen. Auf das EBIT des Unternehmens im Gesamten würde sich das um 11 Prozent auswirken.

Coronavirus-Effekt: Ist Disney gut gewappnet?

Neil Begley, leitender Unterhaltungsanalyst bei der Ratingagentur Moody’s, betrachtete die Lage von Walt Disney, davon berichtet deadline.com. Begley sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass der Konzern einen erheblichen finanziellen Schaden erleiden werde. Immerhin sei der US-Medienkonzern gut aufgestellt, um die Pandemie durchzustehen - Disney habe dafür momentan genügend Geld. Und "die Liquidität beherrscht die Zügel", konstatierte Begley laut dealine.com. Ihm zufolge stünden Walt Disney 12,25 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, die derzeit nicht in Anspruch genommen würden. Der Moody’s-Analyst erklärte, dass das Unternehmen somit ausreichend Mittel hätte, mit denen bis zum Jahresende fällige Anleihen abgedeckt wären. "Wir erwarten auch, dass das Unternehmen sich bemühen wird, die Kosten zu kontrollieren, die Investitionsausgaben zu verzögern und für das Geschäftsjahr 2020 deutlich niedrigere Steuern zu zahlen", zitiert ihn die Seite.

Wirtschaftlicher Schaden droht dennoch

Obwohl Walt Disney generell gut gewappnet zu sein scheint, dürften die Schließungen sowie das eingestellte Geschäft auf Kreuzfahrtschiffen Risse hinterlassen. Dabei sei insbesondere die Zeit, also die Dauer der Schließungen, ein Faktor: "Es besteht das Potenzial für einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden für Disney, wenn die Schließungen über den Juni hinaus andauern", so Moody’s. Wie deadline.com außerdem berichtet, gehe die Ratingagentur davon aus, dass die Gewinnspanne leiden wird.

Doch nicht nur die Parkschließungen dürften dem Geschäft von Disney zu schaffen machen. Zusätzlich zu dem wirtschaftlichen Schaden beitragen dürfte Disneys Mediennetzwerk: Etwa durch die Aussetzung bzw. Verschiebung der NBA- und MLB-Saison und weiteren Störungen in der Sport-Liveübertragung. Aber auch die Filmstudio-Division, welche ca. 17 Prozent der Einnahmen generiert, ist betroffen: Der Start von etlichen Projekten - darunter die Neuverfilmung von "Mulan" - musste verschoben werden. Große Kinoketten haben aufgrund des Virus außerdem geschlossen. Dieser Umstand dürfte ein beachtliches Loch in die Kassen reißen. Darüber hinaus stoppte Disney zahlreiche Produktionsprozesse - wie bei Konkurrent Netflix kommt es also zu Drehstopps als Vorsichtsmaßnahme.

Gewinn dürfte 2020 sinken

Dabei sollen die endgültigen Auswirkungen des Coronavirus noch gar nicht absehbar sein - so bleibt auch die Zukunft Disneys ungewiss, trotz des derzeit noch adäquaten Cashflows. Moody’s rechnet sogar damit, dass es Disney nicht schafft, je nach Dauer der Corona-Unterbrechungen, im Geschäftsjahr 2020 einen freien Cashflow zu generieren. Für den Gewinn in 2020 wird je Aktie mit 5,14 US-Dollar gerechnet und somit mit weniger als 2019. Beim Umsatz gehen Analysten trotzdem noch von 80,5 Milliarden US-Dollar aus. Trotz der gegenwärtigen Pandemie, haben sich die Analystenschätzungen nicht viel verändert, berichtet The Street - je nach den weiteren Entwicklungen könnte sich das aber ändern.

Die Aktie von Disney befindet sich seit Ende Februar in einem kontinuierlichen Sinkflug. Seit seinem Hoch im Dezember bei 153,41 US-Dollar hat das Papier über 40 Prozent verloren auf zuletzt 88,80 US-Dollar (basierend auf dem Schlusskurs vom 18. März).

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 20.03.2020 · 03:16 Uhr
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