Kabinettsumbau

Vom Wasser in die Politik: Rauhe neuer Sport-Staatsminister

03. September 2026, 16:14 Uhr · Quelle: dpa
Neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Ronald Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt.
Ein Sportler für den Sport: Mit der Berufung eines zweimaligen Olympiasiegers als Sport-Staatsminister hat der Kanzler den Umbau der Regierung abgeschlossen. Welchen Plan verfolgt der Neue?

Berlin (dpa) - Im feinen dunklen Anzug präsentierte Ronald Rauhe neben Bundeskanzler Friedrich Merz stolz seine Ernennungsurkunde. Das Outfit wirkte noch etwas ungewohnt, schließlich ist den deutschen Sportfans das Kraftpaket in mehr als zwei Jahrzehnten vor allem im Kanu bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften bekannt. Nun wechselt der Erfolgsgarant vom Wasser in die große Politik und übernimmt den Posten des Staatsministers für Sport im Bundeskanzleramt.

«Der Sport hat mir in meinem Leben unheimlich viel gegeben. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben», sagte der zweimalige Olympiasieger bei seiner Vorstellung. Er wolle sich für bessere Bedingungen für den Leistungssport und ehrenamtliches Engagement einsetzen. «Damit aus Talent auch wieder Gold wird, werden wir die Spitzensportreform konsequent weiter vorantreiben.»

Rauhe folgt auf Christiane Schenderlein (CDU), deren Wechsel ins Gesundheitsministerium schon vor der Sommerpause verkündet worden war. «Es braucht Leistung und Leidenschaft für den Erfolg. Das weiß ein zweifacher Olympiasieger», schrieb Merz auf X. In einem kurzen Instagram-Video – fast schon wie bei den Transfers am Deadline Day im Fußball – hatte der Kanzler die Personalentscheidung bekanntgegeben.

Ein Sportler für den Sport also. Mit der Berufung Rauhes wolle er «ein Zeichen setzen, dass wir den deutschen Sport als ein wichtiges Aufgabengebiet sehen», betonte Merz. Das dürfte die nationalen Verbände sicher freuen, erhoffen sie sich womöglich mehr Gehör, auch was die finanzielle Unterstützung betrifft. 

«Einen Olympiasieger, der über Jahrzehnte als Sportsoldat im Kanurennsport Weltspitzenleistungen mit Engagement im Verein und der Vertretung von Athletinnen und Athleten kombiniert hat, am Kabinettstisch zu wissen, gibt dem Sport und dem ehrenamtlichen Engagement in unserem Land Rückenwind», sagte Thomas Weikert als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Schenderlein-Ablösung hatte Unmut im Osten ausgelöst

Im Sport dürfte die Kanzler-Entscheidung insgesamt gut ankommen. Anders könnte es zumindest in Teilen seiner eigenen Partei aussehen. Die Ablösung der aus Sachsen stammenden Schenderlein hatte in den ostdeutschen CDU- Landesverbänden für größere Verärgerung gesorgt. 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte die 44-Jährige das «erfolgreichste Kabinettsmitglied in der Regierung Merz» genannt. Und Sachsen-Anhalts Regierungschef Sven Schulze machte selbst einen Vorschlag für ihre Nachfolge: die Präsidentin des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, Silke Renk-Lange, die 1992 Olympiasiegerin im Speerwurf war.

Jetzt wird es ein Mann, der aus West-Berlin stammt. Schulze dürfte das in der heißen Phase des Wahlkampfs nicht besonders hilfreich finden. Allerdings hat es im Zuge der Personalrochade auch einen Neuzugang aus Ostdeutschland im Kanzleramt gegeben: Philipp Amthor aus Mecklenburg-Vorpommern ist nun Staatsminister für die Beziehungen zu den Ländern. Und mit Nina Warken als Kanzleramtschefin gibt es neuerdings eine Frau im engsten Führungskreis um Merz. 

Mit der Entscheidung des Kanzlers ist der Umbau der Bundesregierung infolge des Rücktritts von Unionsfraktionschef Jens Spahn nun jedenfalls abgeschlossen. Der Posten im Kanzleramt war der einzige, der vor der Sommerpause noch unbesetzt blieb. Beim DOSB hatte es zuletzt Unmut gegeben, dass die Stelle seit mehr als einem Monat unbesetzt war.

Schließlich stehen im deutschen Sport wichtige Entscheidungen an. Am 26. September entscheidet der DOSB auf seiner Sonder-Mitgliederversammlung in Baden-Baden, wer als deutscher Bewerber für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen geht. Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum stehen zur Auswahl. Mitte 2029 soll die Entscheidung beim IOC für 2036 fallen.

Merz setzt auf Rauhe bei Olympia-Bewerbung

Die Olympia-Bewerbung werde auch die vorrangige Aufgabe für Rauhe sein, so Kanzler Merz: «Wir wollen dann, wenn die Entscheidung feststeht, wo sie stattfinden sollen, mit ganzer Kraft uns für diese Olympischen Spiele bewerben. Und ich erhoffe mir dabei eine tatkräftige Unterstützung durch Ronald Rauhe. Aber es wird auch die ganze Bundesregierung hinter dieser Entscheidung stehen.» 

Olympia-Gold 2021 als Karriereabschluss

Merz hatte von vornherein vor, jemanden ins Kanzleramt zu holen, der schon mal als Sportler aktiv war. Rauhe war auf dem Wasser immer einer der Schnellsten. Der heute in Potsdam lebende 44-Jährige war spezialisiert auf die kurzen Strecken über 200 und 500 Meter. Zum krönenden Abschluss seiner Karriere gewann er mit dem Vierer-Kajak Olympia-Gold bei den Spielen in Tokio 2021 auf der langen Sprintstrecke – und weinte anschließend bittere Tränen.

31 Medaillen bei Olympia, WM und EM

Seinen ersten Olympiasieg hatte Rauhe bereits 2004 in Athen im Zweier geholt. Der gebürtige Berliner war in allen Bootsklassen vom Einer bis zum Vierer zu Hause und holte insgesamt 31 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften.

Nach seiner Karriere widmete sich der Sportsoldat sowohl der Weiterentwicklung der Rennkanus gemeinsam mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) als auch den Interessen der Sportler. Seit 2023 ist er Mitglied in der Athletenkommission des Europäischen Olympischen Komitees und hatte sich für die Berufung einer Sportministerin oder eines Sportministers im Bundeskanzleramt starkgemacht. Nun wird er in diesem Amt der Nachfolger von Schenderlein, aus deren Händen er im vergangenen Januar das Silberne Lorbeerblatt entgegengenommen hatte.

Regierung / Personalien / Olympia / Sport / Deutschland / DOSB / Olympiabewerbung
03.09.2026 · 16:14 Uhr
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