Verraten und verkauft
Forstunternehmer kritisieren fachliche Mängel am Niedersächsischen Weg der Landesregierung

Göttingen, 15.09.2020 (lifePR) - Der Geschäftsführer des Forstunternehmerverbandes AfL Niedersachsen und promovierte Forstwissenschaftler, Dr. Maurice Strunk, ist weiterhin entsetzt. Es ist unfassbar, wie der Niedersächsische Weg zustande gekommen ist. Und wie ihn die Landesregierung jetzt durch das parlamentarische Verfahren prügelt. Denn bisher hat es keine Einbindung der forstlichen Verbände und ihres Sachverstandes gegeben. Gesprochen wurde allein mit Landwirten und zwei mächtigen Naturschutzorganisationen, die die Politik offenbar fürchtet.

Auf die Spitze treibt es der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies, der sich in der Öffentlichkeit Stolz erfüllt zeigt. Man sei von üblichen Verfahren abgewichen. Kein auf Fachebene erarbeiteter Gesetzentwurf, der zur breiten gesellschaftlichen Diskussion gestellt wurde. Stattdessen wurden Ziele und Maßnahmen für Wälder mit wenigen Fachfremden vereinbart. Diese Maßnahmen sollen jetzt in Gesetze gegossen werden. Genau genommen sagt er damit, dass nicht mehr die gewählte Landesregierung, sondern der NABU die Inhalte von Gesetzen formuliert und die Experten der Forstbranche ausgeschlossen sind.

Denn der Niedersächsische Weg enthält nicht allein landwirtschaftliche Themen. Wer ihn liest stellt schnell fest, dass auch der Wald betroffen ist, im wahrsten Sinne des Wortes "betroffen".

Es ist offenkundig, dass in erster Linie das ideologisch geprägte Waldbild des NABU im Fokus stand. Der Niedersächsische Weg enthält bei den Waldfragen nämlich nicht allein Ziele, z. B. in Bezug auf den Artenschutz. In erster Linie enthält er Maßnahmen, vor allem für den Landeswald. Maßnahmen, die der Biodiversität und den Klimazielen aber erheblich entgegenstehen!

Nachhaltig bewirtschafteten Wald in Niedersachsen still zu legen (1000 ha im Solling) führt eben nicht zu mehr Artenvielfalt, die in unseren heimischen bewirtschafteten Wäldern ohnehin nicht gefährdet ist. Dort, woher das von der Gesellschaft nachgefragte Holz dann aber importiert wird, sind Schäden an der Natur vorprogrammiert. Das nimmt die Regierung für ein grünes Image offenbar in Kauf, auf Druck des NABU und seinen parlamentarischen Sprachrohr, den Grünen.

Auch höhere Totholzanteile führen nicht automatisch zu mehr Biodiversität. Mit deutlich weniger als den geplanten 40 Kubikmeter pro Hektar toten Baumstämmen lässt sich sehr viel mehr für die Artenvielfalt erreichen, wenn Tothölzer an den richtigen Stellen aufgebaut und die Zerfallsphasen forstlich aktiv gesteuert werden.

Bei einer Landeswaldfläche von 330.000 Hektar bedeuten jede zusätzlichen zehn Kubikmeter Totholz pro Hektar gleichzeitig 3,3 Mio. Kubikmeter weniger nachhaltig produzierten Rohstoff und Umsatzeinbußen des Landes in Höhe von schätzungsweise 165 Mio. Euro, die in den nächsten Jahren fehlen werden. Geld, das besser in die Wiederbegründung von Schadflächen, in Kindergärten, Digitalisierung oder die Folgenbekämpfung der Coronapandemie investiert wäre, anstatt in ineffektiven und ineffizienten Naturschutz und in die Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre, die ungenutzt verrottende Bäume hervorrufen.

Die finanzielle Folgenabschätzung des Gesetzentwurfs kalkuliert Kosten in Höhe von lediglich 500.000 Euro für den Landeswald ein. Die Einnahmeeinbußen aus dem Holzumsatz im geplanten Wildnisgebiet im Solling. Dies zeigt, wie wenig durchdacht oder bewusst irreführend die Vereinbarung und darauf nun aufbauende Gesetzentwürfe sind. Viele Abgeordnete können diese Zusammenhänge kaum durchschauen und darauf setzt Minister Lies offenbar. Oder, er weiß es selbst eben nicht besser.

Es geht nicht um die Sache, denn für die Artenvielfalt im Wald bringen die geplanten Änderungen nichts. Den Regierungsfraktionen geht es offenbar darum, sich für eine Koalition mit den Grünen zu positionieren. Und NABU und Co. wollen Macht, Einfluss auf die Fläche, ihr ideologisches Waldbild durchsetzen und arglose Menschen auf der Straße und an Haustüren als Spendengeber für übervolle Kampagnenkassen in Millionenhöhe gewinnen. Schon jetzt gibt es Gerüchte, dass es auch um Posten geht. Um den des zukünftigen Umweltministers zum Beispiel, der in einer zukünftigen Koalition mit den Grünen dem aktuellen niedersächsischen NABU-Vorsitzenden zufallen könnte.

Volkswirtschaftlich ist die Initiative „Niedersächsischer Weg“ ohnehin zu kurz gedacht. Denn Wertschöpfung entsteht in Niedersachsen vor allem auch vor und nach dem Rohholzverkauf. Derzeit werden rund 80 % des Holzeinschlags durch private forstliche Dienstleistungsunternehmen und ihr Personal bewältigt, deren Existenzen nun gefährdet werden. Sie und ihre Familien leben und arbeiten im ländlichen Raum. Und sie sind nicht allein. Forstmaschinenhändlern, Reparaturbetriebe, Sägewerke, die Papierindustrie, Holzplattenwerke, Palettenwerke, die Verpackungsindustrie oder holzbasierte Handwerksbetriebe in Niedersachsen und angrenzenden Bundesländern, sie alle sind auf Wald und seine nachhaltige Bewirtschaftung angewiesen.

Allein das Cluster Forst & Holz Niedersachsen beschäftigt mehr als 100.000 Menschen. Mehr als 12.000 Unternehmen erzielen eine jährliche Bruttowertschöpfung von rund 4,7 Mrd. Euro. Eine Branche, die von der Coronapandemie bisher wenig betroffen war und nun für ein paar schöne Öko-Schlagzeilen für die Landesregierung geopfert werden soll.

Und auch wenn viele der geplanten Maßnahmen zunächst den Landeswald und nicht private Waldbesitzer treffen, sollten auch diese gewarnt sein. Denn der Niedersächsische Weg versucht glaubhaft zu machen, dass dort vereinbarte Maßnahmen und nicht unsere nachhaltige Forstwirtschaft, die alle gesellschaftlichen Ziele (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) gleichberechtigt auf einer Fläche umsetzt, vorbildlich seien.

Vorbildlich sind die Maßnahmen im Niedersächsischen Weg aber nicht. Bezogen auf die landwirtschaftlichen Fragen mögen Vereinbarungen zwischen Naturschutzorganisationen und Wirtschaftsverbänden vielleicht erstmals getroffen worden sein. Im Wald sind solche Dialoge schon lange üblich. Bisher wurden aber auch die Fachexperten für den Wald in die Prozesse einbezogen. Neu ist hier, dass sie nun ausgeschlossen sind. Und leider erkennt man dies an den Inhalten der dabei entstandenen Papiere. Sie sind fachlich mangelhaft!

Das Land Niedersachsen ist eines der wenigen Bundesländer, in denen sich eine ganze Fakultät einer Universität Waldfragen widmet. Hätte die Landesregierung wenigstens die Experten dort zu Beginn gefragt, wäre vieles vielleicht abwendbar gewesen.

Jetzt muss die Landesregierung fachlich falsche Positionen weiter verteten, um ihr Gesicht zu wahren. Und dies tut sie aktuell. Auf Kosten der Forst- und Holzwirtschaft und ohne Mehrnutzen für die Artenvielfalt und das Klima.
Verbraucher & Recht
[lifepr.de] · 15.09.2020 · 21:35 Uhr
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