Vergleich mit Dotcom-Blase: "Buffett-Indikator" weist darauf hin, dass Aktien deutlich überbewertet sind

• Buffett-Indikator setzt Aktienbewertung und BIP in Verbindung
• Indikator deutet auf massive Überbewertung hin
• Invesco kritisiert Indikator als zu ungenau

Der Buffett-Indikator

Börsenlegende Warren Buffett hat im Laufe seiner jahrzehntelangen Tätigkeit am Aktienmarkt Millionen von Anlegern inspiriert. Dabei ist das Orakel von Omaha nicht nur für seine erfolgreiche Value-Investing-Strategie bekannt, auch wenn es darum geht, Entwicklungen an den Märkten zu lesen und zu deuten, hat der Investment-Guru in der Vergangenheit viel Geschick bewiesen. Eine Kennzahl, die ihm dabei stets gute Dienste leistete ist der sogenannte "Buffett-Indikator". Dieser hilft Anlegern dabei herauszufinden, ob die Aktienmärkte zu einem gegebenen Zeitpunkt eher unter- oder überbewertet sind.

Die Rechnung ist dabei denkbar einfach: Um dies herauszufinden setzt Buffett lediglich die Gesamt-Marktkapitalisierung des Aktienmarkts in Beziehung zur Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes. Am häufigsten ist hier das Beispiel der USA zu finden. So kann stellvertretend für den Wert des Aktienmarkts der umfassende US-Index Wilshire 5000 zu Rate gezogen werden. Auf der anderen Seite steht das US-BIP, das sich im Jahr 2020 ersten Schätzungen zufolge auf rund 21 Billionen US-Dollar belief. Nun wird beides miteinander geteilt. Liegt das Ergebnis über 100 Prozent, kann davon ausgegangen werden, dass der Aktienmarkt überbewertet ist - unter 100 Prozent liegt eine Unterbewertung vor.

Erinnerung an Dotcom-Blase

Erstmals erklärte Buffett diese Rechnung in einem Interview mit Forbes im Jahre 2001. Im Zuge der Dotcom-Blase hatte nämlich auch schon hier der Buffett-Indikator massiv die Alarmglocken schrillen lassen. Wie Benzinga recherchierte, lag dieser nämlich vor Platzen der Blase im Jahr 2000 auf einem Niveau von 139,5 Prozent. Als Durschnitt gilt im Übrigen ein Wert bei rund 120 Prozent.

Was damals als absoluter Höchstwert galt, liegt mittlerweile jedoch weit unter dem aktuellen Niveau. Das liegt nun mehr bei 192,7 Prozent (Stand ist der 22. Februar 2020) und ist somit ein deutliches Signal für eine massive Überbewertung am Markt. Wie das Analysehaus Current Market Valuation berichtete, erreichte der Buffett-Indikator wenige Tage zuvor gar einen alarmierenden Stand von 228 Prozent, was nicht wenige Finanzexperten erbleichen lässt. So äußert sich JonesTrading-Experte Michael O’Rourke gegen Bloomberg wie folgt: "Dies verdeutlicht die bemerkenswerte Manie, die wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen".

Die Gründe für die aktuelle massive Überbewertung liegen auf der Hand. Zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise hat die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen weit geöffnet und dem Markt damit quasi unbegrenzte Liquidität zur Verfügung gestellt. Der Zinssatz wurde auf 0,25 Prozent gesenkt und erst vor Kurzem gab Fed-Chef Jerome Powell zu verstehen, dass dies auch in der nahen Zukunft so bleiben würde. "Selbst wenn man erwartet, dass diese (Fed)-Politik dauerhaft bleibt, was nicht ratsam ist, würde dies trotzdem nicht rechtfertigen, das Zweifache des 25-Jahre-Durchschnitts für Aktien zahlen zu müssen", so O’Rourke.

Heißt das nun, dass sich Anleger auf einen Crash am Aktienmarkt einstellen sollten? Nicht unbedingt. Denn schon länger steht der Buffett-Indikator in der Kritik nicht mehr zeitgemäß zu sein. Wie Invesco-Chefökonom John Greenwood argumentiert, sei das Bewertungsinstrument insgesamt zu ungenau So würden in das US-BIP keine Umsätze und Gewinne mit hineingezählt, die US-Unternehmen im Ausland erzielen würden, weshalb der Inveso-Experte zusammenfasst: "Wer die Marktkapitalisierung von US-Aktien dem nominalen BIP der USA gegenüberstellt, vergleicht also Äpfel mit Birnen".

Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller, wenn statt dem Marktwert von Aktien der Gesamtwert aller Vermögenswerte - auch Anleihen - mit in die Rechnung gebracht würde. Schließlich würden bei einer steigenden Wirtschaftskraft durch den wachsenden Wohlstand auch mehr Vermögenswerte von Anlegern gehalten. Auf der anderen gäbe es auch eine Beziehung zwischen der zur Verfügung stehenden Geldmenge und dem Gesamtwert aller Vermögenswerte. So würde die Vergangenheit zeigen, dass Marktteilnehmer in ihren Depots den Anteil der Geldmenge eher stabil halten - unabhängig von Finanzkrisen, hoher Inflation oder anderen Ereignissen.

Wie Invesco in einer Analyse aufzeigt, die Investtrends vorliegt, seien die Geldmenge und die Vermögenswerte seit 1950 jährlich um rund 7 Prozent gewachsen und damit schneller als die Wirtschaftsleistung, die lediglich mit einer Jahresrate von rund 6 Prozent zugelegt habe. Der Buffett-Indikator hingegen gehe davon aus, dass sich nominale Wirtschaftsleistung und Vermögensbewertungen einander angleichen müssten, was jedoch nicht der Realität entspreche.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 23.02.2021 · 09:07 Uhr
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