Die Lage im Überblick

USA setzen Angriffe im Iran fort – Teheran attackiert Tanker

14. Juli 2026, 14:24 Uhr · Quelle: dpa
Kampfflugzeugeder USA
Foto: Kendall Torres Cortés/dpa
Das US-Militär hat die dritte Nacht in Folge den Iran angegriffen. (Symbolbild)
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormus eskaliert abermals. Trump verhängt erneut eine Seeblockade und will Entschädigung für US-Geleit. Irans Außenminister höhnt.

Washington/Teheran/Abu Dhabi (dpa) - Während das US-Militär im eskalierenden Konflikt um die Straße von Hormus weiter Ziele im Iran bombardiert, hat der Iran in der Meerenge zwei Tanker mit Marschflugkörpern attackiert. Bei dem Angriff auf die Schiffe der mit den USA verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate wurde nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums ein indisches Besatzungsmitglied getötet. Derweil meldeten iranische Medien mehrfach Explosionen an der Südküste der Islamischen Republik.

Trump kündigt neue Seeblockade gegen iranische Häfen an

US-Präsident Donald Trump hatte am Montagabend weitere harte Angriffe auf den Iran sowie eine Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. Die Ölpreise schossen daraufhin wieder nach oben. Nach US-Militärangaben sollte die Blockade an diesem Dienstagabend 22.00 Uhr deutscher Zeit in Kraft treten. 

In einem Radiointerview deutete Trump zudem an, dass die USA eine tief unter der Erde im Zentrum des Irans gelegene Einrichtung angreifen könnten, die auch als «Pickaxe Mountain» bekannt ist. Über ihren Zweck wird vor allem wegen der Nähe zur Atomanlage Natans schon länger spekuliert. Eine These lautet, dass der Iran dort eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran errichten wolle, das für den Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte.

Pickaxe sei «ein mögliches Ziel» für einen «großen, fetten» Angriff, sagte Trump. Wahrscheinlich werde es «relativ bald» passieren.

Explosionen im Iran

Das US-Militär erklärte die dritte nächtliche Angriffswelle hintereinander am Dienstagmorgen für beendet. Iranische Medien hatten zuvor von mehreren Explosionen auf der Insel Kisch am Persischen Golf, aus dem Bereich der Hafenstadt Buschehr, der Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie der Großstadt Bandar Abbas berichtet.

Am Nachmittag (Ortszeit) wurden weitere Angriffe gemeldet. Der staatliche Rundfunk berichtete über fünf Explosionen im Westen der Hafenstadt Bandar Abbas. Kurz darauf sei die Stadt Buschehr unter Beschuss geraten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Geschosse seien unter anderem in den Städten Abadan, Mahschahr und Bandar Imam Chomeini eingeschlagen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna. Dass die Angriffe inzwischen auch bei Tageslicht erfolgen und nicht mehr wie jüngst nur in der Nacht, deutet auf eine neue Eskalationsstufe hin.

Als Reaktion hatten Irans Streitkräfte zuvor Tanker der Emirate angegriffen. Sie fuhren nach Angaben der Emirate auf der südlichen Route innerhalb der omanischen Hoheitsgewässer.

Irans mächtige Revolutionsgarden erklärten laut heimischen Medien, das US-Militär habe versucht, mehrere Schiffe auf eine «illegale Route» zu lenken. Die beiden Tanker hätten ihre Navigationssysteme abgeschaltet und wiederholte Warnungen der Sicherheitskontrollstelle für die Straße von Hormus ignoriert. Daraufhin seien sie beschossen und manövrierunfähig gemacht worden.

Das US-Militär hatte selbst nach eigenen Angaben vor gut einem Monat einen Tanker im Golf von Oman angegriffen. Das Schiff sollte iranisches Öl transportieren, hieß es damals. Bei dem Angriff wurden nach Angaben der Regierung in Neu-Delhi drei indische Besatzungsmitglieder getötet. 

Derweil meldete das jordanische Staatsfernsehen unter Berufung auf die Streitkräfte, dass vier aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen worden seien. Auch im ebenfalls mit den USA verbündeten Golfstaat Bahrain heulten wieder die Alarmsirenen. Das Innenministerium rief die Einwohner über X auf, ruhig zu bleiben und Schutz zu suchen. Details gab es zunächst nicht. Bahrain wie auch Kuwait standen zuletzt im Zentrum iranischer Vergeltungsangriffe und hatten erst in der Nacht zuvor feindlichen Raketenbeschuss gemeldet.

Trump fordert «Entschädigung» für US-Geleit

Das US-Militär begründete die erneuten Angriffe gegen den Iran damit, weitere Attacken auf unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus verhindern zu wollen. Die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Meerenge verbindet den Golf von Oman mit dem Persischen Golf. Trump kündigte an, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt der Straße von Hormus aus «Fairnessgründen» Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen würden. Dies solle die Kosten kompensieren, die für die Gewährleistung einer sicheren Passage entstünden. 

Ende Juni hatte sein Außenminister Marco Rubio noch betont, kein Land habe das Recht, für die Nutzung internationaler Gewässer Geld zu verlangen, da diese keinem Staat gehörten. Eine solche Forderung werde auch nie Bestandteil eines akzeptablen Abkommens sein.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi verhöhnte Trump und schrieb am Montagabend auf X, der US-Präsident habe «absolut recht» – um dann hinzuzufügen: «Wer für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus sorgt, sollte für diese Dienstleistung entschädigt werden. Iran war schon immer der WÄCHTER dieser Meerenge und wird es auch für IMMER bleiben», schrieb Araghtschi. Dann schob er hinterher, 20 Prozent seien «natürlich zu viel. Wir werden fair sein.» 

Sorge vor Neubeginn des Krieges

Die jüngsten US-Angriffe und iranischen Gegenschläge schüren in der Region die Sorge vor einem Wiederaufflammen des Krieges - zumal Trump die Waffenruhe mit Teheran vor wenigen Tagen für beendet erklärt hatte. Das «Wall Street Journal» zitierte US-Beamte, wonach die Angriffe sowohl dazu dienen, Teheran für Attacken auf Schiffe in der Meerenge zu bestrafen, als auch die Führung des Landes zur Rückkehr an den Verhandlungstisch zu bewegen. Dass Trump einen umfassenden Krieg anstrebt, werde eher nicht erwartet, hieß es.

Trump will sich Freitagfrüh um 3.00 Uhr deutscher Zeit mit einer Rede an die Nation wenden, wie er auf Truth Social angekündigte. Solch eine Rede hält ein Präsident, wenn er wichtige Ankündigungen machen will oder ein bedeutender Moment für die Amerikaner eingetreten ist. Ein Thema nannte Trump nicht. Damit ist unklar, ob er sich zum Iran-Krieg äußern wird.

Der US-Präsident hatte das Parlament Medienberichten zufolge vor Tagen über die Wiederaufnahme der US-Angriffe auf den Iran informiert – mit rechtlichen Implikationen. Mehrere Medien beriefen sich auf einen Brief, wonach er den Start der US-Angriffe auf den 7. Juli datierte. Damit habe Trump aus seiner Sicht die Grundlage geschaffen, um erneut 60 Tage lang ohne Zustimmung des gesetzgebenden Kongresses Krieg gegen den Iran führen zu können.

Krieg / Konflikte / Schifffahrt / Iran / USA / Vereinigte Arabische Emirate / Bahrain / Indien
14.07.2026 · 14:24 Uhr
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