Die Lage im Überblick

US-Regierung relativiert Trumps Pläne zum Gazastreifen

06. Februar 2025, 04:55 Uhr · Quelle: dpa
Mit seinem Plan zur Umsiedlung von 2 Millionen Palästinensern hat der US-Präsident massive Kritik ausgelöst - im Nahen Osten und daheim. Seine Berater bemühen sich um Schadensbegrenzung.

Washington (dpa) - Nach heftiger internationaler Kritik an den Plänen von US-Präsident Donald Trump zur Zukunft des Gazastreifens versucht die Regierung in Washington, die Wogen zu glätten. Außenminister Marco Rubio, der nationale Sicherheitsberater Mike Waltz und die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bemühten sich, Trumps Aussagen zur Umsiedlung von zwei Millionen Palästinensern zu entschärfen und die Möglichkeit eines US-Militäreinsatzes zu relativieren. 

Der US-Präsident hatte am Vortag bei einer Pressekonferenz an der Seite des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu verkündet, die USA würden den Gazastreifen «übernehmen» und in eine wirtschaftlich florierende «Riviera des Nahen Ostens» verwandeln. Dabei wiederholte er seine frühere Aussage, die rund zwei Millionen Menschen, die dort leben, müssten das Gebiet verlassen. Nach Trumps Willen sollen sie künftig in anderen arabischen Staaten der Region unterkommen. 

«Das war nicht als feindseliger Schritt gedacht», sagte Rubio während eines Besuchs in Guatemala. Er sprach im Gegenteil von einem «sehr großzügigen Angebot» des Präsidenten. Rubio erklärte, es gehe den USA lediglich darum, das Küstengebiet wieder bewohnbar zu machen. In dieser Zeit könnten die Palästinenser dort aber nicht leben. Unter anderem Israels Nachbarn Ägypten und Jordanien lehnen eine Umsiedlung der Palästinenser aus dem Gazastreifen ab. 

Nahost-Berater Witkoff: Keine US-Soldaten nach Gaza

Trump schloss einen US-Militäreinsatz im Gazastreifen nicht aus und erklärte, man werde «tun, was notwendig ist». Im Wahlkampf hatte er immer wieder versprochen, die Streitkräfte aus internationalen Konflikten herauszuhalten. Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, sagte Kongressabgeordneten in Washington laut einem Medienbericht, Trump wolle keine US-Soldaten in den Gazastreifen schicken und keine Gelder für den Wiederaufbau bereitstellen. 

Die Äußerungen des US-Präsidenten zu Umsiedlungen aus dem Gazastreifen hatten sowohl international als auch in den USA scharfe Kritik ausgelöst. Experten zufolge würde ein solcher Schritt gegen das Völkerrecht verstoßen. Die Vereinten Nationen warnten vor einer «ethnischen Säuberung». 

EU besteht weiter auf Zwei-Staaten-Lösung

Die Palästinenser und zahlreiche Regierungen der arabischen Welt lehnten die Pläne entschieden ab. Auch die Europäische Union meldete Bedenken an, was Trumps Pläne für den Friedensprozess in der Region bedeuten könnte. «Die EU setzt sich weiterhin entschlossen für eine Zwei-Staaten-Lösung ein, die unserer Meinung nach der einzige Weg zu einem langfristigen Frieden für Israelis und Palästinenser ist», sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas. «Der Gazastreifen ist ein integraler Bestandteil eines künftigen palästinensischen Staates.»

Sogar unter Trumps Verbündeten in den USA wurde Skepsis laut. «Ich dachte, wir hätten "Amerika zuerst" gewählt», schrieb der republikanische Senator Rand Paul auf der Nachrichtenplattform X. «Es steht uns nicht zu, eine weitere Besatzung ins Auge zu fassen, die unseren Staatshaushalt zerstört und das Blut unserer Soldaten vergießt.»

Weißes Haus: Keine US-Steuergelder für Wiederaufbau

Die Sprecherin des Weißen Hauses bemühte sich ebenfalls, die Konsequenzen von Trumps ambitioniertem Ansinnen herunterzuspielen. Trumps Plan bedeute «nicht, dass die amerikanischen Steuerzahler diese Bemühungen finanzieren werden», erklärte Leavitt. «Es bedeutet, dass Donald Trump - der beste Geschäftemacher der Welt - entsprechende Vereinbarungen mit Partnern in der Region treffen wird.»

US-Sicherheitsberater Waltz legte in einem Interview des Fernsehsenders CBS nahe, dass Trumps Plan nicht in Stein gemeißelt sei und rief die Verbündeten in der Region dazu auf, eigene Pläne vorzulegen. «Die Tatsache, dass niemand eine realistische Lösung hat und er einige sehr mutige, frische, neue Ideen auf den Tisch legt, sollte meiner Meinung nach in keiner Weise kritisiert werden», sagte er. «Es wird die gesamte Region dazu bringen, eigene Lösungen zu finden, wenn ihr Trumps Lösung nicht gefällt.»

Netanjahu traf sich während seines Besuchs in Washington auch mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die Vereinigten Staaten seien zu 100 Prozent der Sicherheit Israels verpflichtet, sagte Hegseth nach Angaben des Pentagons. Netanjahu und der Verteidigungsminister seien sich demnach einig, dass der Iran die Stabilität im Nahen Osten bedrohe und hätten vereinbart, dieser Herausforderung gemeinsam entgegenzutreten.

Konflikte / Krieg / Regierung / Menschenrechte / UN / USA / Israel / Palästinensische Gebiete
06.02.2025 · 04:55 Uhr
[0 Kommentare]
SAP (Archiv)
Walldorf - SAP-Chef Christian Klein hat vor den Folgen eines politischen Erfolgs der AfD für den Wirtschaftsstandort Deutschland gewarnt. "Mit der Politik der AfD, würden Sie sich da willkommen fühlen? Absolut nein", sagte Klein im Berlin Playbook Podcast des Nachrichtenmagazins POLITICO am Samstag. Zugleich räumte Klein Frust über bestehende politische […] (00)
vor 4 Minuten
Chappell Roan
(BANG) - Chappell Roan wird während der Grammy Week bei den Resonator Awards geehrt. Die 27-jährige Sängerin erhält den Harmonizer Award, der an Kreative vergeben wird, die Musik nutzen, um gesellschaftlichen Wandel voranzubringen. Überreicht wird die Auszeichnung von Nancy Wilson von der Band Heart. Roger Davies, Musikmanager von Cher, Sade, Tina […] (00)
vor 4 Stunden
Notrufsystem eCall
Berlin (dpa) - Das automatische Notrufsystem eCall für Kraftfahrzeuge wird auf moderne Mobilfunktechnik umgestellt. Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber Vodafone, Deutsche Telekom und O2 Telefónica haben das neue Notrufsystem «Next Generation Emergency Call» (NG eCall) in ihren Netzen gestartet.  Die neue Variante des Notrufsystems setzt nicht mehr auf die rund 40 Jahre alte Mobilfunktechnik 2G […] (00)
vor 25 Minuten
Steam Machine schwächer als PS5 Pro und trotzdem teurer?
Die neue Steam Machine sorgt schon vor dem offiziellen Marktstart für hitzige Diskussionen. Auf dem Papier klingt das Konzept spannend: ein PC im Konsolenformat für das Wohnzimmer, direkt auf Steam ausgelegt. Doch je mehr Details zu Leistung und möglichem Preis auftauchen, desto größer wird die Frage: Für wen ist dieses Gerät eigentlich gedacht? Denn […] (00)
vor 22 Minuten
«Critter Fixer» kehrt mit Staffel fünf zurück
Die Tierarzt-Doku zeigt erneut den außergewöhnlichen Alltag von Dr. Vernard Hodges und Dr. Terrence Ferguson in Georgia. Mit der fünften Staffel von Critter Fixer: Zwei Tierärzte für alle Felle öffnet das renommierte Critter Fixer Veterinary Hospital erneut seine Türen. Im Mittelpunkt stehen wieder Dr. Vernard L. Hodges und Dr. Terrence Ferguson, die sich im kleinen Ort Bonaire – rund 160 […] (00)
vor 2 Stunden
Biathlon: Weltcup in Tschechien
Nove Mesto (dpa) - Das deutsche Biathlon-Duo Leonhard Pfund und Marlene Fichtner ist nach dem Sieg im Single-Mixed-Staffelrennen von Nove Mesto disqualifiziert worden. Kurz vor der Siegerehrung wurde den beiden nach einem starken Auftritt und lediglich vier Nachladern der erste Platz aberkannt, weil Fichtner nach ihrem letzten Liegendanschlag das Gewehr […] (00)
vor 1 Stunde
Schock-Crash bei Intel: Platzt jetzt die KI-Blase endgültig?
Intel stürzt ab und offenbart erste Risse im Fundament des KI-Hypes Die US-Märkte zeigten am Freitag ein gespaltenes Bild, dominiert von einem dramatischen Kursverfall bei Intel. Der Chiphersteller brach um 15,6 Prozent ein, nachdem die Umsatz- und Gewinnprognosen die Markterwartungen deutlich verfehlten. Intel kämpft massiv damit, die Nachfrage nach […] (00)
vor 22 Minuten
Green Bridge Metals startet Bohroffensive in Minnesota, USA
Lüdenscheid, 24.01.2026 (lifePR) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S) , Green Bridge oder das Unternehmen, freut sich, den Beginn eines Diamantkernbohrprogramms auf seinem Projekt “Titac” bekannt zu geben, das Teil des “South Contact District” des Unternehmens im Nordosten des US-Bundesstaates Minnesota ist (Abbildung 1). Das […] (00)
vor 4 Stunden
 
Winterwetter
Offenbach (dpa) - Schmuddelwetter, Neuschnee und Glättegefahr erwartet die Menschen […] (02)
Baustelle am Sitz der Federal Reserve
Frankfurt am Main - Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, hat die […] (00)
Polizei
Bremen (dpa) - Es hätte schnell eine tödliche Falle werden können: Unbekannte haben […] (00)
Souveräne Basen im Eis? Der geheime Grönland-Deal zwischen Trump und der Nato
Diplomatische Volte in Davos Noch am Nachmittag schien der Ton konfrontativ, am […] (00)
Erlebnislocation eröffnet: World of Warcraft zieht mit dem „Haus of Warcraft“ nach Berlin
Ein wöchige Community – A ktion mit h an dgefertigten Warcraft – Kre a […] (00)
Biathlon Weltcup in Tschechien
Nove Mesto (dpa) - Biathlon-Gesamtweltcupsiegerin Franziska Preuß ist mit einem […] (02)
Thomas Gottschalk
(BANG) - Thomas Gottschalk hat über seinen aktuellen Gesundheitszustand gesprochen. […] (02)
DocMorris AUTODERM – Kostenfreie digitale Ersteinschätzung bei Hautproblemen mit KI-App
Wo Patientinnen und Patienten heute oft wochenlang auf einen Dermatologie-Termin […] (06)
 
 
Suchbegriff