Unruhen im Gazastreifen drohen: UN-Nothilfebüro warnt vor dringendem Bedarf an humanitärer Hilfe
Die Lage im Gazastreifen spitzt sich weiter zu, warnt das UN-Nothilfebüro (OCHA). Wenn die bereits knappe humanitäre Hilfe nicht deutlich aufgestockt wird, könnten Unruhen ausbrechen. Laut einem OCHA-Vertreter werden die wenigen UN-Konvois, die es in den Norden schaffen, direkt hinter dem Kontrollposten gestoppt und ausgeräumt. "Der Grad der Verzweiflung der Menschen ist spürbar", betont der Leiter des OCHA-Büros für die palästinensischen Gebiete, Andrea De Domenico, der regelmäßig im Gazastreifen ist. In einem Video-Verbindungsgespräch mit Reportern in Genf äußerte er sich besorgt über die eskalierende Situation.
De Domenico betont, dass die Menschen im Gazastreifen nicht aggressiv sind, sondern vor allem unter Hunger leiden und dringend auf mehr Hilfe angewiesen sind. "Die Spannungen werden steigen, wenn wir die Hilfslieferungen nicht ausweiten können." Mitarbeiter haben nach einer Fahrt in den Norden diese Woche berichtet, dass hinter den israelischen Kontrollposten Leichen auf der Straße liegen, die bisher nicht geborgen wurden. Schätzungen zufolge leben noch 300.000 bis 400.000 Menschen in dieser Region.
Der OCHA-Vertreter gibt an, dass zu viele Konvois von den israelischen Behörden blockiert werden. Besonders betroffen seien Treibstofflieferungen, auch an Krankenhäuser. De Domenico spricht von einem "unvorstellbaren Ausmaß an Unmenschlichkeit". Die Behörden befürchten, dass der Treibstoff von Terroristen abgezweigt und für Angriffe auf Israel verwendet wird.
Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef sind wegen der verheerenden hygienischen Zustände mittlerweile mindestens 70.000 Kinder an Durchfall erkrankt. Besonders bei Kleinkindern kann dies ohne Behandlung lebensgefährlich sein. Unicef-Vertreterin Lucia Elmi erklärt, dass 135.000 Minderjährige akute Unterernährung droht.
Der Konflikt zwischen Israel und der Palästinenserorganisation Hamas, der seit dem Überfall von Terroristen aus dem Gazastreifen auf Israel und den Massakern vom 7. Oktober 2023 andauert, hat bisher nach palästinensischen Angaben mehr als 23.000 Menschen das Leben gekostet. (eulerpool-AFX)

