Kritik an üblicher Darstellung

UN stimmen auf Antrag Togos für Reform der Weltkarte

05. September 2026, 00:08 Uhr · Quelle: dpa
Debatte UN-Generalversammlung
Foto: Bianca Otero/ZUMA Press Wire/dpa
Die USA stimmten als einzige Nation gegen eine Reform der Weltkarte. (Archivbild)
Die Afrikanische Union beklagt schon länger, ihr Kontinent werde auf Weltkarten nicht realistisch dargestellt. Nun nimmt die UN-Vollversammlung eine Resolution an, nach der sich das ändern soll.

New York (dpa) - Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dafür gestimmt, die traditionelle Weltkarte durch eine neue Version zu ersetzen, die die Größe Afrikas präziser darstellt. Für die von Togo eingebrachte und von Mitgliedern der Afrikanischen Union unterstützte Resolution «Correct the map» votierten 164 Staaten, 6 Länder enthielten sich, die USA stimmten als einzige Nation dagegen. Das Abstimmungsergebnis ist nicht bindend, soll aber weltweit zu Änderungen an Karten führen. 

Die bis heute international am häufigsten verwendete Weltkarte beruht auf der sogenannten Mercator-Projektion. Diese wurde laut Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) im Jahr 1569 von dem Kartographen Gerardus Mercator für die Seefahrt entwickelt. Damals wusste man, dass sie die Größe der Länder nicht flächentreu darstellt, sondern verzerrt. In manchen Entwürfen erscheint Grönland beispielsweise so groß wie der gesamte Kontinent Afrika. Betrachtet man hingegen einen Globus, fällt auf: Afrika ist um ein Vielfaches größer - die Fläche des Kontinents ist demnach fast 14-mal so groß wie die von Grönland. 

Das Problem dieser Karte ist die Verzerrung von Flächen: Diese werden bei der üblichen Projektion umso größer, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Schließlich wird die dreidimensionale Erde, die eigentlich fast kugelförmig ist, auf eine zweidimensionale, rechteckige Fläche projiziert.

Togos Außenminister feiert historischen Moment

Der Außenminister Togos, Robert Dussey, schrieb nach der Abstimmung auf der Plattform X: «Historischer Moment: Die Welt hat sich für eine Korrektur der Karte entschieden.» Die Entscheidung gehe weit über reine Kartographie hinaus. «Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung und darum, wie wir unsere Welt darstellen.» Zu lange hätten überlieferte kartografische Darstellungen die Wahrnehmung der tatsächlichen Größe Afrikas und anderer Regionen der Welt verzerrt. «Die Karte zu korrigieren bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir die Welt sehen.» 

Die USA lehnten die Resolution als einziges Land ab. Sie bezeichneten die Initiative als Teil eines radikalen ideologischen Projekts. Die Resolution verbietet die Mercator-Projektionen zwar nicht, ruft Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen aber dazu auf, die «Equal Earth»-Projektion und andere flächengetreue Karten zu verwenden, wenn es auf relative Größenverhältnisse ankommt. 

Afrikanische Union: Verzerrung fördert fehlerhaftes Bild

Die Afrikanische Union (AU) hatte bereits im vergangenen Jahr beklagt, dass die Mercator-Projektion Afrika nicht angemessen darstelle und damit ein falsches Weltbild vermittle, das sich wiederum auf schulische Bildung, Medien und Politik auswirke. Um das zu korrigieren, entwickelten Kartographen schon im Jahr 2018 eine flächentreue Karte namens «Equal Earth». Sie stellt laut AU die Größe aller Kontinente, insbesondere Afrikas, genauer dar.

UN / Geografie / Geschichte / Gesellschaft / International / Togo / Afrika / Mercator-Projektion / Equal Earth
05.09.2026 · 00:08 Uhr
[4 Kommentare]
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