Umweltschutzbranche verliert erstmals seit Jahren an Umsatz

16. Juli 2026, 10:03 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Windrad-Bau (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur
Windrad-Bau (Archiv)
Die umweltbezogenen Umsätze sanken 2024 erstmals seit sechs Jahren um 1,9 Prozent auf 117,5 Milliarden Euro.

Wiesbaden - Die Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleitungssektors haben im Jahr 2024 in Deutschland 117,5 Milliarden Euro Umsatz mit Gütern und Leistungen für den Umweltschutz erwirtschaftet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mitteilte, sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent. Damit ist seit sechs Jahren erstmals ein Rückgang der Umsätze mit Gütern und Leistungen für den Umweltschutz zu verzeichnen.

Die Zahl der "Green Jobs", also der Beschäftigten, die Güter und Leistungen für den Umweltschutz herstellen und erbringen, blieb laut Destatis im Jahr 2024 mit einem Rückgang von 300 Beschäftigten auf rund 404.900 (gemessen in Vollzeitäquivalenten) nahezu auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Die Investitionen der Industrie (Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe) für den Umweltschutz im Jahr 2024 betrugen 21,8 Milliarden Euro.

Der höchste Umsatz wurde nach Angaben des Bundesamts mit 73,0 Milliarden Euro im Jahr 2024 wie in den Jahren zuvor im Umweltbereich Klimaschutz erwirtschaftet, das war ein Zuwachs von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu den bedeutendsten Säulen des Klimaschutzes zählten Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien (36,2 Milliarden Euro) sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Einsparung von Energie (34,1 Milliarden Euro). Bei den erneuerbaren Energien waren die Güter und Leistungen im Bereich der Onshore-Windkraft mit 14,8 Milliarden Euro am umsatzstärksten. Bei der Energieeffizienzsteigerung und Energieeinsparung war die energieeffiziente Antriebs- und Steuerungstechnik (ohne Elektromobiliät) mit 11,0 Milliarden Euro der umsatzstärkste Bereich.

Neben dem Klimaschutz waren die Luftreinhaltung sowie die Abwasserwirtschaft die umsatzstärksten Umweltbereiche. Die Luftreinhaltung erzielte laut Destatis im Jahr 2024 einen Umsatz in Höhe von 19,6 Milliarden Euro, das sind 15,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders auffällig ist der Rückgang in zwei Bereichen, die maßgeblich mit der Automobilbranche verbunden sind: Den höchsten Umsatz im Bereich der Luftreinhaltung erzielten die Güter und Leistungen in der Elektromobilität mit 10,1 Milliarden Euro. Dieser ging 2024 erstmals seit der Einführung dieses Erhebungsmerkmals im Jahr 2019 um 11,5 Prozent beziehungsweise 1,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr zurück. Auch der Umsatz mit Maßnahmen der katalytischen Abgasreinigung sank 2024 um 25,4 Prozent beziehungsweise 1,9 Milliarden Euro.

Im Umweltbereich Abwasserwirtschaft wurden 11,3 Milliarden Euro erwirtschaftet, rund 122.000 Euro beziehungsweise 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der umsatzstärkste Bereich der Herstellung und Installation von Kanalisationssystemen blieb mit 6,4 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau.

Mit 84,8 Milliarden Euro wurden rund drei Viertel (72,1 Prozent) der umweltbezogenen Umsätze von Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes erwirtschaftet. Der wichtigste Bereich war hier erneut der Maschinenbau mit einem umweltbezogenen Umsatz von 27,3 Milliarden Euro, gefolgt von der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit 12,0 Milliarden Euro. Des Weiteren wurden im Baugewerbe 15,2 Milliarden Euro und im Dienstleistungssektor 13,1 Milliarden Euro umweltbezogene Umsätze erwirtschaftet.

Nicht nur bei den umweltbezogenen Umsätzen, sondern auch bei den "Green Jobs" entfiel der Großteil auf das Verarbeitende Gewerbe: Rund zwei Drittel (63,5 Prozent beziehungsweise 257.200) der Beschäftigten im Bereich Umweltschutz arbeiteten im Jahr 2024 laut Destatis im Verarbeitenden Gewerbe, beispielsweise in der Herstellung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Gut ein Fünftel (20,9 Prozent beziehungsweise 84.500) der Beschäftigten war im Baugewerbe tätig, zum Beispiel im Bereich der Wärmedämmung von Gebäuden. Auf den Dienstleistungssektor, zu dem etwa die Planung und Projektentwicklung zur Nutzung erneuerbarer Energien in Architektur- und Ingenieurbüros zählt, entfielen 13,7 Prozent (55.500) aller "Green Jobs".

Die Industrie tätigte im Jahr 2024 den Statistikern zufolge für den Umweltschutz 21,2 Milliarden Euro an Sachinvestitionen. Dazu zählen zum Beispiel technische Anlagen und Maschinen, die dem Umweltschutz dienen. Davon entfielen mit 11,9 Milliarden Euro (56,1 Prozent) mehr als die Hälfte der Investitionen auf den Klimaschutz, und dort überwiegend auf Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien (8,3 Milliarden Euro). Zum Klimaschutz zählen zudem Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung und Energieeinsparung (2,1 Milliarden Euro) sowie zur Vermeidung und Verminderung der Emissionen von Treibhausgasen (1,5 Milliarden Euro).

Nach dem Klimaschutz war die Abwasser- und Abfallwirtschaft der Umweltschutzbereich mit den höchsten Sachinvestitionen. Dort investierte die Industrie insgesamt 7,2 Milliarden Euro (33,9 Prozent) in den Umweltschutz, darunter 4,4 Milliarden Euro in Anlagen und Einrichtungen zur Verminderung der Abwassermenge und -fracht.

Weitere 1,4 Milliarden Euro (6,7 Prozent) Sachinvestitionen für den Umweltschutz entfielen auf den Umweltbereich Luftreinhaltung, davon 609 Millionen Euro auf die Elektromobilität, etwa auf den Kauf von Elektro- oder Hybridfahrzeugen sowie die entsprechende Ladeinfrastruktur.

Zusätzlich zu den Sachinvestitionen gaben die Industrieunternehmen 516 Millionen Euro für erstmalig gemietete und gepachtete neue Sachanlagen für den Umweltschutz, zum Beispiel für die Anmietung von Photovoltaikanlagen aus. Weitere 101 Millionen Euro der Investitionen für den Umweltschutz wurden für immaterielle Vermögensgegenstände getätigt. Dazu zählt unter anderem sogenannte Umweltsoftware, die als digitales Steuerungsinstrument für das Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen eingesetzt wird, zum Beispiel Software für das Treibhausgas- oder Abfallmanagement.

Den Großteil der Umweltschutzinvestitionen in Sachanlagen tätigten mit 15,4 Milliarden Euro beziehungsweise einem Anteil von mehr als zwei Drittel (72,7 Prozent) aller Branchen die Unternehmen der Ver- und Entsorgungswirtschaft.

Wirtschaft / Deutschland / Industrie / Umweltschutz / Klimaschutz / Luftreinhaltung / Abwasserwirtschaft
16.07.2026 · 10:03 Uhr
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