Ukrainisches Militär widerspricht russischen Eroberungsbehauptungen in Kostjantyniwka
Widerspruch zu russischen Eroberungsansprüchen
Das ukrainische Militär hat entschieden den Behauptungen aus Moskau widersprochen, wonach die Stadt Kostjantyniwka im strategisch wichtigen Donbass-Gebiet vollständig erobert worden sei. Laut dem Morgenbericht des ukrainischen Generalstabs sind die Kämpfe in der Kleinstadt, die einst 67.000 Einwohner zählte, nach wie vor im Gange. Auch in den umliegenden Dörfern, die sich näher an den russischen Positionen befinden, wie Iwanopyllja, wird weiterhin gekämpft.
Kreml und die Realität
Kremlchef Wladimir Putin hatte am Vorabend während eines Besuchs in einer Kommandozentrale erklärt, die russische Armee habe die Kontrolle über Kostjantyniwka erlangt. In der Realität jedoch berichten ukrainische Militärblogs wie DeepState, dass nur Teile der Stadt unter russischer Kontrolle stehen. Auch russische Militärblogger haben bislang nicht die vollständige Eroberung der Stadt für ihre Armee reklamieren können, was die Glaubwürdigkeit der russischen Aussagen in Frage stellt.
Selenskyjs klare Worte
Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die russischen Behauptungen als "die x-te russische Lüge". In einem Telefonat mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Selenskyj Putin auf, sich persönlich in Kostjantyniwka zu treffen. "Wenn Kostjantyniwka tatsächlich unter russischer Kontrolle stünde, hätte Putin wohl kein Problem damit, sich dort mit mir zu treffen und diplomatische Lösungen zu finden, um den Krieg endlich zu beenden", so Selenskyj. Er betont, dass die Realität weit von Putins Aussagen entfernt sei.
Strategische Bedeutung der Stadt
Das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtet, dass die russischen Streitkräfte in den letzten Wochen zwar Geländegewinne in Kostjantyniwka erzielt haben, jedoch vor allem aus kleinen Stoßtrupps bestehen, die zwischen den ukrainischen Stellungen operieren. Die Analyse des ISW deutet darauf hin, dass Putins Ankündigung über die Eroberung der Stadt ein Versuch ist, mediale Aufmerksamkeit zu generieren, insbesondere im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA.
Putins Drang nach Erfolgen
Putin, der sich erstmals seit längerer Zeit wieder in Militäruniform zeigte, ist auf die Verkündung militärischer Erfolge angewiesen. Die Treibstoffkrise in Russland, die durch ukrainische Gegenangriffe mit Drohnen verursacht wurde, hat in der Bevölkerung zu erheblichem Unmut geführt. Eines von Putins Kriegszielen ist es, den Donbass vollständig unter russische Kontrolle zu bringen. Ein Verlust von Kostjantyniwka würde bedeuten, dass von den größeren Städten im Gebiet Donezk nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle verbleiben würden.

