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Übernahmen: MDAX auf dem Kaufzettel

von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

Kaum hatte Osrams Großaktionär Allianz eine Kauf­offerte der Finanz­investoren Bain und Carlyle als zu niedrig abgekanzelt, trat Anfang der Woche ein weiterer Interessent auf den Plan: Mit einem deutlich höheren Angebot von 38,50 Euro je Aktie trieb der österreichische Sensorchiphersteller AMS den Osram-Aktienkurs um elf Prozent in die Höhe.

4,3 Milliarden Euro bieten die Österreicher für den Münchner Lichtkonzern. Inzwischen zeigte sich auch Osram aufgeschlossen, sodass AMS bis Anfang September eine offizielle Offerte vorlegen dürfte. Das Bain-Capital-Angebot gilt zwar noch bis 5. September. Ihm werden aber nur noch geringe Chancen eingeräumt.

Osram ist kein Einzelfall. Mehrere Konzerne aus der zweiten Reihe, darunter die MDAX-Unternehmen Axel Springer und Metro, stehen derzeit im ­Fokus von Kaufinteressenten. Während die US-Beteiligungsfirma KKR beim Medienunternehmen Springer fast am Ziel ist, musste der tschechische Investor Daniel Kretinsky erst einmal eine Niederlage einstecken beim Versuch, den Handelskonzern Metro zu übernehmen. 16 Euro je Stammaktie und 13,80 Euro für die Vorzüge hatte Großaktionär Kretinsky geboten - und damit die anderen beiden großen Anteilseigner, die Otto Beisheim Stiftung und die Meridian Stiftung, gegen sich auf­gebracht. Folge: Kretinsky verfehlte die Mindestannahmeschwelle von 67 Prozent.

Perspektiven für Aktionäre

Aus Sicht der Aktionäre muss ein solches Scheitern einer Übernahme keine schlechte Nachricht sein. Die Metro-Aktie hat sich seitdem behauptet. ­Kretinsky, so die Spekulation, könnte sich ein 15-Prozent-Pa- ket des Großaktionärs Haniel schnappen und ein weiteres Pflichtangebot unterbreiten. Zudem ist der Druck auf das Metro-Management gestiegen, das die Kretinsky-Offerte ebenfalls abgelehnt hat. Konzernchef Olaf Koch muss nun zeigen, dass er mehr Wert schaffen kann. Da­rauf werden auch die beiden Stiftungen drängen.

Bei Springer wiederum haben inzwischen 27,8 Prozent der Aktionäre das Übernahmeangebot der US-Finanzinvestors KKR angenommen, der sich eine Mindestquote von 20 Prozent gesetzt hatte. Die Offerte ist nun verlängert worden: Bis 21. August können Aktionäre ihre Anteilscheine am Medienkonzern noch zu einem Preis von 63 Euro andienen. Springer-Chef Ma­thias Döpfner zufolge will das Berliner Medienhaus mit KKR Wachstumschancen im Digitalgeschäft nutzen. Der KKR-Einstieg soll spätestens Anfang 2020 finalisiert sein. Was dann kommt, etwa ein Delisting, ist laut Springer noch offen. Auch ein Squeeze-out mit Abfindungsangebot könnte weitere Dynamik in den Kurs bringen. Darauf setzen risikoorientierte Investoren wie die Kölner Beteiligungsfirma Scherzer & Co., die Positionen aufgebaut hat.

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Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 17.08.2019 · 08:00 Uhr
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