Truth Be Told: Nichts als die Wahrheit

Apple legt mit einer weiteren Serie für seinen Streaming-Service nach – erneut mit prominenten Namen: Octavia Spencer und Aaron Paul. Kann Truth Be Told auch inhaltlich überzeugen?

Mit dem True Crime-Genre tut sich eigentlich jeder Sender einen Gefallen in dieser Zeit: Es geht um echte Kriminalstorys, oft um Fälle, die neu aufgerollt werden, und oft eine emotionale und persönliche Erzählweise der Journalisten. Netflix feiert mit diesem Modell große Erfolge, in der Podcast-Landschaft gelten Vertreter wie Serial als herausragende Formate. Nicht zuletzt sind sie mit für den Erfolgszug des Mediums Podcast in den vergangenen Jahren verantwortlich.

Da dürfte es doch ein Leichtes sein, eine Serie über eine solche True-Crime-Story, die neu aufgerollt wird, zu machen? Truth Be Told ist das jüngste Produkt von AppleTV+ und erzählt die Geschichte von Poppy Parnell, einer erfolgreichen True-Crime-Podcasterin, die den Fall um Warren Cave neu aufrollt: Als Teenager wurde er des Mordes an seinem Nachbarn verurteilt, doch neue Beweise um Zeugenaussagen wecken Zweifel an seiner Schuldigkeit. Eigentlich ein gefundenes Fressen für Parnell, die immer auf der Suche nach einer guten Story ist. Wäre sie nur nicht diejenige, die vor 20 Jahren mit ihrer Berichterstattung ebenfalls dafür gesorgt hatte, dass Cave verurteilt wurde…

Parnell steckt also persönlich in der Story drin, sie ist quasi Teil des Kriminalfalls, über den sie eigentlich berichtet. Eigentlich eine spannende Prämisse, die die Apple-Serie hier zugrunde legt: Was macht das Gewissen einer solchen Person? Wie versucht sie, ihren persönlichen Anteil an der vermeintlich katastrophalen Gerichtsentscheidung damals zu thematisieren? Leider interessiert sich Truth Be Told für diese Fragen nicht. Stattdessen geht es vor allem um die Frage, wie Parnell öffentlich ihr zunehmend schlechtes Gewissen reinwäscht – und damit nebenbei noch gut Geld und Ansehen verdient.

Truth Be Told: Die Schauspieler können es nicht rausreißen

Ein Grundproblem der Serie ist dabei, dass keine der Figuren sympathisch oder nahbar daherkommt. Der Plot um die Mordfrage wird ergänzt um einen über das komplizierte Familienleben von Parnell, der sich allerdings kaum kohärent in das Gesamtbild einfügt. Es fehlen die Ecken und Kanten, sowohl in der Story als auch bei der Hauptfigur Poppy Parnell. Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer spielt gut, kann aber die Drehbuch-Schwächen ihrer Figur nicht wettmachen.

Über all diese Schwächen hätte man als Zuschauer womöglich hinwegsehen können, wenn die Story wenigstens eines wäre: spannend. Leider aber gelingt es dem Format kaum, den appeal zahlreicher True-Crime-Serien einzufangen. Dies beginnt schon beim damaligen Mordopfer, über das wir kaum etwas erfahren und damit generell kaum inhaltlichen Zugang zu der eigentlichen Tat erhalten. Man begegnet der Figur Warren Cave, dem verurteilten Mörder, gleichgültig – auch hier kann es der großartige Schauspieler Aaron Paul nicht herausreißen. Truth Be Told bleibt erzählerisch zu einseitig auf der Seite von Poppy Parnell und ihrer langweilig heroischen Mission, sich selbst reinzuwaschen.

Gut einen Monat nach dem Start bleibt damit ein ernüchterndes Zwischenfazit von AppleTV+. Zumindest inhaltlich hat keine der Serien bei den Kritikern durchgehend gepunktet und teilweise die Erwartungen enttäuscht. Ähnlich wie The Morning Show besticht Truth Be Told zwar mit einem großartigen Cast, hat aber dafür umso weniger inhaltliche Originalität.

Die ersten Folgen von Truth Be Told sind ab sofort bei AppleTV+ verfügbar. Wöchentlich wird eine weitere Episode veröffentlicht
Meinungen / TV-Kritik / First Look
08.12.2019 · 08:56 Uhr
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