Diplomatie

Trumps Gesandte in Moskau und Kiew - kein erkennbarer Erfolg

06. September 2026, 19:53 Uhr · Quelle: dpa
Ukraine-Krieg - Kiew
Foto: Francisco Seco/AP/dpa
Selenskyj bezeichnete die Gespräche als «äußerst inhaltsvoll», konkrete Ergebnisse wurden aber nicht bekannt.
Ihre Unterredungen in Moskau und Kiew sehen die US-Unterhändler positiv. Selenskyj aber denkt schon an den Winter. Denn der Krieg geht vorerst weiter.

Kiew (dpa) - Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben sich nach Gesprächen der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew keine unmittelbaren Fortschritte gezeigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zwar von «äußerst inhaltsvollen» Gesprächen, machte aber deutlich, dass unter dem Strich wenig stand. Nach Abschluss der Unterredungen zeigte er sich wenig optimistisch: «Sollte sich der Krieg bis zum Winter ziehen, und danach sieht es aktuell aus, brauchen wir ein "Winterpaket"», wurde er von den ukrainischen Medien zitiert.

Trumps Gesandte Witkoff und Kushner haben seit 2025 mehrmals Moskau besucht, waren für ihre Vermittlungsbemühungen aber noch nie zuvor in Kiew - für die Ukraine ein Beweis mehr für den drastischen Kurswechsel der USA unter Trump im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg, der seit mehr als viereinhalb Jahren andauert. Bevor Witkoff und Kushner am Sonntag dann erstmals in der ukrainischen Hauptstadt eintrafen, saßen sie am Samstagabend fast drei Stunden mit Kremlchef Wladimir Putin zusammen. 

Trumps Schwiegersohn Kushner sprach sich für die Wiederaufnahme trilateraler Gespräche der Ukraine und Russlands unter US-Vermittlung aus. «Hoffentlich sehen wir da sehr bald Fortschritte», wurde er von CNN mit Blick auf die jüngsten Gespräche in Kiew und Moskau zitiert.

«Besser als Flugabwehrsysteme»

Im Scherz meinte Selenskyj, die Anwesenheit Witkoffs und Kushners habe «besser funktioniert als die Patriot-Flugabwehrsysteme». Die beiden Emissäre von US-Präsident Donald Trump sollten öfter nach Kiew kommen, um den Bewohnern eine Chance zu geben, ohne die ständigen russischen Angriffe ein wenig Luft zu holen. 

Kremlchef Putin hatte für die Dauer des Besuchs der US-Unterhändler eine dreitägige Pause in den Angriffen auf Kiew verkündet, die Ukraine verzichtete dafür in dieser Zeit auf Angriffe gegen Moskau. Die Ukraine beklagt einen Mangel an Patriot-Raketen, dem einzigen Abwehrmittel gegen russische Raketen.

Selenskyjs Verbündete mit am Tisch

An den Verhandlungen in Kiew nahmen auch die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teil. «Wir haben vereinbart, dass sich die Ukraine, Europa und Amerika in Kürze treffen werden», sagte Selenskyj im Anschluss. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Selenskyj bekräftigte zu guter Letzt die Ansicht, dass zur Lösung der wichtigsten Fragen im Ukraine-Konflikt, wie etwa der territorialen Aufteilung, ein Treffen auf höchster Ebene nötig sei. Putin hat bisher ein direktes Treffen mit Selenskyj an einem neutralen Ort kategorisch abgelehnt. Stattdessen forderte er Selenskyj auf, zu Gesprächen nach Moskau zu kommen. Dies wiederum lehnte der ukrainische Staatschef ab.

Putin nennt Zusammenarbeit mit USA «komfortabel»

Witkoff und Kushner hatten bei Selenskyj für Unmut damit gesorgt, dass sie Kiew bei ihren Vermittlungsbemühungen bislang ausgelassen hatten. Im April kritisierte er, es sei respektlos, nach Moskau zu reisen und nicht nach Kiew zu kommen. Trotz der Visite dürften auch die jüngsten Eindrücke aus Moskau in Kiew nicht gut angekommen sein. Putin erklärte, dass Witkoff und Kushner inzwischen das Vertrauen der russischen Seite hätten. «Für uns ist die Zusammenarbeit mit ihnen komfortabel», sagte der Präsident.

Putin habe seine Einschätzung der Lage abgegeben, berichtete dessen außenpolitischer Berater Juri Uschakow. «Insbesondere wurden die tatsächlichen Erfolge der russischen Armee beim Vormarsch im Einsatzgebiet hervorgehoben», sagte er. Allerdings geben Experten über die vermeintlichen und realen Fortschritte der Kriegsparteien im Frontgebiet unterschiedliche Einschätzungen ab. Immer wieder gibt es Zweifel, ob Putin von seinem Generalstab wahrheitsgemäß über die Lage informiert wird.

Anreise mit der Bahn aus Polen

Nach dem Treffen in Moskau flogen die US-Unterhändler zurück auf EU-Gebiet und landeten in Rzeszow in Ostpolen. Von dort nahmen sie wie andere ausländische Politiker den Zug für den Besuch in Kiew. Vorher hatte es Überlegungen über eine Anreise mit dem Flugzeug gegeben. Allerdings ruht der zivile Flugverkehr über der Ukraine seit Kriegsbeginn 2022. Selenskyj warf Russland vor, vor dem Besuch gezielt die Kiewer Flughäfen Schuljany und Boryspil beschossen zu haben, um die US-Vermittler abzuschrecken.

Zeichen stehen auf Eskalation 

Bei direkten Gesprächen Moskaus und Kiews in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Februar in Genf saß Washington als Vermittler mit am Tisch. Zuletzt lagen die Verhandlungen auf Eis – auch weil die USA durch ihren eigenen Krieg im Iran abgelenkt waren. Vor Witkoffs und Kushners Reise hatte Trump gesagt: «Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können.» Er zeigte sich erneut optimistisch, dass dies gelingen könne. Bisher haben die Bemühungen der USA aber noch keinen Durchbruch gebracht - und im Krieg stehen die Zeichen derzeit eher auf Eskalation. An der Front gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert.

Konflikte / Krieg / Diplomatie / Ukraine / Russland / USA / Steve Witkoff
06.09.2026 · 19:53 Uhr
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