Lage im Überblick

Trump erwägt neue Angriffe - Iran droht mit Gegenschlägen

01. August 2026, 05:36 Uhr · Quelle: dpa
Iran-Krieg - Teheran
Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Irans Raketen stellen eine große Bedrohung für die mit den USA verbündeten Staaten am Persischen Golf dar. (Symbolbild)
Wird das US-Militär noch an diesem Wochenende massive Angriffe auf Ziele im Iran fliegen? Das legen Berichte nahe. Selbst Israel könnte wieder in den Krieg eingreifen. Teheran droht seinen Gegnern.

Washington/Teheran (dpa) - Die USA stehen US-Medienberichten zufolge kurz vor dem Beginn einer der größten Angriffswellen auf den Iran. Diese könnten bereits an diesem Wochenende starten und auch iranische Infrastruktur oder Energieanlagen zum Ziel haben, berichtete etwa CBS News unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Auch Israel könne dabei wieder in den Krieg einsteigen. Das «Wall Street Journal» berichtete, Trump habe bereits neue und mehrtägige Angriffe befohlen, könnte seine Meinung aber noch bis zur letzten Minute ändern. 

Angesichts der Medienberichte drohte der Iran umgehend mit Gegenschlägen auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten. Das berichteten die iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die USA müssten sich bewusst sein, dass Energieanlagen von weltweiter Bedeutung in Saudi-Arabien und in Katar innerhalb der Reichweite iranischer Raketen lägen, hieß es bei Fars weiter. Auch Anlagen in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden genannt.

Es gebe einen umfassenden Plan für Gegenschläge, zitierte Tasnim einen ranghohen iranischen Sicherheitsbeamten. Irans Militär habe bereits zuvor demonstriert, dass es die Fähigkeit und die Entschlossenheit für Gegenangriffe habe. Die Berichten zufolge geplanten amerikanisch-israelischen Angriffe auch auf Infrastrukturziele im Iran seien ein Akt des Wahnsinns.

Iran zielt auf Öl- und Gasanlagen

Teheran hat seit Kriegsbeginn Ende Februar als Reaktion auf US-Angriffe immer wieder mit Raketen und Drohnen Ziele in den Golfstaaten angegriffen, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden. Dabei wurden vereinzelt auch wichtige Energieeinrichtungen getroffen, etwa Katars Anlagen zur Herstellung und Verschiffung von Flüssiggas oder Ölanlagen in Kuwait. Die Luftabwehr der Golfstaaten konnte bislang viele ballistische Raketen des Irans abschießen - zuletzt wuchs aber die Sorge, dass die Vorräte an Luftabwehrraketen insbesondere für das Patriot-System zur Neige gehen könnten. Auch die US-Bestände sind Medienberichten zufolge inzwischen deutlich geschrumpft. 

Sollten dem Iran neue Schläge auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten gelingen, dürften die Weltmarkpreise für Öl und Gas weiter steigen, was Teheran als Druckmittel gegen Trump nutzt. Dessen Republikaner müssen sich in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress den Wählern stellen. 

Tanker vor Oman angegriffen - Maschinenraum beschädigt

Zudem kontrolliert der Iran auch weiterhin die Straße von Hormus, die normalerweise eine wichtige Route für den Export von Öl und Flüssiggas aus den Golfstaaten ist. Das US-Militär hat inzwischen als Druckmittel seine Seeblockade erneuert, um wiederum den Iran von Einnahmen aus dem Export von Rohöl abzuschneiden. 

In der Straße von Hormus wurde vor der Küste des Omans erneut ein Tanker angegriffen. Er sei von einem «unbekannten Geschoss» getroffen worden, das Schäden am Maschinenraum verursacht habe, meldete die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO). Es gebe keine Verletzten oder Umweltschäden. Der Vorfall ereignete sich demnach rund 20 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Lima. 

Experte: Auch neue Angriffe dürften Iran nicht in die Knie zwingen

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, auch neue US-Angriffe auf Irans zivile und wirtschaftliche Infrastruktur dürften die Machthaber in Teheran nicht zum Einlenken bewegen. Mit Blick auf mögliche Gegenangriffe auf Ziele in den Golfstaaten schrieb er weiter: «Iran wird sicherlich heftige wirtschaftliche Schäden erleiden, aber es ist genauso wahrscheinlich, dass der Iran im Gegenzug die Kosten für seine Gegner erhöhen wird.» 

Auch werde der Iran als Druckmittel die Straße von Hormus weiter kontrollieren und über seine Verbündeten im Jemen, die Huthi-Miliz, den Druck auf die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang des Roten Meeres verstärken. «Es gibt keine militärische Wunderwaffe für die Herausforderung, die der Iran darstellt», schrieb Citrinowicz.

Trump kündigt weitere Angriffe an

Trump hatte zu Beginn des Kriegs gesagt, der Konflikt werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen geht der Konflikt in den sechsten Monat und eine Lösung scheint so wenig in Sicht wie fallende Öl- und Gaspreise. 

Bei einer Kabinettsitzung auf dem Landsitz Camp David am Freitag sprach Trump bereits von weiteren Angriffen auf den Iran. «Wir werden sie sehr hart treffen», sagte er, ohne einen zeitlichen Rahmen dafür zu nennen. «Wissen Sie, irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können.» Der Iran hätte nach den bisherigen Angriffen noch etwas militärische Kapazitäten, bald jedoch nicht mehr, sagte Trump. 

Mit Blick auf diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Kriegs gab Trump sich frustriert. Die Iraner hielten sich oft nicht an das Verabredete und würden Gesprächsinhalte öffentlich falsch darstellen, kritisierte er erneut. «Alles, was sie tun, ist, mich wütend zu machen.» 

Seit Wochen sind bei den Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran zumindest öffentlich keine Fortschritte zu erkennen. Ein im Juni abgeschlossenes Rahmenabkommen der Kriegsparteien sorgte nicht lange für eine Feuerpause. Die US-Regierung will unter anderem eine Wiederöffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt erreichen und sicherstellen, dass der Iran keine Atombomben herstellen kann.

Krieg / Konflikte / Energie / USA / Iran / Israel / Straße von Hormus
01.08.2026 · 05:36 Uhr
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