Transparenz bis ins Honigglas: EU schärft Herkunftskennzeichnung
Honig - darf künftig nicht mehr in Anonymität schwelgen. Die EU hat beschlossen, dass Hersteller die Herkunft ihres Honigs künftig präziser deklarieren müssen. Verhandlungsführer der EU-Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments einigten sich darauf, die Transparenz für Konsumenten wesentlich zu erhöhen. Die neue Regelung sieht vor, dass Verbrauchern nicht nur die Information gewährt wird, ob der Honig aus der EU stammt oder nicht. Vielmehr müssen die Anteile des Honigs aus den einzelnen Ursprungsländern konkret beziffert werden.
Obwohl die Regelung noch der Endorsement von Parlament und EU-Staaten bedarf, wird von einer reibungslosen Annahme ausgegangen. Nach der offiziellen Publikation im EU-Amtsblatt beginnt eine zweijährige Übergangsfrist.
Die verbesserte Regelung erlaubt es EU-Ländern, die vier größten Honig-Anteile zu benennen und ermöglicht es, auf Verpackungen unter 30 Gramm, die Ursprungsländer in kodierter Form anzugeben. Verbraucherschützer wie Chris Methmann von Foodwatch jubilieren über diesen Schritt, erkennen jedoch an, dass für den Kampf gegen Honigfälschungen intensivere Kontrollen entscheidend sind. Bemängelt wird, dass gefälschter Honig - oft mit Zuckersirup vermischt - seinen Weg in verarbeitete Lebensmittel findet.
Pascal Canfin, Umweltausschussvorsitzender im EU-Parlament, kündigt zudem strengere Grenzkontrollen an, um Zuckerwasser-Imitationen zu unterbinden. Neuartige Analysemethoden und Pollenanalysen der EU-Kommission sollen auch dazu beitragen, Verfälschungen aufzudecken und Herkünfte genau zu bestimmen.
Darüber hinaus gibt es Neuerungen für Säfte und Marmeladen. "Zuckerreduziert" darf künftig nur auf Etiketten stehen, wenn ohne Süßungsmittel mindestens 30% des natürlichen Zuckers entfernt wurden. Für Konfitüren gilt, dass pro Kilogramm Produkt mindestens 450 Gramm Obst enthalten sein müssen.
Der Schritt wird politisch begrüßt. Markus Ferber, CSU-Abgeordneter im Europaparlament, moniert die Intransparenz bisheriger Kennzeichnungen. Auch Renate Künast von den Grünen betont das Recht der Kundschaft, über die Herkunft von Produkten informiert zu sein, wobei insbesondere regionale Erzeugnisse an Bedeutung gewinnen. (eulerpool-AFX)

