Nach Krankheitspause

Tränen, Party und Leidenschaft: Céline Dion feiert Comeback

13. September 2026, 04:05 Uhr · Quelle: dpa
Bühnen-Comeback von Céline Dion
Foto: Thomas Samson/AFP/dpa
Dion hat nach Jahren der Pause erstmals wieder ein ganzes Konzert gegeben.
Nach jahrelanger Krankheitspause steht Weltstar Céline Dion wieder auf der Konzertbühne. Sie liefert eine lange und abwechslungsreiche Show. Dabei wird sie immer wieder ganz persönlich.

Paris (dpa) - Als Céline Dion nach sechs Jahren erstmals wieder für ein ganzes Konzert auf die Bühne tritt, ist sie wohl selbst überwältigt. Der Superstar wischt sich bei der ersten Nummer Tränen aus dem Gesicht, manche Töne sitzen noch nicht ganz, als die 58-Jährige ihr Comeback wie mit einem Versprechen an ihre Fans beginnt. Denn der Titel des ersten Liedes in der gut 30.000 Besuchern ausverkauften Plenitude Arena bei Paris heißt «On Ne Change Pas» («Man ändert sich nicht»).

«Ich hatte mir versprochen, nicht zu weinen», gibt die Kanadierin vor ihren Fans zu. Halten könne sie das aber nicht. «Heute Abend will ich für euch singen, für mich singen, das Leben besingen.»

«Der Weg war steinig»

Noch vor einigen Jahren war ein solches Konzert für Musikikone Dion undenkbar. Nachdem sie immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, machte sie 2022 öffentlich, an einer seltenen Autoimmunerkrankung zu leiden, dem Stiff-Person-Syndrom. Dion erzählte von schweren Krämpfen in der Kehle, einem Gefühl, als ob sie erwürgt werde, und von so starken Anfällen, dass sie sich dabei die Rippen gebrochen habe. Seitdem war sie nur noch selten für einzelne Songs aufgetreten.

Nun aber steht Dion wieder auf der Bühne, auf die zurückzukehren sie so sehnsüchtig gehofft hatte. «Der Weg war steinig, die Route länger als gedacht.» Aber sie habe durchgehalten und daran geglaubt. «Ich habe gelernt, mit dieser Schwäche zu leben», erzählt die Sängerin. «Und ich habe beschlossen, daraus meine Lebenskraft zu machen.»

Diszipliniert hatte Dion darauf hingearbeitet, wieder für ihre Fans singen zu können. Erst kämpfte sie mit Physiotherapie und Medikamenten gegen die Krankheit an. Dann bereitete sie sich mit Yoga, Krafttraining, Stimmtraining und Tanzen auf ihr Comeback vor. «Man muss immer träumen», meint die Sängerin, und dankt ihren Fans für die Unterstützung und die Geduld. 

Kleine Patzer, große Party

Während Dion zu Beginn ihrer Show gerührt wirkt und eher langsamere Balladen singt, scheint sie sich später mehr fallen zu lassen. «Wir feiern», ruft sie aus und startet dann in eine Reihe rockige Songs. Dion covert «Sweet Dreams» von Eurythmics. Ihr berühmtes «I'm Alive» lässt sie in einer funkigen Schnellversion ganz neu erklingen. Sie tanzt, groovt, verzieht das Gesicht und hat sichtbar Spaß an der eigenen Show.

Gegen Ende des facettenreichen Konzertes bietet Dion gar ein Opernstück dar, wie um zu zeigen, was sie alles kann und vor allem, dass sie es noch kann.

Zwar rutschen ihr zu Beginn ein paar unsaubere Töne durch und einmal bricht sie ein Lied nach nur wenigen Zeilen ab, sagt: «Und ich beginne noch einmal. Es tut mir so leid. Ich habe einen Fehler gemacht» und lacht leicht peinlich berührt. Doch je mehr Dion an diesem Abend in Fahrt kommt, desto deutlicher kommt ihre starke Stimme zur Geltung. Immer wieder beeindruckt sie damit, wie lange und kraftvoll sie Noten hält. Die Fans jubeln, tanzen, applaudieren energisch - und verzeihen Dion die kleinen Patzer sowieso.

«Ich bin einfach nur froh, dass sie überhaupt singt.»

Um Dion nach der langen Krankheitspause zu hören, sind etliche Fans von weit her angereist. Auch Volker Schmidt aus Köln und Alexander Nebe aus Hamburg sind für die Sängerin in die französische Hauptstadt gekommen. Schmidt ist schon seit 1988 Fan von Dion, die damals mit nur 20 Jahren den Eurovision Song Contest für die Schweiz gewann. Dass Dion irgendwann überhaupt wieder auftreten wird können, damit hatten die beiden nicht gerechnet. «Das ist heute was ganz Besonderes», meint Schmidt - obwohl er die Sängerin schon etliche Male live erlebt hat.

Für Cornelia Rausch aus dem bayerischen Günzburg ist es das erste Dion-Konzert, obwohl auch sie bereits seit den 1980er-Jahren Fan ist. Sie fühle sich unglaublich, erzählt sie, habe Schmetterlinge im Bauch. Was Dion singe, sei am Ende egal. «Ich bin einfach nur froh, dass sie überhaupt singt.»

Nach dem fast zweieinhalbstündigen Konzert erzählt Schmidt überschwänglich: «Es war sensationell.» Sein Freund und er seien begeistert. «Die Stimme war besser als früher. Das hätten wir so nicht erwartet.» Auch Milène aus dem südfranzösischen Biarritz meint: «Es war unglaublich. Wir haben viel geweint und sie auch.» Odette aus Zentralfrankreich findet zwar, dass Dion sich anders bewegt habe als früher, aber das sei normal. Das Konzert sei trotzdem super gewesen.

Dion an Fans: «Ich liebe euch»

Auch französische Medien feiern das Comeback als Erfolg. Noch 25 weitere Male will Dion im Herbst und im kommenden Mai vor den Toren von Paris auftreten. Insgesamt mehr als 900.000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden bei ihren Shows erwartet. Etliche weitere hatten vergeblich versucht, ein Ticket zu ergattern. Sie können sich immerhin auf ein neues Album der Sängerin freuen, das bald kommen könnte. 

Am Ende ihres ersten Konzertes und damit ihrer Rückkehr auf die Bühne bleibt Dion nichts mehr übrig, als ihren Fans zu danken. «Ich liebe euch», schließt sie, bevor sie unter tosendem Applaus die Bühne verlässt.

Musik / Céline Dion / Stiff-Person-Syndrom / Comeback / Frankreich / Kanada / Pop
13.09.2026 · 04:05 Uhr
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