Ukraine-Krieg

Tote in der Ukraine - Kiew schutzlos gegen russische Raketen

05. August 2026, 14:12 Uhr · Quelle: dpa
Ukraine-Krieg - Kiew
Foto: Dan Bashakov/AP/dpa
Die ukrainische Hauptstadt Kiew konnte erneut nicht gegen russische Raketen verteidigt werden.
Der Ukraine fehlt Munition zur Abwehr ballistischer Raketen. Moskau nutzt dies zu schweren Schlägen gegen die ukrainische Hauptstadt. Im Kiewer Gebiet sind mindestens 17 Tote zu beklagen.

Kiew/Moskau (dpa) - Ein schwerer russischer Luftangriff mit mindestens 17 Toten in Kiew und Umgebung hat erneut die derzeitige Schutzlosigkeit der Ukraine gegenüber ballistischen Raketen offengelegt. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte die russische Armee in der Nacht 28 ballistische Raketen verschiedener Typen ein. Kein einziges Geschoss konnte demnach abgefangen werden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagte den Mangel an Flugabwehrwaffen. «Abfangmunition für ballistische Raketen hätte die Leben derjenigen retten können, die heute getötet wurden», schrieb er in sozialen Netzwerken. Die Partner der Ukraine müssten verstehen, dass jede verspätete Lieferung, jede Weigerung, Raketenabwehr bereitzustellen, zu Tod und Zerstörung führe. Bei einer Sitzung mit seiner Militärführung sagte Selenskyj, die Lieferungen von Raketenabwehrmunition aus dem Ausland sei im Vergleich zum vergangenen Jahr auf ein Drittel zurückgegangen. 

Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einem Massenangriff, der sich gegen Logistik- und Verteilzentren militärischer Güter gerichtet habe. Das russische Militär listete die einzelnen Zentren auf, darunter Einrichtungen der Logistikunternehmen Nova Post und Epizentr. Getroffen wurden Lagerhäuser in der Hauptstadt Kiew und am Stadtrand, vor allem im östlichen Vorort Browary. Das Brandmeldesystem Firms der US-Raumfahrtbehörde Nasa verzeichnete an diesen Stellen Feuer. 

Menschen warteten nachts auf Zug - acht Tote auf Bahnstation

Auf der Bahnstation Kwitnewa in Browary, die zwischen mehreren Angriffszielen liegt, wurden acht Menschen bei dem Raketenbeschuss getötet. «Gestern Nacht hat sich ein Zug etwas verspätet, und die Leute haben es nicht mehr zum letzten Zug geschafft», sagte der Bürgermeister von Browary, Witalij Bihun, im ukrainischen Nachrichtenfernsehen. Weitere sechs Tote gab es in zwei Verteilzentren der großen ukrainischen Supermarktkette Silpo. Selenskyj sprach außerdem von insgesamt 44 Verletzten.

Weil der Mangel der Ukraine an Munition zur Raketenabwehr bekannt ist, hat Moskau die Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere Städte verstärkt. Allein im Juli gab es nach Zählung von Journalisten in Kiew elf solcher Angriffe. Zuletzt beschoss die russische Armee am vergangenen Samstag Kiew mit Raketen und tötete mindestens 9 Menschen und verletzte mehr als 30.

Kein Mittel gegen Iskander- und Zirkon-Raketen

In der Nacht auf Mittwoch setzte Russland nach Kiewer Angaben 24 ballistische Raketen vom Typ Iskander-M sowie umfunktionierte Flugabwehrraketen S-400 ein. Sie wurden nach ukrainischen Angaben als Salve aus den grenznahen russischen Gebieten Brjansk und Kursk abgefeuert, so dass kaum eine Vorwarnung möglich war. Gegen die Kurzstreckenraketen Iskander-M ist die Trefferquote der ukrainischen Flugabwehr notorisch schlecht. 

Die russischen Raketen S-400, die eigentlich Flugzeuge in der Luft treffen sollen, gelten beim Einsatz gegen Bodenziele als ungenau, was zu vielen zivilen Opfern führt. Außerdem schoss die russische Armee mit vier Hyperschallraketen vom Typ Zirkon, der zum Einsatz gegen Schiffe entwickelt wurde. Von 115 angreifenden russischen Drohnen verschiedener Typen konnte die ukrainische Luftwaffe nach eigenen Angaben 98 abwehren.

Als beste Abwehr gegen ballistische Raketen gelten die US-produzierten Patriot-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere solcher Systeme, auch Deutschland hat welche zur Verfügung gestellt. Kiew fehlt es jedoch an Munition dafür. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Patriot-Munition weltweit verknappt. In Kiew wächst die Furcht, dass die ungehinderten ballistischen Angriffe zum kommenden Winter erneut die Infrastruktur zerstören und die Ukraine in Not bringen könnten.

Ukraine trifft erneut Online-Händler Wildberries

Ihrerseits griff die Ukraine Russland nachts mit großen Drohnenschwärmen an und traf mehrere Logistikzentren und eine Raffinerie. Das russische Militär teilte mit, es seien 475 feindliche Drohnen abgefangen worden. Diese Angabe ist nicht unabhängig überprüfbar, lässt aber auf einen massiven Angriff schließen.

In Ufa in der Teilrepublik Baschkortostan, etwa 1.500 Kilometer von der Ukraine entfernt, wurde eine Raffinerie getroffen. In Brand geschossen wurde auch ein Logistikzentrum des größten russischen Online-Händlers Wildberries in der Stadt Alexin südlich von Moskau, wie die Behörden im Gebiet Tula bestätigten.

Putin strukturiert Armee um

In Moskau verkündete Kremlchef Wladimir Putin unterdessen eine Umstrukturierung der Armee: Logistiktruppen und andere Einheiten im Unterstützungsbereich werden künftig gebündelt. Bei einem Treffen mit der Militärführung ernannte Putin General Waleri Solodschuk zum Chef dieser rückwärtigen Dienste. Den Moskauer Truppen machen vor allem die ukrainischen Drohnenangriffe auf Ölraffinerien und Logistikzentren im russischen Hinterland zu schaffen, weil dies den Nachschub für die Front erheblich erschwert. Besonders auf der von Russland schon 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim hat sich die Lage verschärft.

Putin ernannte auch neue Kommandeure für die Armee-Gruppen «Zentrum» und «Wostok» (Osten), die im ostukrainischen Gebiet Donezk kämpfen und es für den Kreml unter Kontrolle bringen sollen. Putin führt seinen Krieg gegen die Ukraine inzwischen im fünften Jahr, ohne seine Ziele erreicht zu haben.

Konflikte / Krieg / Ukraine / Russland / Selenskyj / Iskander / Patriot
05.08.2026 · 14:12 Uhr
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