The Witcher Remake vorerst gestoppt: CD Projekt REDs Zukunftsplan blockiert Vizima-Comeback

04. September 2026, 11:30 Uhr · Quelle: PixelCritics
The Witcher Remake vorerst gestoppt: CD Projekt REDs Zukunftsplan blockiert Vizima-Comeback
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Geralts Rückkehr ins verseuchte Umland von Vizima rückt in weite Ferne. CD Projekt RED zieht beim The Witcher Remake vorerst die Handbremse an und verlagert alle personellen Ressourcen auf die nächsten Großbaustellen des Hexer-Universums.

Wer gehofft hatte, den ersten Hexer-Ausflug zeitnah im modernen Glanz zu erleben, muss jetzt ganz stark sein. The Witcher Remake ist offiziell auf unbestimmte Zeit pausiert. Was CD Projekt RED in aktuellen Finanzberichten noch vorsichtig als technologische Abhängigkeit umschrieb, entpuppt sich hinter den Kulissen als harter Produktionsstopp. Das zuständige Studio Fool’s Theory darf erst dann wieder voll durchstarten, wenn die Fundamente der kommenden Saga stehen.

Das Triebwerk aus Warschau spuckt noch Funken

Die Begründung klingt auf dem Papier nach sauberer Studio-Logik, schmeckt der wartenden Community aber wie abgestandenes Schwalbe-Elixier. CD Projekt RED baut seine neuen Großprojekte komplett auf Epics Unreal Engine 5 auf, nachdem die hauseigene REDengine bei Cyberpunk 2077 an ihre Belastungsgrenzen stieß. Genau hier liegt der Haken: Das Remake soll sich die Werkzeuge, Animations-Pipelines und Physik-Routinen direkt mit The Witcher 4 teilen, um teure Doppelarbeit im Vorfeld zu verhindern.

Das Problem an dieser Konstruktion ist die chronologische Realität in der Entwicklung. Fool’s Theory kann keine Quests inszenieren, Kampfsysteme feintunen oder Trefferabfragen justieren, wenn die Warschauer Kernmannschaft die grundlegenden Engine-Tools noch monatlich über den Haufen wirft. Solange nicht feststeht, wie sich Geralts Ausweichschritte, Parierfenster und Kletteranimationen im neuen Grafikgerüst überhaupt anfühlen, wäre jede Arbeit an Spielszenen reine Zeitverschwendung.

Dass die technische Neuausrichtung auf Unreal Engine 5 das Studio vor alten Fehlern bewahren soll, tröstet am Bildschirm wenig. Solange das Fundament von Projekt Polaris nicht bombenfest steht, bleibt das Remake zur Untätigkeit verdammt. Wer auf einen Release vor 2029 hofft, ignoriert schlicht die Gesetze moderner Spieleproduktion. Vor dem Eintreffen der Warschauer Toolchains wird in Bielsko-Biała keine einzige Zeile Spiellogik geschrieben.

190 Entwickler auf der falschen Großbaustelle

Dass bei Entwickler Fool’s Theory überhaupt noch jemand an Geralts Anfängen schraubt, grenzt ohnehin an ein logistisches Märchen. Das polnische Studio, das einst von früheren Hexer-Entwicklern rund um Jakub Rokosz gegründet wurde, stemmt derzeit mit rund 190 Köpfen die aufwendige Entwicklung von Songs of the Past. Ein monumentales drittes Addon für The Witcher 3, das 2027 aufschlagen soll und die Ressourcen des Teams fast restlos bindet.

Die verbliebenen Mitarbeiter arbeiten derweil nicht am eigentlichen Klassiker, sondern unterstützen als Zudiener die Vorproduktion von The Witcher 4. Dort lernen sie im Grunde erst den Umgang mit den neuen Workflows, die sie später für das Remake benötigen. Wie ein Studio-Sprecher gegenüber GameSpot bestätigte, ist das Projekt vorübergehend in die Produktion des vierten Teils eingegliedert worden. Das Remake existiert aktuell nur als Plan auf dem Papier.

In der Praxis bedeutet das schlicht: Drei monumentale Rollenspiel-Baustellen gleichzeitig zu bedienen, übersteigt selbst die Kapazitäten eines eingespielten Partnerstudios. Fool’s Theory muss erst Geralts alten Hexer-Ruhestand um ein weiteres Kapitel erweitern, bevor an den Ruinen von Kaer Morhen weitergearbeitet werden darf. Für die Community heißt das vor allem eines: Geduld haben und zuschauen, wie andere Projekte im Rampenlicht vorgezogen werden.

Wenn der Sumpf von Vizima die Open World sprengt

Dabei hätte das Original von 2007 eine spielerische Runderneuerung dringender nötig als fast jedes andere Rollenspiel der Ära. Der Erstling lief seinerzeit auf BioWares betagter Aurora-Engine und quälte Spieler mit endlosen Ladezonen an jeder Holztür, steifem Rhythmus-Klickkampf und den berüchtigten Romanzen-Sammelkarten. Fool’s Theory hatte bereits angekündigt, das claustrophobische Zonen-Korsett aufzubrechen und ein vollwertiges Open-World-Erlebnis nach modernen Standards daraus zu stricken.

Dieser Umbau ist allerdings kein simples Facelift, sondern gleicht einer Operation am offenen Herzen. Eine radikale Generalüberholung des Erstlings wirft fundamentale Designfragen auf. Wer damals stundenlang zwischen dem Sumpf und den Tempelbezirken hin- und hergewandert ist, um belanglose Botengänge zu erledigen, weiß um die dramaturgischen Längen. Original-Chefautor Artur Ganszyniec stellte bereits klar, dass eine nahtlose Spielwelt das gesamte Pacing der alten Fünf-Akt-Struktur zerstört.

Das Team muss unzeitgemäßen Ballast entfernen, ohne die düstere Noir-Atmosphäre des Originals zu opfern. Solche tiefgreifenden Eingriffe in Questsystem und Handlungsstränge lassen sich jedoch nicht im luftleeren Raum planen. Wenn man nicht weiß, wie sich die Spielfigur durch die Wildnis bewegt und wie Kämpfe gegen Ghule dynamic ablaufen, verpufft jedes Questdesign in theoretischen Absichtserklärungen. Der spielerische Leerlauf am Rechner ist damit vorprogrammiert.

Die Quittung für fünf Ankündigungen auf einen Schlag

Der aktuelle Stillstand legt schonungslos offen, woran das Projekt eigentlich krankt: an CD Projekt REDs PR-Offensive aus dem Herbst 2022. Damals wurden Investoren und Fans mit fünf Großprojekten gleichzeitig geblendet, von Polaris über das Multiplayer-Spin-off Sirius bis hin zum Remake namens Canis Majoris. Vier Jahre später holt die harte Produktionswirklichkeit die Warschauer Chefetage ein. Mehrere Mammut-Rollenspiele zeitgleich auf einer völlig neuen Engine hochzuziehen, funktioniert nicht ohne massive Reibungsverluste.

Weil The Witcher 4 laut Joint-CEO Michał Nowakowski frühestens für 2028 angepeilt wird, ist die Hackordnung im Konzern unmissverständlich geregelt. Die nächste Hauptsaga genießt absolute Priorität, weil an ihrem Erfolg das gesamte Wohl des Unternehmens hängt. Das Remake wird damit automatisch zum Lückenbüßer degradiert, der die lange Durststrecke zwischen Teil vier und Teil fünf überbrücken soll. Vor Ende des Jahrzehnts wird kein Spieler durch ein modernisiertes Vizima streifen.

Für die wartende Spielerschaft bleibt nach der jüngsten Hiobsbotschaft nur Ernüchterung. Wer gehofft hatte, die Wartezeit auf die neue Ciri-Saga mit einem technisch polierten Geralt-Klassiker zu verkürzen, blickt nun in eine jahrelange Röhre. CD Projekt RED sortiert seine Baustellen nach wirtschaftlicher Dringlichkeit – und das Erstlingswerk steht in dieser Nahrungskette ganz hinten an. Bis die Silberschwerter wieder geschwungen werden, fließt noch verdammt viel Wasser durch die Pontar.

Gaming / The Witcher / CD Projekt RED / Fool’s Theory / Unreal Engine 5 / The Witcher 4 / Songs of the Past
[pixelcritics.com] · 04.09.2026 · 11:30 Uhr
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