The Wardrobe – knochige Rätsel auf der Switch

Mit The Wardrobe flattert uns ein weiteres Adventure ins Haus. Wir haben erneut den Switch-Port bekommen, um dieses kleine Indie-Spielchen für euch zu testen. Entwickelt von C.I.N.I.C. Games wurde es zuerst auf Steam veröffentlicht, seit einiger Zeit können aber auch Nintendoanhänger*innen das Spiel genießen. An dieser Stelle können wir direkt schon mal sagen, dass eine Steuerung per Maus am PC besser geeignet ist. Aber das sollte bei diesem Genre und einem Port eigentlich niemanden überraschen. Trotzdem schauen wir uns in den folgenden Zeilen mal an, was The Wardrobe sonst noch so zu bieten hat.

Coming out of the Wardrobe

Die Geschichte ist schnell erzählt. Skinny und sein bester Freund picknicken im Park, bis Skinny auf ungemütliche Weise merkt, dass er eine Allergie gegen Pflaumen hat. Er stirbt nämlich kurzerhand. Aus unerklärlichen Gründen ist er einige Stunden später aber wieder quicklebendig… nur eben als Skelett und lebt im titelgebenden Kleiderschrank im Haus seines besten Freundes. Der weiß von diesem Zauber allerdings nichts. Skinny möchte ihn nicht zu Tode erschrecken und so vergehen viele Wochen. Doch ein ziemliches Problem steht plötzlich vor der Tür. Skinny muss seinem besten Freund noch vor Ende der Halloween-Nacht dazu bringen, seine Schuldgefühle abzulegen, sonst ist dieser für immer verflucht. Durch einen Umzug landet unser Held aber mit seinem Schränkchen auf dem Schrottplatz. Das Ziel ist also klar. Ihr müsst Skinny irgendwie mit Sack und Pack zur neuen Adresse seines besten Freundes bringen, um diesen vor dem bösen Fluch zu bewahren.

Erzählt wird euch die Geschichte dabei hauptsächlich über die frech geschriebenen Dialoge und einige kurze Zwischensequenzen erzählt. Dabei nimmt sich The Wardrobe zu keiner Zeit wirklich ernst. Fast jeder Dialog ist durchsetzt mit Gags, Referenzen und Beleidigungen, wobei einiges wirklich sehr düster wird oder unter die Gürtellinie geht. Sollte euch also derber Humor stören, werdet ihr sehr schnell eure Problemchen bekommen. Da helfen dann auch die wundervoll gezeichneten Abschnitte und Zwischensequenzen nicht. Alles strotzt vor Details und ist ein riesiger Blickfang. Wären die Animationen stellenweise etwas flüssiger und nicht so abgehackt, könnte es sich hier auch von der Zeichenqualität um einen waschechten, sehr hübschen Cartoon handeln. Doch leider sind gerade die Animationen während einiger Dialoge sehr reduziert gehalten und wirken damit eher wie ein schlechtes Daumenkino.

Show me your memes!

Wenn The Wardrobe allerdings eure Humorzellen trifft, dürftet ihr über diese technischen Mängel hinwegsehen können. Denn auch wenn die Animationen außerhalb der Zwischensequenzen zu wünschen übrig lassen, ist jeder Dialog und jeder Bildschirm mit so viel Liebe zum Detail vollgepackt, dass ihr hier lange Zeit allein damit verbringen werdet, euch umzusehen und jede Aussage der Charaktere hören wollt. Diese Überladung an Referenzen mag für die ein oder andere Person vielleicht übertrieben wirken und nur dem Selbstzweck dienen, ich hatte aber großen Spaß daran. Die Bandbreite ist nämlich so riesig, dass teilweise auch nur Experten in den jeweiligen Themen die Referenzen erkennen. So hängen in der Kanalisation die vier Bandanas der Turtles, eine Etage drüber liegt ein Plüschtier von Princess Rainicorn und an der Wand ist ein Wanted-Poster von Sanji aus der Strohhutbande. Selbst wenn ihr in ein Telefonbuch schaut, lohnt es sich, jeden einzelnen Namen zu lesen.

Wer sich mit Videospielen, Comics, Literatur und Filmen auskennt, wird hier überall etwas finden, dass ihn oder sie begeistert. Und das ist auch notwendig, um Freude aus dem Spiel zu ziehen. Die Geschichte an sich gibt nämlich nur zu Beginn das Ziel an und verschwindet dann komplett im Hintergrund. Keinerlei Infos, warum Skinny zum Skelett wird, keinerlei innerer Konflikt oder eine Auseinandersetzung mit seinem Freund. Zwar bewegt ihr euch durch mehrere Abschnitte einer Stadt, diese hat mit der eigentlichen Geschichte aber kaum etwas zu tun. Sie dient einfach zur Platzierung vieler Rätsel, um irgendwie euren Schrank zu transportieren.

Kopfnüsse zum Haare raufen

Dabei sind die Rätsel in The Wardrobe auch alles andere als leicht. Sehr schnell könnt ihr euch in vielen Abschnitten der Welt bewegen und findet Items ohne Ende wie auch Personen und Objekte zum interagieren. Zwar beruhen die Rätsel alle auf dem klassischen Prinzip, die Items in eurem Inventar mit der Umwelt oder mit sich selbst zu kombinieren, doch sind die Lösungen teilweise so aus dem Kontext gerissen oder abgedreht, dass hier ohne einen Walkthrough nur wildes Probieren hilft. Zwar geben euch manche Dialoge Hinweise zu Interaktionsmöglichkeiten, doch steht es völlig offen, warum das jetzt getan werden sollte. Das ist sehr schade, da so zwar die Spielzeit enorm gestreckt wird, das Spiel aber bei einem flüssigen Durchgang sehr klein wirkt.

Glücklicherweise gibt es hier endlich wieder eine Anzeige aller relevanten Hotspots. Bei dieser Masse an Details und Anspielungen pro Bildschirm wäre alles andere aber auch der reinste Horror gewesen. So wird euch das zwanghafte Ausprobieren wenigstens etwas erleichtert. Zur Motivation trägt es trotzdem nur bedingt bei. Denn auch durch ausprobieren ist manche Lösung einfach zu skurril. Ein Beispiel: Ihr benötigt Apfelkerne, um eine Piranha-Pflanze zu töten. Warum sie davon stirbt, weiß ich nicht. Ihr findet Äpfel im Spiel, aber keine Kerne. Nun müsst ihr ein Nummernschild mit Jahreszahl vor einen Topf legen und die Äpfel in diesen hinein. Daraufhin springt ihr in eine Zeitmaschine, reißt in das Jahr, das auf dem Nummernschild steht und entgegen jeder Logik hat das dazu geführt, dass der Topf auch in diesem Jahr dort steht, anstatt der Äpfel liegen allerdings die Samen im Topf. Das mag jetzt ein extremes Beispiel sein, aber mit solchen Kopfnüssen dürft ihr euch herumschlagen.

Fazit

The Wardrobe wirkt für Adventurefreunde und Nerds auf den ersten Blick sehr sympathisch. Ich war wirklich heiß darauf, dieses Spiel zu spielen. Meinen Spaß hatte ich auch, weil mir manche Elemente eben ausgesprochen gut gefallen haben. Das Artdesign der Welt ist einfach außerordentlich schön. Verdammt, ich konnte mich mit Frank, dem zeitreisenden Hasen aus Donnie Darko unterhalten. Wenn nur die Rätsel nicht so völlig abstrus und erschwert durch eine Masse an Möglichkeiten wären. Und da alles so fernab der eigentlichen Zielsetzung passiert, fällt es auch schwer, ein wirkliches Gefühl von Fortschritt zu entwickeln. Das demotiviert bei längeren Spielrunden. Solltet ihr aber auf genau solche Rätsel stehen oder keine Probleme damit haben, auch mal in eine Lösung zu schauen, dann wagt euch ruhig an The Wardrobe. Vielleicht sagt euch die gezeichnete Welt und der Humor ja genauso zu wie mir.

Gaming
[next-gamer.de] · 08.08.2018 · 13:00 Uhr
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