Anschlag auf das Stromnetz

Terror in Südbrandenburg? Polizei ermittelt nach Sabotage

02. September 2026, 13:17 Uhr · Quelle: dpa
Sprengvorrichtung an Umspannwerk gefunden
Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten auch am Tag nach der Tat das Gelände um die Hochspannungsleitungen.
Unbekannte greifen das Stromnetz in Brandenburg an. Die Polizei ermittelt und durchkämmt das Gebiet rund um die Stromleitungen auf der Suche nach Beweisen.

Potsdam/Turnow-Preilack (dpa) - Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg ermittelt die Polizei wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Zudem werde wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel ermittelt, teilte die Polizei mit.

«Derzeit sind Einsatzkräfte vor Ort, um den Bereich nach weiteren Beweismitteln abzusuchen», hieß es. Es komme dafür zu Sperrungen. Die Polizei durchkämmte in größeren Gruppen das Gelände und suchte den Boden Quadratmeter für Quadratmeter nach Spuren ab.

Bislang kein Bekennerschreiben aufgetaucht

Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack an der Grenze zu Sachsen, unweit des Kraftwerks Jänschwalde, die Stromversorgung zu stören. Wer hinter dem Angriff steckte, ist noch unklar. Nach Tatverdächtigen werde weiter gesucht – die Ermittlungen liefen in alle Richtungen. 

Die Tatausführung sei anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden, sagte Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) im Innenausschuss des Landtages. Bislang gebe es auch kein Bekennerschreiben. Ebenso wenig gebe es bisher aber einen Hinweis darauf, «dass eine ausländische Macht dahintersteht und mit geheimdienstlichen Mitteln agiert wurde».

Minister: «Haben verdammtes Glück gehabt»

Redmann geht nach eigenen Worten davon aus, «dass wir da verdammtes Glück gehabt haben». Nach jetzigem Stand habe nur einer von mehr als einem Dutzend «raketenähnlichen Gegenständen, die einen Treibsatz hatten», sein Ziel erreicht. Ein Geschoss habe es geschafft, ein Kabel in die Höchstspannungsleitung zu transportieren, um eine leitende Verbindung mit dem Erdboden herzustellen.

Es seien keine handelsüblichen Silvesterraketen gewesen, aber durchaus vergleichbar, sagte Redmann. Die Täter hätten die Geschosse direkt unter den Leitungen nahe dem Umspannwerk positioniert. Eine weitere Vorrichtung habe auch ausgelöst, aber vermutlich die Höchstspannungsleitung verfehlt. Am Tag der Tat hatten die Behörden von zwei Fällen gesprochen.

Laut Netzbetreiber 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen. So gab es durch die Sabotage keinen Stromausfall. Das betroffene Umspannwerk in Brandenburg zählt dem Innenminister zufolge zu einem der relevantesten in Deutschland. Es liege an einer der leistungsfähigsten Nord-Süd-Verbindungen. Wäre der Angriff wie beabsichtigt geglückt, «hätte das durchaus auch eine Beeinträchtigung der Netzstabilität zur Folge haben können».

Ein Block im Kraftwerk Jänschwalde hatte sich in Folge des Angriffs am Dienstag automatisch abgeschaltet, hieß es vom Energieunternehmen Leag. Vom Umspannwerk in Turnow-Preilack gelangt der im Kraftwerk erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz. Um 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch sei Block B wieder vollständig am Netz gewesen, sagte ein Leag-Sprecher. «Weitere Ausfälle oder Störungen gab es nicht.»

Täter waren wohl schon Tage zuvor vor Ort

Die Tat scheint mit Vorlauf geplant gewesen zu sein. «Wir müssen gegenwärtig davon ausgehen, dass die Täter schon mehrere Tage vorher dort vor Ort unterwegs waren und die entsprechenden Anlagen installiert haben», sagte Minister Redmann. Der Bau und die Installation der Vorrichtungen setze einiges «an technischem Know-how» voraus.

Er forderte einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur. «Wir sichern diese Bereiche nicht ausreichend, weil sie in einer Zeit errichtet wurden, in der es eine andere Bedrohungslage gab», sagte Redmann im ZDF-«Morgenmagazin». «Und wir müssen hier schnell nachrüsten.» Eine intelligente Videoüberwachung etwa hätte Bewegungen an den Hochspannungsmasten bemerken können. Klar sei aber auch: Man könne nicht neben jeden Mast einen Polizisten stellen.

Stunden nach dem Angriff in Brandenburg kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln, wo wegen verfassungsfeindlicher Sabotage ermittelt wird. Redmann sprach von Parallelen zwischen den Vorfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen: etwa der zeitliche Zusammenhang und dass auch Höchstspannungsleitungen betroffen waren. Zudem gebe es Fotos mit einem ähnlichen Lichtbogen in NRW, wie ihn auch ein Mitarbeiter von 50Hertz in Brandenburg beobachtet habe. «Das drängt sich auf, dass es da Ähnlichkeiten gab.»

Im Großraum Berlin gab es zuletzt mehrere Brandanschläge

In den vergangenen Monaten gab es mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit der Stromversorgung. Im Januar zündeten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Zu dem Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten «Vulkangruppen», die als Ziel den Kampf gegen Kapitalismus angaben.

Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt.

In dem Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße unweit der Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben des Energieunternehmens Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet. Ende 2028 sollen alle Kraftwerksblöcke endgültig stillgelegt werden.

Kriminalität / Energie / Brandenburg / Sachsen / Deutschland / Sabotage / Terrorismus
02.09.2026 · 13:17 Uhr
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