TeamViewer-Börsengang: Sollten sich Anleger am Milliarden-IPO beteiligen?

• Börsendebüt am 25. September
• Online-Tool mit Wachstumschancen
• Finanzinvestor macht Kasse

Der womöglich größte deutsche Tech-Börsengang seit dem Jahr 2000 trifft bei Investoren auf sehr großes Interesse. Schon rund 90 Minuten nach Beginn der Zeichnungsfrist waren die offerierten Anteilsscheine restlos überzeichnet. Dies erfolgte trotz eines umfassenden Angebots von bis zu 84 Millionen Anteilen und einer festgelegten Preisspanne zwischen 23,50 und 27,50 Euro. Dementsprechend ist es gut möglich, dass der Altaktionär Permira mit diesem Tech-IPO bis zu 2,31 Milliarden Euro einsammelt.

Milliarden-Deal für Beteiligungsgesellschaft Permira

Sofern die angebotenen Aktien alle am oberen Limit ihres Ausgabepreises platziert werden und je nachdem wie viel Mehrzuteilungsoptionen es außerdem noch geben wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Softwareunternehmen TeamViewer nach dem Börsendebüt mit insgesamt bis zu 5,5 Milliarden Euro bewertet wird. Ein unglaublicher Betrag, wenn man sich vor Augen hält, dass die britische Beteiligungsgesellschaft Permira den gesamten schwäbischen Konzern erst im Jahr 2014 für rund 870 Millionen Euro erworben hat.

Dementsprechend ist schon jetzt klar, wer sich auf jeden Fall über den milliardenschweren Börsengang von TeamViewer freuen kann, nämlich die Investoren der Londoner Private-Equity-Gesellschaft Permira. Ob sich durch den Börsengang auch für Privatanleger eine gute Investitionsmöglichkeit ergeben kann, müssen potenzielle Investoren aber genauer untersuchen.

Screen-Sharing für jedermann

Bevor Anleger über ein mögliches Engagement nachdenken, sollten sie sich das Geschäftsmodell des Unternehmens genau ansehen. TeamViewer bietet seinen Kunden eine spezielle Fernwartungssoftware, die es ermöglicht, den Bildschirminhalt eines PCs an einen oder mehrere andere Computer weiter zu übertragen. Dieses sogenannte Screen-Sharing kann unter anderem für Videokonferenzen, Dateitransfers oder die Fernwartung wie zum Beispiel die Bekämpfung von Computerviren genutzt werden.

Das TeamViewer-Programm wird dabei von allen großen Betriebssystemen für den PC sowie das Smartphone unterstützt. Dementsprechend können mit der App von TeamViewer auch Mobiltelefone ferngesteuert werden. Für die private und nichtkommerzielle Nutzung ist das Programm sogar als Freeware verfügbar und somit kostenfrei. Bei kommerzieller Nutzung muss der Anwender hingegen eine kostenpflichtige Lizenz erwerben, welche ihm dann die gesamte Funktionsvielfalt der Software bietet.

Chancen…

Seit dem Jahr 2018 hat der schwäbische Konzern die kommerzielle Nutzung der Software auf ein Abo-Modell umgestellt und seinen Fokus verstärkt auf Großkonzerne ausgerichtet, welche nun ausschließlich über ein Abonnement die Dienste des Programms in Anspruch nehmen können. Gegenwärtig wird die Software von TeamViewer auf insgesamt 340 Millionen Endgeräten genutzt, dabei zählen sogar schon rund 80 Prozent der größten US-Unternehmen aus dem Fortune 500 zum Kundenstamm der Schwaben.

Da es sich bei einem Software-Abo-Modell, wie TeamViewer es anbietet, um ein einfach skalierbares Geschäftsmodell handelt, ist es auch nicht verwunderlich, dass der Konzern aktuell Margen von bis zu über 50 Prozent einfährt. Eine derart hohe Profitabilität ist bei Börsenneulingen definitiv eine absolute Ausnahme.

… und Risiken im Blick

Aufgrund der starken Konkurrenz in der Branche ist jedoch längst nicht gewährleistet, dass diese hohe Profitabilität auch über die nächsten Geschäftsjahre aufrechterhalten werden kann. Denn mit Konzernen wie Okta, Slack und Zoom hat TeamViewer starke Konkurrenten, die ebenfalls ehrgeizige Expansionspläne verfolgen. Des Weiteren ist auch nicht ausgeschlossen, dass US-Tech-Giganten wie zum Beispiel Microsoft, Apple oder Alphabet eines Tages eine ähnliche gute Software auf den Markt bringen. In solch einem Fall würden die meisten TeamViewer-Kunden möglicherweise ihr Abonnement kündigen und zu ihrem Betriebssystemanbieter wechseln. Diese und weitere Risiken sollten Investoren vor einem Engagement gründlich unter die Lupe nehmen.

Management kalkuliert mit beachtlichen Wachstumsraten

Neben den Chancen und Risiken, welche mit einer Investition in die TeamViewer-Aktie einhergehen, ist auch die faire Bewertung des Unternehmens ein wesentlicher Punkt. Sollte es dem Management tatsächlich gelingen, eine jährliche Wachstumsrate von rund 35 Prozent über mehrere Geschäftsjahre abzuliefern, dürfte der Software-Konzern im Jahr 2023 schon einen Gewinn von insgesamt über 250 Millionen Euro erzielen. Dies würde einem Gewinn pro Aktie in Höhe von 1,25 Euro entsprechen. In Bezug auf einen möglichen Ausgabepreis von 27,50 Euro je Anteilsscheine hätte das Unternehmen im Jahr 2023 somit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von moderaten 22.

Wird TeamViewer zur IPO-Rakete?

Ob die TeamViewer-Aktie am Tag des Börsendebüts durch die Decke gehen wird oder nicht, hängt nicht zuletzt auch von der Verfassung und der Stimmung des Gesamtmarktes am 25. September ab. Doch schon jetzt stößt der Börsengang auf ein enormes Interesse am Finanzmarkt, daher ist es gut möglich, dass die Anteilsscheine des schwäbischen Softwarespezialisten für Furore sorgen werden.

Pierre Bonnet / finanzen.net

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 18.09.2019 · 17:34 Uhr
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