Studie: E-Scooter-Unfälle führen oft zu Kopfverletzungen

12. Januar 2020, 11:45 Uhr · Quelle: dpa

San Francisco (dpa) - E-Tretroller gelten als Sinnbild für neue urbane Mobilität. Doch Meldungen über steigende Unfallzahlen werfen Fragen nach den Risiken der leisen Flitzer auf.

Die Zahl der Verletzungen und Krankenhauseinweisungen nach Unfällen mit E-Scootern habe dramatisch zugenommen, berichten US-Mediziner im Fachblatt «Jama Surgery». Besonders besorgniserregend: Rund ein Drittel der Patienten erlitt ein Kopftrauma. Das sei eine doppelt so hohe Rate an Kopfverletzungen wie bei Fahrradfahrern in den USA.

Am häufigsten kam es der Analyse zufolge zu Brüchen (27 Prozent), Prellungen und Abschürfungen (23 Prozent) sowie Schnittwunden (14 Prozent). «Dabei gab es einen hohen Anteil an Menschen mit Kopfverletzungen, die sehr gefährlich sein können», hieß es. Christopher Spering von der Universitätsmedizin Göttingen nennt die Verletzungsmuster «alarmierend». Sie seien auch in Deutschland zu beobachten. «Sowohl bei den Rollerfahrern als auch anderen Unfallbeteiligten wie etwa Fußgängern kommt es oft zu Schädel-Hirn-Traumata sowie Verletzungen der oberen und unteren Extremitäten.»

Das liege auch an der Architektur der Fahrzeuge. «Was E-Scooter-Fahrer auszeichnet, ist, dass sie ein Fahrzeug mit einer in sich instabilen Konstruktion bedienen», erklärte Spering, Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Dazu gehörten die kleinen Räder und der kurze Lenker sowie die stehende Fahrweise auf einem schmalen Brett. «Ohne Blinker können Rollerfahrer keine Richtungswechsel anzeigen, fehlende Bremslichter bedeuten, dass man ihre Geschwindigkeitswechsel nicht sehen kann, und sie sind so leise, dass man sie kaum hört.» Zudem kämen die Nutzer als zusätzliche Akteure in eine Infrastruktur, die ohnehin schon damit überlastet sei, alle Teilnehmer sicher durch den Straßenverkehr zu leiten.

Jenseits des Atlantiks hatten Verleihfirmen großflächig Anfang 2018 begonnen, die Roller in amerikanischen Städten zu verteilen, in Deutschland wurden solche E-Scooter im Juni 2019 zugelassen. Sie dürfen hierzulande nicht auf Gehwegen und in Fußgängerzonen fahren, sondern nur auf Radwegen und Radfahrstreifen. Gibt es diese nicht, müssen die Roller auf die Straße. Ein Führerschein ist nicht nötig.

Für ihre Untersuchung werteten die Mediziner der Universität von Kalifornien Daten aus dem National Electronic Injury Surveillance System (Neiss) aus, in dem Notaufnahmen ausgewählter US-Krankenhäuser Verletzungen durch Gebrauchsgegenstände verzeichnen. Demnach stieg die Zahl der Verletzungen bei E-Scooter-Unfällen erwartungsgemäß mit der zunehmenden Nutzung dieser Roller stark: von 2014 bis 2018 um 222 Prozent auf mehr als 39.000. Die Zahl der Krankenhausaufnahmen nahm prozentual gesehen noch stärker um 365 Prozent auf 3300 zu.

Christopher Spering überrascht das Ergebnis nicht. Bei der Interpretation sei aber Vorsicht geboten: «Die Zahl der Scooterfahrer ist stark gestiegen, deswegen müsste man die Daten eigentlich mit den gefahrenen Kilometern korrelieren.» Unabhängig davon könne man aber auch für Deutschland feststellen, dass die Menge der Verletzungen zugenommen habe.

Zu wie vielen Unfälle es bisher in Deutschland mit E-Scootern kam, kann nicht eindeutig beantwortet werden: Das Statistische Bundesamt erfasst sie erst seit Anfang 2020 in einer eigenen Kategorie der Unfallstatistik. Allerdings haben die Bundesländer schon vorher gezählt. So vermeldete Bayern allein zwischen dem 27. Juni und 31. August vergangenen Jahres 38 Verkehrsunfälle mit E-Scooter-Beteiligung, Nordrhein-Westfalen 54 für einen ähnlichen Zeitraum und Berlin 74 für die ersten drei Monate nach der Einführung.

Wer besonders häufig mit einem E-Roller verunglücke, lasse sich für Deutschland ebenfalls noch nicht sagen, so Unfallchirurg Spering. Für die USA haben die Autoren der Studie Angaben: Prozentual gesehen schnellte demnach speziell die Zahl der Unfälle bei den 18- bis 34-Jährigen nach oben. «Wir sind sehr besorgt über die signifikante Zunahme von Verletzungen und Krankenhauseinweisungen, die wir vor allem 2018 dokumentiert haben, und insbesondere bei jungen Menschen, bei denen der Anteil der Krankenhauseinweisungen (in fünf Jahren) um 354 Prozent gestiegen ist», erklärte Hauptautor Benjamin Breyer vom Universitätsklinikum San Francisco.

Ein Problem sei auch, dass die neuen Verkehrsteilnehmer nicht mit unseren gewohnten Wahrnehmungsmustern übereinstimmten, erklärte Spering. «Deshalb brauchen wir infrastrukturelle Veränderungen in allen Städten und Kommunen, bevor wir E-Scooter in den Verkehr integrieren.» Unabhängig davon rate die DGOU allen Zweiradfahrern zum Tragen eines Helms - ebenso wie die Autoren der US-Studie.

«Es hat sich gezeigt, dass die Verwendung eines Helms mit einem geringeren Risiko für Kopfverletzungen verbunden ist», betonte Koautor Nikan Namiri von der UCSF School of Medicine. «Wir sind der festen Überzeugung, dass Helme getragen werden sollten, und die Hersteller von E-Scootern sollten die Verwendung von Helmen fördern, indem sie sie leichter zugänglich machen.» Frühere Analysen hätten gezeigt, dass nur zwei bis fünf Prozent aller verletzten Rollerfahrer einen Helm trugen.

Die US-Forscher betonen, dass ihre Studie vermutlich zu niedrige Zahlen enthalte: Fälle, bei denen die Art des Scooters nicht klar war, seien nicht mit einflossen. Zudem suchten nicht alle Fahrer nach einem Unfall die Notaufnahme auf.

Links zum Thema
Abstract der Studie
Gesundheit / Wissenschaft / Gesellschaft / Unfälle / Verkehr / E-Scooter / Unfälle / Kopfverletzungen / USA / Deutschland / International
12.01.2020 · 11:45 Uhr
[13 Kommentare]
Thailands Prinzessin Bajrakitiyabha gestorben
Bangkok (dpa) - Die thailändische Prinzessin Bajrakitiyabha ist tot. Sie sei am Donnerstagabend (Ortszeit) friedlich im King Chulalongkorn Memorial Hospital in Bangkok gestorben, teilte der Palast mit. Die 47-jährige älteste Tochter von König Maha Vajiralongkorn, in Thailand liebevoll Bha genannt, war im Dezember 2022 nach einem Zusammenbruch ins […] (00)
vor 35 Minuten
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo erlitt kurz vor ihrem Auftritt auf der Pyramid Stage beim Glastonbury Festival beinahe eine Panikattacke. Die 23-jährige Sängerin war 2025 Headlinerin des weltberühmten Festivals und lieferte eine herausragende Show – inklusive eines Gastauftritts von Robert Smith von The Cure –, die von den Fans begeistert aufgenommen wurde. […] (00)
vor 10 Stunden
SpaceX «Starship»
New York (dpa) - Elon Musks Weltraumfirma SpaceX schreibt Geschichte mit einem Rekord-Börsengang. Das unter anderem für seinen Satelliteninternet-Dienst Starlink bekannte Unternehmen verkaufte rund 555,6 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar - und nimmt damit 75 Milliarden Dollar (64,8 Mrd Euro) ein. Am Freitag kommt die Aktie in den Handel. […] (00)
vor 1 Stunde
OVER REQUIEMZ zeigt englisches Opening
Im Rahmen der IGN Live 2026 hat Aksys Games das englische Eröffnungsvideo zu OVER REQUIEMZ vorgestellt. Die gefeierte Dark-Fantasy-Otome-Visual-Novel erscheint am 20. August 2026 für Nintendo Switch und richtet sich an Fans romantischer Geschichten mit einer deutlich düsteren Note. Das neue Video bietet westlichen Spielern einen umfangreichen […] (00)
vor 5 Stunden
Prime Video datiert «The Love Hypothesis»
Die Bestseller-Verfilmung mit Lili Reinhart und Tom Bateman feiert Ende September ihre Premiere bei Prime Video. Prime Video hat erste Informationen aus der Romanverfilmung The Love Hypothesis veröffentlicht und zugleich den weltweiten Starttermin bekannt gegeben. Der Film, der auf dem gleichnamigen Bestseller von Ali Hazelwood basiert, wird ab dem 23. September 2026 beim Streamingdienst […] (00)
vor 3 Stunden
WM 2026 - Mexiko - Südafrika
Mexiko-Stadt (dpa) - Kein Fußball-Feuerwerk, dafür ein Rot-Festival mit drei Platzverweisen und der großen Erlösung: Mexiko hat seinen Auftaktfluch besiegt und einen perfekten Start in die Weltmeisterschaft hingelegt. Begleitet auch von Ausschreitungen vor dem legendären Aztekenstadion gewann der WM-Mitgastgeber in einer Neuauflage des Eröffnungsspiels […] (01)
vor 4 Stunden
Bundestag
Berlin (dpa) - Das heftig umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition bei den Gesundheitsausgaben startet ins parlamentarische Verfahren. Ministerin Nina Warken (CDU) bringt am Freitag ihren Entwurf in den Bundestag ein, der die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um mindestens 16,3 Milliarden Euro entlasten und damit höhere Zusatzbeiträge verhindern […] (00)
vor 1 Stunde
25 Millionen Euro für die Schulen
Vogelsbergkreis, 11.06.2026 (lifePR) - Eine beeindruckende Zahl: 25 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes fließen im Vogelsbergkreis in den Schulbau. „Diese Investitionen sind keine reinen Infrastrukturmaßnahmen – sie sind ein Fundament für die Zukunftsfähigkeit unserer Region. Denn wo zeitgemäße Bildungsräume entstehen, wird nicht nur die persönliche Entwicklung junger Menschen […] (00)
vor 10 Stunden
 
Bundespolizei - Symbolbild
Brüssel (dpa) - Schnellere Asylverfahren, mehr Solidarität zwischen den EU-Ländern […] (00)
Britische Flaggen vor dem Parlament
London (dpa) - Großbritannien hat einen neuen Verteidigungsminister. Dan Jarvis sei zum […] (00)
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und der Regierende […] (00)
Kino (Archiv)
Berlin - Politiker von Union und SPD fordern vom Bund eine stärkere Unterstützung der […] (01)
Bericht: iPhone-Produktion im 1. Quartal um 20 Prozent gestiegen
Laut einem aktuellen Bericht der Marktforscher von TrendForce legte die […] (00)
Halo Studios zeigt 28 Minuten Gameplay und die Kritiker fragen ob das noch Combat Evolved ist
Halo Studios hat nicht gekleckert. Statt eines weiteren kuratierten Zwei Minuten […] (00)
Trumps Iran-Deal-Poker: Warum die Atomgespräche 2026 immer noch festsitzen
Das Scheitern von Optimismus und Diplomatie Die Ankündigungen aus dem Weißen Haus […] (00)
Reese Witherspoon hat verraten, dass sie gerne einen weiteren 'Natürlich blond'-Film machen würde.
(BANG) - Reese Witherspoon hat verraten, dass sie gerne einen weiteren 'Natürlich […] (01)
 
 
Suchbegriff