Stromversorgung

Strom-Sabotage: Polizei stürmt Fahrzeug des Verdächtigen

04. September 2026, 20:24 Uhr · Quelle: dpa
Polizei stürmt Fahrzeug von Sabotage-Verdächtigem
Foto: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lastwagen soll vom Tatverdächtigen sein. Die Polizei fand ihn dort nicht.
Sabotageversuche gegen das deutsche Stromnetz sorgen für Aufsehen, es gibt Bekennerschreiben. Das Fahrzeug des Verfassers hat die Polizei gefunden - doch er selbst ist flüchtig.

Düsseldorf (dpa) - Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Nachdem Beamte in der Wohnung des 48-Jährigen in Gevelsberg (NRW) Sprengstoff gefunden hatten, stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) am Freitagnachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Das berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul in Düsseldorf. Der Mann war nicht in dem Fahrzeug, möglicherweise ist er zu Fuß unterwegs.

Der CDU-Politiker trat bei einer Pressekonferenz an der Seite von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, der von «Klimaterrorismus» sprach. Der Mann ist vermutlich ein Einzeltäter, sein Bekennerschreiben ist Ermittlern zufolge authentisch. «Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen», sagte Dobrindt. Als Ziele nannte der Autor etwa Dormagen und Weisweiler bei Aachen - also Orte unweit von Braunkohle-Abbaugebieten, sagte NRW-Amtskollege Reul. 

Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen im Visier

Die Briefe waren bei mehreren deutschen Medienhäusern eingegangen. Sie enthalten Medienberichten zufolge Informationen zu Taten, die zu diesem Zeitpunkt öffentlich noch nicht bekannt waren. «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen», hieß es in den Briefen.

Dem widersprach Innenminister Reul: «Fakt ist: Nicht die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, sondern kritische Infrastruktur anzugreifen ist ein Verbrechen.» Für die Taten gebe es keine Rechtfertigung. «Keine Ideologie taugt als Ausrede.» Wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern gefährde Leben. Zu möglichen Konsequenzen sagte Reul: «Wir müssen die kritische Infrastruktur besser schützen.» Dafür brauche man klare Rechte und moderne Technik, etwa Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.

Der Mann habe die Briefe allein unterschrieben und dabei sogar seine Wohnanschrift angegeben, was ungewöhnlich sei, sagte Reul und fügte hinzu: «Wenn man sieht, wo der überall rumgefahren ist, fragt man sich: Kann das einer alleine geschafft haben oder braucht er Helfer?»

Was passiert war

Es gab in dieser Woche mehrere Sabotageversuche mit Bezug zur Stromversorgung. Zuletzt sorgten Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen für Aufregung. So wurde an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ein verdächtiger Gegenstand entdeckt, laut Polizei möglicherweise eine Abschussvorrichtung. Ein Spaziergänger hatte die Konstruktion bemerkt und die Polizei alarmiert.

Die gefundenen Konstruktionen ähneln laut Polizei stark den Abschussvorrichtungen, mit denen Unbekannte in Bergheim Kabel über die Oberleitungen geschossen und so mehrere Kraftwerksblöcke lahmgelegt hatten. Auch bei Jänschwalde in Brandenburg hatte es zuvor schon einen Angriff auf das Stromnetz gegeben.

Am Kraftwerk Weisweiler bei Aachen und einem Umspannwerk in Eschweiler durchkämmte die Polizei am Freitag mit zahlreichen Kräften die Umgebung, weil der Ort in dem Bekennerschreiben genannt worden war. 

Beim Kraftwerk Weisweiler stellte die Polizei zahlreiche dünne Drähte sicher, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Die Beamten fokussierten sich auf mehrere Stellen auf einem Feld und in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe zu dem Kraftwerk und zu einem Umspannwerk in der Stadt Eschweiler. Die Bereiche wurden von Beamten mit Fotos dokumentiert. Offiziell machte die Polizei zunächst keine weiteren Angaben zu dem Einsatz.

Funde an mehreren Orten

Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte zunächst in Brandenburg in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet. Abends kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln.

In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden - in Brandenburg nach dpa-Informationen mehr als 20 Raketen. Ermittelt wird wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. In Sachsen wurden nach Hinweisen aus einem Bekennerschreiben «unbekannte Sprengvorrichtungen» entdeckt. «Die Polizeikräfte haben in dem noch laufenden Einsatz an zwei Fundorten vier Objekte gesichert und gehen jetzt die Entschärfung an», erklärte Innenminister Armin Schuster (CDU) auf dpa-Anfrage. In Niedersachsen sorgte in der Nacht zu Freitag ein offenstehender Schaltschrank bei einem Umspannwerk in Ganderkesee im Landkreis Oldenburg für Aufregung. Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang mit einer Straftat gibt.

Die Polizei bat die Bevölkerung um Unterstützung bei den laufenden Ermittlungen und schaltete ein Hinweisportal frei. Wem im Bereich von Umspannwerken Personen oder Fahrzeuge aufgefallen, der könne dies unter https://nrw.hinweisportal.de/ melden. Von besonderem Interesse sei Bild- und Videomaterial.

Energie / Kriminalität / Innere Sicherheit / Deutschland / Nordrhein-Westfalen / Brandenburg / Sabotage
04.09.2026 · 20:24 Uhr
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