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Sterben Company-Builder bald aus? Nein, sagt dieser Berliner Investor

Eckhardt Weber ist Managing Director bei Heartbeat Labs und auf die Geschäftsentwicklung in hochregulierten Märkten spezialisiert. Bis 2011 studiert Eckhardt Weber Jura an der LMU München und schließt seine juristische Ausbildung mit einem Master-Abschluss in Commercial Law ab. Nach verschiedenen Zwischenstationen wechselte er im Oktober 2014 zur HitFox-Gruppe und arbeitet an der strategischen Ausrichtung der Gruppe. Seit 2016 ist Eckhardt Weber Geschäftsführer von Finleap.

Mit Emil Beck von Startup Notes (Podcast mit Ratschlägen und einzigartigen Insights für angehende Gründer) sprach er über das kolportierte Ende der Company-Builder und unter anderem über
  • Rocket Internet und Project A haben sich vom Konzept "Startup-Fabrik" zurückgezogen: Warum glaubt Gründer und Investor Eckhardt Weber von Heartbeat Labs weiter daran?
  • Wie hat die FinTech-Plattform FinLeap, für die Weber vormals als MD tätig war, über 200 Millionen Euro für seine Unternehmen einsammeln können?
  • Warum ist Indonesien in Sachen Digital Health besser als Deutschland?
Sterben Company-Builder bald aus? Nein, sagt dieser Berliner Investor

Sterben Company-Builder bald aus? Nein, sagt dieser Berliner Investor
pixabay.com ©geralt (Creative Commons CC0)

Emil Beck: Vor Heartbeat Labs warst du Geschäftsführer von FinLeap, Europas führendem FinTech-Hub. FinLeaps Unternehmen haben über 200 Millionen Euro eingesammelt und beschäftigen heute mehr als 500 Mitarbeiter. Was war das Erfolgsrezept?  

Eckhardt Weber: Risikobereitschaft natürlich. Ich erinnere mich, als Jan [Beckers] sagte: "Wir werden eine Bank gründen". Die Leute aus der Finanzindustrie und außerhalb Berlins meinten damals: “Die sind verrückt.” Ich wurde dann gefragt: “Eckhardt, kannst du das bitte übernehmen?”, weil es anscheinend etwas ist, das Juristen tun und ich bin ja nun einmal Jurist. Dann haben wir uns an Leute gewendet, die uns helfen sollten und die haben uns gefragt: “Habt ihr das schon mal gemacht?”. Und die Antwort war natürlich: “Nein”. Aber wir hatten eine kühne Vision und ein mutiges Ziel, und dahinter haben wir das Team zusammenbringen können, das wir brauchten.

Der Zeitpunkt war auch ein wichtiger Erfolgsfaktor: In Deutschland ist das Timing sehr wichtig, weil es hier manchmal schwerer ist, Risikokapital einzusammeln. Bezüglich Fintech war 2014 ein guter Moment, um loszulegen: Die Finanzindustrie war gerade bereit dafür.

Und drittens ein erfolgreicher Managementwechsel von der ersten Generation von FinLeap Geschäftsführern zur nächsten mit Matthias [Lange] und Carolin [Gabor] und jetzt Michael [Hock]. Daher bin ich auch sehr zuversichtlich, dass Finleap weiter als Europas größte FinTech-Plattform voranschreiten wird.

(...)

Emil Beck: Rocket Internet hat sein Geschäftsmodell geändert, gründet weniger eigene Unternehmen und tritt stattdessen stärker als Investor auf. Project A macht es genauso. Es gibt nur noch wenige Company Builder in Europa. Und jetzt mit Heartbeat Labs startet ihr den dritten Company Builder der HitFox Group. Warum seid ihr so erpicht auf das Modell?

Eckhardt Weber: Das Modell funktioniert meiner Ansicht nach in Branchen, in denen viel tiefes Wissen notwendig ist. Und bei Finanzdienstleistungen und Gesundheit ist genau das der Fall: das sind sehr komplexe und sehr sehr schwierige Märkte. Und das ist auch, was uns von anderen Company Buildern unterscheidet: Unser Branchenfokus.
Ja, das Know-how und die Erfahrung von Gründern ist heute höher als noch vor zehn Jahren. Allein für die unternehmerische Expertise braucht es keinen Company Builder mehr. Aber wenn ich mir das Gesundheitswesen ansehe, und ich sehe es mir jeden Tag an und lerne jeden Tag dazu, dann glaube ich an unsere Plattform: Wir bauen Wissen auf und eine Marke, die unseren Gründungen und Investitionen hilft, erfolgreicher zu sein als andere etablierte Unternehmen. Company Building funktioniert, ich glaube fest daran.

(...)

Emil Beck: Wie bekommt ihr talentierte Gründer dazu, mit euch zusammenzuarbeiten, wenn ihre Beteiligungen an den Unternehmen geringer ist?

Eckhardt Weber: Das ist eine der Fragen, die wir immer wieder gestellt bekommen. Und ich erwarte auch von potentiellen Mitgründern, dass sie diese Frage stellen. Wir müssen erklären, was die konkreten Vorteile sind: Und die gehen zurück auf den branchenspezifischen Ansatz. Natürlich haben wir Ressourcen in HR, Recruiting, Marketing, Buchhaltung - so wie andere Company Builder auch. Aber wir haben dazu noch Ärzte, Pharma- und Rechtsexperten, die alle viele Jahre im Gesundheitssektor gearbeitet haben. Ich werde mich mit dem Mitgründer darüber unterhalten, dass er auf viele Schwierigkeiten stoßen wird, die wir ihm aus dem Weg räumen können, damit er schneller und in die richtige Richtung laufen kann.

Meine Ansicht ist auch, alle reden über die höhe der Beteiligung, aber jeder am Tisch sollte das Gefühl haben, dass es nicht nur die Karotte ist, hinter der er oder sie hinterherrennt. Das sollte niemals der einzige Grund sein, ein Unternehmen aufbauen zu wollen. Sondern Verantwortung zu übernehmen und mit unternehmerischer Freiheit agieren zu können.

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Emil Beck: Wenn Dich Gründer nach Risikokapital fragen, was möchtest du von ihnen wissen?

Eckhardt Weber: Wie sie in der Vergangenheit ihre Investoren ausgewählt haben. Aktuell gibt es in der Frühphase recht viel Risikokapital auf dem Markt, aber ich habe das Gefühl, dass junge, aufstrebende Gründer sich nicht fragen, woher das Geld kommt. Und warum die Leute überhaupt investieren möchten. Das ist aber sehr entscheidend: Wenn ich schon 20 Leute am Investorentisch sehe, frage ich mich, warum sitzen die da eigentlich? Ein Gründer sollte sicherstellen, dass Investoren seine Vision unterstützen, an ihn oder sie glauben, sie unterstützen, und nicht aus den falschen Gründen dabei sind.

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Emil Beck: Uwe Horstmann von Project A hat vor einiger Zeit gesagt, dass ‘Digital Health’ ein sehr interessanter Markt ist, aber gerade auch in Deutschland aufgrund der Regulierung extrem herausfordernd [Projekt A hat nur in nichtdeutsche Gesundheitsunternehmen investiert]. Was hältst du davon?

Eckhardt Weber: Ja, es ist ein sehr komplexer Markt. Wenn ich auf die Finleap-Zeit zurückschaue, dann sind Eintrittsbarrieren wie Regulierung zwar schwer zu überspringen, sobald du die aber überwindest, hast du dich im Markt abgesetzt. Ich sehe natürlich die Herausforderung. Und ich bin angetreten, um diese Herausforderungen anzugehen - wie man mit unserer ersten Firma Kinderheldin sehen kann, aber auch mit den anderen Geschäftsmodellen, an denen wir arbeiten und die wir hier in Deutschland etablieren werden. Daneben gucken wir auch in Richtung Schwellenländer. Dort überspringen die Gesundheitssysteme nicht selten Entwicklungsstufen. Indonesien oder die Philippinen hatten beispielsweise nie ein vergleichbares Gesundheitssystem mit Krankenhäusern und Ärzten. Sie gingen stattdessen quasi von null auf Telemedizin über. Finanzdienstleistungen in Afrika sind ein anderes Beispiel: Mobile Zahlungen kamen dort direkt nach Barzahlungen, weil es dort nicht überall ein dichtes Filialnetz gab. Und in Indien haben viele Menschen nie einen eigenen Computer oder Laptops gehabt sondern sind direkt auf Smartphones gegangen.

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Emil Beck: Du arbeitest schon ewig mit Hendrik Krawinkel und Jan Beckers zusammen [den beiden anderen Geschäftsführern von Heartbeat Labs], ihr gründet immer noch gemeinsam. Bei anderen Company Buildern wie Rocket Internet, gibt es auch starke Leute, aber die machen danach schnell ihr eigenes Ding...

Eckhardt Weber: Für mich persönlich gesprochen: Nach FinLeap habe ich mir die Vor- und Nachteile angesehen,  mein eigenes Ding zu machen oder mit HitFox als starke Marke und mit Jan und Hendrik weiterzuarbeiten. Ich habe gut überlegt, wie wir im Gesundheitswesen wirklich etwas bewirken können, und mir wurde klar: Gemeinsam sind wir einfach stärker. Wir vertrauen einander, kennen unseren Arbeitsstil und das half uns, zusammenzubleiben.
Vielleicht ist es auch die Art und Weise, wie Jan und Hendrik auf mich zukamen, wie sie mich überhaupt erst dazu brachten, einzusteigen. Als sie mich zum ersten mal fragten, ob ich mehr will, als an juristischen Dokumenten zu arbeiten, haben sie mich zum Tomorrowland Festival in Belgien eingeladen. Wir verbrachten dort ein paar Tage und sprachen über HitFox - in Katerstimmung versteht sich. Das ist natürlich auch ein sehr persönliches Ding: Ich kenne Jan seit zehn Jahren und Hendrik [Krawinkel] seit fünf.

(...)

Emil Beck: Wie bist du geworden, was du heute bist?

Eckhardt Weber: Ich bin examinierter Anwalt. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften ging ich zu einer Anwaltskanzlei in München mit dem Schwerpunkt Risikokapital. Dort habe ich auf beiden Seiten gearbeitet, für Unternehmen und für Investoren. Oft war ich mehr daran interessiert, woran die Unternehmen arbeiten als an dem Geschäft mit der Finanzierung. Einer der großen Mandate war die Hitfox-Gruppe, mit Jan Beckers im Cockpit. Er hat mich dazu bewogen, von der rechtlichen auf die unternehmerische Seite zu wechseln.
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[onlinemarktplatz.de] · 14.02.2018 · 08:05 Uhr
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