Steinhoff verklagt Ex-Chef: So viele Millionen will das Unternehmen nach dem Bilanzskandal zurück

Für den angeschlagenen Möbelkonzern Steinhoff ist nun offenbar die Zeit der Abrechnung gekommen: Das Unternehmen verklagt seinen Ex-Chef Markus Jooste und andere ehemalige Vorstandsmitglieder auf mehrere Millionen Euro.

Rückzahlung von Millionen verlangt

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll allein der vormalige Vorstandsvorsitzende Markus Jooste mehr als 850 Millionen Südafrikanische Rand, umgerechnet rund 53 Millionen Euro, an das Unternehmen zurückzahlen. Die Summe setze sich zusammen aus Gehältern, Boni und anderen Vergütungen, die der Ex-Chef seit dem Jahr 2009 erhalten habe.

Auch der damalige Finanzchef des Unternehmens, Ben la Grange, wird zur Kasse gebeten: Für Zahlungen, die er in den Jahren 2015 bis Anfang 2018 erhalten habe, fordert Steinhoff nun 271 Millionen Rand, umgerechnet 16,75 Millionen Euro, zurück. Hinzu kommen bei beiden ehemaligen Führungskräften Zinsen und Prozesskosten.

Bilanzfälschung im großen Stil

Die vom Unternehmen eingereichte Klage macht deutlich, wen man als Verantwortlichen für die finanziellen Schäden ausgemacht hat, die Steinhoff seit 2017 zu erleiden hatte. Festgestellte Unregelmäßigkeiten wuchsen sich zum ausgemachten Bilanzskandal aus, in dessen Mittelpunkt sich zeitnah Konzernlenker Markus Jooste sah, der umgehend von seinem Posten an der Konzernspitze zurücktrat.

Bereits im März 2018 hatte das Unternehmen Jooste und Ex-CFO la Grange als zwei von acht Verantwortlichen für die Krise des Konzerns ausgemacht. Dabei geht es um Scheingeschäfte, mit deren Hilfe die Steinhoff-Bilanz aufgebläht wurde. Im März hatte die Buchprüfungsgesellschaft PwC einen Bericht vorlegt, nach dem Personen der Führungsebene "jahrelang Transaktionen strukturiert und durchgeführt [haben], die im Ergebnis die Profitabilität und den Wert von Aktiva über einen langen Zeitraum deutlich übertrieben haben".

Auf Basis des Berichts der Wirtschaftsprüfer hatte der Steinhoff-Verwaltungsrat Klagen gegen die Verantwortlichen vorbehalten, die die Wirtschaftsprüfer von PwC aber nicht namentlich nannten.

Beschuldigte beschuldigen sich bei Steinhoff gegenseitig

Konkrete Namen wurden zwischenzeitlich aber von anderer Stelle genannt: So hat der derzeitige Steinhoff-Chef Louis du Preez den ehemaligen Konzernlenker Markus Jooste als Hauptverantwortlichen des Bilanzskandals ausgemacht. Auch den Finanzchef Ben la Grange und sechs weitere Topmanager nannte er konkret beim Namen. Die Beschuldigten selbst sehen sich hingegen zu Unrecht an den Pranger gestellt: Markus Jooste schob den Wirtschaftsprüfern von Deloitte die Schuld zu. Diese hätten kurz vor der Veröffentlichung der Bilanz für 2017 plötzlich eine weitere Untersuchung gefordert und das Testat für die Zahlen verweigert. Zum Zeitpunks seines Ausscheidens aus dem Unternehmen sei er sich "in den Büchern von Steinhoff keiner buchhalterischen Unregelmäßigkeit bewusst" gewesen und habe "nie über die Aktivitäten des Unternehmens gelogen", erklärte er im September 2018 im Rahmen der Anhörung vor dem südafrikanischen Parlament.

Belastet wird er unterdessen von Ben la Grange, der seinen ehemaligen Chef beschuldigte, Informationen nicht geteilt und Einfluss auf Transaktionen von Dritten genommen zu haben.

Steinhoff-Aktie kommt nicht aus dem Keller

Selbst wenn Steinhoff das Geld bei den ehemaligen Führungskräften eintreiben kann: Die Klage gegen Jooste und la Grange dürfte eher als Signal an die Anleger zu verstehen sein. Denn das SDAX-Unternehmen hat seinerseits selbst mit zahlreichen Anlegerklagen zu kämpfen und bemüht sich, den Bilanzskandal aufzuklären und hinter sich zu lassen. Doch bis dahin dürfte es noch eine Weile dauern, denn noch immer gibt es kein grünes Licht für den Restrukturierungsplan für das Europa-Geschäft. Ausgehandelte Fristen mit Gläubigern wurden zuletzt immer wieder verlängert.

Und die Zeit drängt, denn die Geschäfte liefen bei Steinhoff zuletzt alles andere als gut. Für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr wies der Konzern einen Fehlbetrag von 1,2 Milliarden Euro aus, nach einem Minus von fast 4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der Konzern schrieb Vermögenswerte bei seinen Töchtern im Wert von 940 Millionen Euro ab.

Die Dramatik lässt sich auch in der Aktienkursentwicklung ablesen: Die Steinhoff-Aktie ist zu einem Pennystock mutiert und notiert nahe ihres Allzeittiefstandes, der vor rund einem Jahr bei 0,071 Euro markiert wurde.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 27.06.2019 · 20:03 Uhr
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