Starlink: Von dem Satelliteninternet profitieren fast nur die Reichen – und das auch nicht überall

Elon Musks Projekt Starlink, das satellitengestütztes Internet in alle von Menschen besiedelte Gebiete bringen will, geht bald in den Regelbetrieb über. Doch es gibt Kritiker – und zwar nicht wenige. Unter anderem heißt es, Starlink sei weder wirklich global noch verhindere es Zensur.

Bild: SpaceX, Public Domain CC0

Drei Milliarden Menschen ohne ausreichenden Internetzugang

Mit zunächst 12000 und langfristig bis zu 42.000 Satelliten steigt der US-Konzern SpaceX im großen Stil in die Internetversorgung ein. Der Vorverkauf der Starterpakete läuft bereits, zahlende Kunden können damit dann noch dieses Jahr rund um die Uhr schnelles Internet aus dem All empfangen. Das geht mit der Verheißung vom Ende der Internetwüsten sowie digitaler Zensur einher. Ähnliche Vorhaben verfolgen Wettbewerber wie OneWeb oder Amazon.

Weltweit haben etwa drei Milliarden Menschen keinen Zugang zu schnellem Internet. Das ist fast die halbe Weltbevölkerung. Zwar gibt es bereits Lösungen für Internetzugänge über Satelliten, aber da sich diese in der Regel in einer hohen Umlaufbahn befinden, sind diese Verbindungen mit einer langsamen Übertragungsgeschwindigkeit und einem hohen Ping verbunden. Starlink dagegen verspricht Pings um die 20-40 Millisekunden und zumindest in der Theorie eine Bandbreite von bis zu 10 Gbit – also dem Zehnfachen von der Bandbreite, die Privatkunden in Deutschland zur Verfügung steht.

Elon Musk geht davon aus, dass etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung Dienste wie Spacelink nutzen werden. Einer der Gründe ist sicherlich die Konkurrenz in den Städten und Ballungsgebieten: Wo eine schnelle Verbindung über herkömmliche Verfahren möglich ist, werden die Menschen nicht zu Satelliteninternet greifen.

Starlink ist nichts für arme Menschen

Der Hauptgrund allerdings dürfte der Preis sein. Mit 99 US-Dollar pro Monat ist Spacelink kein Service, der schnelle Internetverbindungen für die arme Bevölkerungsschichten bereitstellt. Im Gegenteil: Menschen, die jetzt bereits über keine Internetverbindung verfügen, werden sich Starlink zum großen Teil nicht leisten können. Auch für Schulen oder ähnliche Institutionen in Entwicklungsländern dürfte das ein kaum zu bezahlender Preis sein.

Natürlich sind die Preise nicht in Stein gemeißelt. Im Gegenteil: Auch wenn Starlink momentan noch die meisten Satelliten im All hat, dürften Konkurrenten wie OneWeb oder Amazon mittelfristig aufschließen. Und mit steigendem Konkurrenzdruck werden auch die Preise fallen. Und in den Entwicklungsländern steigt die Kaufkraft ebenso, sodass mittelfristig sicher auch mehr Menschen das Geld für einen Starlink-Zugang übrig haben dürften, vor allem dann, wenn sie sich einen Zugang teilen.

Auch Satelliteninternet ist auf die Kooperation von Nationalstaaten angewiesen

Momentan kommt Starlink nicht ohne Bodenstationen aus. Der Aufbau dieser Stationen kommt in der westlichen Welt gut voran, in östlichen Flächenstaaten wie etwa China ist die Situation allerdings schwierig, was dann zwangsläufig dazu führen wird, dass die verfügbaren Datenraten in solchen Staaten begrenzt sein werden. Zwar möchte Starlink in Zukunft per Laser Daten zwischen den Satelliten austauschen und so die nötige Zahl von Bodenstationen reduzieren, aber das ersetzt sie zum einen nicht, zum anderen ist noch unklar, ob die Satelliten über Staaten wie Russland und China überhaupt funken dürfen.

Staatlicher Zensur ist mit Starlink ebenfalls nur schwer zu begegnen. Das Frequenzspektrum, das die Starlink-Satelliten nutzen, wird von dem jeweiligen Staat kontrolliert, der gerade überflogen wird. Letztlich obliegt es den Staaten, ob sie entsprechende Lizenzen erteilen oder nicht. Staaten, denen viel an Zensur liegt, allen voran China oder auch Nigeria, wo das Internet zuweilen komplett abgeschaltet wird, wenn sich die Regierung bedroht fühlt, dürften da wahrscheinlich nicht mitspielen. Menschen, die in Staaten leben, deren Interessen gegen ein freies Internet sprechen, dürften dieses auch durch Starlink nicht erhalten.

Starlink bringt Breitband dahin, wo es kein Breitband gibt

Bei aller Kritik (die Tatsache, dass die zahlreichen Satelliten, die für Dienste wie Starlink nötig sind, sowohl den verfügbaren Raum im Orbit belasten als auch die ungehinderte Sicht auf den Sternenhimmel erschweren, wurde hier noch gar nicht genannt), bietet schnelles Netz über Satelliten natürlich Vorteile. Diese kommen vor allem zahlungskräftigen Kunden in gering besiedelten Gebieten zugute, wo unter Umständen noch kein schnelles Glasfaserinternet verfügbar ist. Auch in Deutschland dürfte es abseits der Ballungszentren viele Menschen geben, für die ein Starlink-Zugang interessant wäre – kein Wunder, schließlich stecken wir in Sachen Breitbandausbau quasi noch in der digitalen Steinzeit.

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[trendsderzukunft.de] · 22.04.2021 · 20:02 Uhr
[2 Kommentare]
 

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