Trends der Zukunft

Sprit aus Müll - Kommt unser Benzin bald aus der Biotonne?

15. Februar 2012, 10:01 Uhr · Quelle: Trends der Zukunft

20 Millionen Tonnen Essen landen jedes Jahr in unserem Müll. Und einen beträchtlichen Anteil daran dürften auch Obst- und Gemüsereste haben. Auf dem Kompost setzen die Abfälle allenfalls übelriechende Dämpfe frei. Was aber, wenn wir die matschigen Tomaten, Bananen, Zitronen und Kohlköpfe in eine Vergärungsanlage geben, wo sie zu Biomethan umgewandelt werden? Dann könnten unsere Autos damit fahren, ohne den Vorrat der ohnehin knapper werdenden fossilen Rohstoffe weiter zu verringern und ohne die Umwelt zu verschmutzen.

Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Stuttgart hat genau das jetzt vor. In einer Pilotanlage soll künftig Kraftstoff aus Obst- und Gemüseabfällen hergestellt werden, die in Großmärkten, Mensen und Kantinen auf dem Müll landen. «Die Vergärungstechnologie ist schon längere Zeit bekannt und wird angewandt, zum Beispiel in Kläranlagen», sagt Ursula Schließmann, Abteilungsleiterin am IGB. Die Idee mit den Bioabfällen zur Treibstoffherstellung aber sei neu.

Fauliger Geruch? Fehlanzeige!

Ein Jahr lang haben die Forscher in der Pilotanlage in Stuttgart Gaisburg getestet, probiert und berechnet, in wenigen Wochen soll es nun richtig losgehen. Dann landen die ersten Matschbananen in der Presse, wo sie kleingehäckselt werden. In zwei weiteren Behältern werden die Abfälle gesammelt. Fauliger Geruch? Fehlanzeige! Die Vergärung findet unter Luftabschluss statt. Von dem, was sich innerhalb der Behältnisse abspielt, bekommen die Anwohner der umliegenden Wohnsiedlungen nichts mit.

Die Zutaten für den neuen Biosprit kommen vom Großmarkt nebenan. Nur so lohnt sich das Verfahren. «Denn was nutzt es, wenn man die Biomasse erst einmal über Hunderte Kilometer an einen Ort karren muss, um eine Anlage zu befüllen?», gibt Schließmann zu bedenken. Die Idee sei schließlich, energieeffizient zu wirtschaften. Was in der Anlage entsteht, wird alles verwertet, vom Biogas über das flüssige Filtrat bis hin zum nicht weiter vergärbaren, schlammartigen Rest. Aus dem Biogas entsteht das entscheidende Methan; Filtratwasser und Schlammreste gehen an andere Institute und Forschungseinrichtungen.

Magere Ausbeute für den Tank

Etwa 450 Kilogramm Biomüll schluckt die Anlage pro Tag. Daraus entstehen 25 Kubikmeter rohes Biogas, dem noch das Kohlendioxid entzogen werden muss, bevor es als Treibstoff verwendet werden kann. Nach einer Woche ist schließlich genügend Methan hergestellt, um einen Laster zu befüllen. Der kann damit 150 Kilometer fahren.

Keine sehr große Ausbeute, gibt auch Schließmann zu. Aber es handle sich ja auch nur um eine Pilotanlage, die lange nicht die Dimension habe wie eine endgültige Anlage. «Außerdem nehmen wir nur einen Bruchteil dessen, was der Großmarkt liefert, einfach um zu zeigen, dass es funktioniert», sagt sie.

Bis Mitte 2014 soll das Fraunhofer-Projekt laufen, das Bildungsministerium schießt sechs Millionen Euro Unterstützung zu. Erste Zahlen, wie wirtschaftlich die Anlage ist und ob sich eine Verbreitung in größerem Stil lohnt, soll es im Herbst geben. Die Daimler AG, die in Stuttgart quasi um die Ecke sitzt, stellt Testfahrzeuge zur Verfügung. Läuft alles gut, könnte es irgendwann in ganz Deutschland entsprechende Anlagen geben. Laut Schließmann lohnen sie sich vor allem in Großstädten wie München, Hamburg und Berlin oder in Ballungsgebieten wie dem Frankfurter Raum.

Kritik und Bedenken am Projekt

Werner Reh, Verkehrsreferent des Umweltverbandes BUND, steht dem Projekt eher kritisch gegenüber. «Anlagen wie diese verleiten zur Denke: Ist ja nicht so schlimm, wenn wir etwas wegwerfen, es wird ja umweltfreundliche Energie daraus gewonnen», sagt er. Das sei aber der falsche Ansatz. Vielmehr müssten Wege gefunden werden, weniger Müll zu produzieren, statt daraus Lösungen für den Autoverkehr zu basteln. Dass sich eine relevante Menge von Autos mit dem erzeugten Sprit betanken lässt, hält er für absolut unwahrscheinlich.

Ähnlich sieht das auch Christian Rumpke von der Deutschen Energie-Agentur: «Die Idee ist ein guter Ansatz, aber kein Thema, bei dem man sagt, dass künftig alle 14.500 Tankstellen in Deutschland damit beliefert werden.» Sprit aus Obst und Gemüse herzustellen, sei ein Anwendungs- und Prozesspfad unter vielen, aber er werde nicht die einzige Lösung sein, um den Energie- und Klimaherausforderungen im Verkehr begegnen zu können.

Rumpke sieht die größte Aufgabe ohnehin darin, das Thema Erdgasantrieb erst einmal in die Köpfe der Verbraucher zu bringen. Denn hierzulande sind bislang gerade mal 90.000 Fahrzeuge mit Erdgas unterwegs - von wohlgemerkt 50 Millionen Autos insgesamt. Länder wie Argentinien, Brasilien, China und auch Italien sind da schon weiter. In Argentinien etwa fahren 1,9 Millionen Erdgasautos, in Italien 730.000. Solange die Verbraucher in Deutschland also keine Erdgasautos kaufen, sei auch die Art der Herstellung vorerst nur zweitrangig.

[news.de] · 15.02.2012 · 10:01 Uhr
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