Spotify, Amazon Music & Co.: So viel verdienen Musiker mit Streamingdiensten

• "Prost @Spotify" - Künstler versuchen die Musikindustrie dazu zu überreden, besser zu bezahlen
• Nicht jeder ‚Klick‘ zählt als ‚Aufruf‘: Dienste bezahlen ‚Reinhören‘ nicht
• Auch Plattenfirmen tragen Schuld - und wir selbst

Schon Jahre dauert der Streit zwischen Musik-Streamingdiensten und Musikern an - beziehungsweise die Beschwerden Letzterer. Ein schönes Beispiel: 2015 postete James Blunt auf Twitter folgenden Satz: "Ich erhalte USD 00.0004499368 pro Stream. Das Bier geht auf mich! Prost @Spotify".

Musikerin veröffentlicht ihre Einnahmen durch Streamingdienste

Um zu veranschaulichen, wie unfair Musiker die Bezahlung durch Spotify empfinden, stellte Musikerin Zoë Keating ein Dokument online, in dem ihre Einnahmen durch Streamingdienste im Jahr 2017 aufgelistet sind. Die Cellistin ist zwar nicht weltbekannt, verzeichnete in dem Jahr aber dennoch mehrere Millionen Streams. Das Ergebnis: Bei ca. 4 Millionen Streams erreichte sie Einnahmen von nur etwas mehr als 80.000 US-Dollar. Bei Spotify erhielt sie knappe 0,38 Cent pro Stream, auf Platz eins stand Amazon Prime und Platz zwei wurde von Xbox Music belegt - allerdings sind diese Daten leider nicht ganz repräsentativ, da die Musikerin wie die meisten anderen durchschnittlich bekannten Künstler entweder über ihre Plattenfirma oder Vermittlungen wie RouteNote oder CDBaby entlohnt wurde.

YouTube schneidet noch schlechter ab als Spotify

Eine in dieser Hinsicht repräsentativere Statistik veröffentlichte Statista in Kooperation mit "The Trichordist": Diese Daten beruhen auf den Zahlen eines Independent Labels mit ca. 200 Alben und einer deutlich größeren Reichweite als Keating (mehr als 200 Millionen Streams 2017).

Unter zehn Streamingdiensten schnitt Xbox Music mit 2,7 Cent pro Stream am besten ab - der Dienst wurde aber Ende 2017 geschlossen und ist daher heute nicht mehr allzu relevant. Platz zwei belegte Rhapsody mit 1,6 Cent pro Stream, Amazon zahlte 0,7 Cent, Spotify, dem Independent Label zufolge, nur 0,3 Cent. Am schlechtesten unter den 10 ausgesuchten Diensten schnitt YouTube mit nur 0,07 Cent pro Aufruf ab.

Beim Beispiel des schwedischen Streamingdienstes Spotify kommt erschwerend hinzu: Ein Titel wird nur dann als aufgerufen betrachtet, wenn er mindestens 30 Sekunden lang gespielt wurde. Die marktführende Plattform bietet aber die Möglichkeit, unbegrenzt Titel zu überspringen oder ständig zwischen ihnen hin und her zu wechseln - und so werden oftmals nur beliebte, kurze Stellen eines Stückes abgespielt, wodurch die 30 Sekunden nicht zwangsläufig erreicht werden.

Abozahlungen fließen zu den Plattenfirmen

Ist es aber richtig, sich nur bei den Streamingdiensten zu beschweren? Recherchen des französischen Produzentenverbands Syndicat National de l’édition Phonographique (SNEP) ergaben, dass etwa 45 Prozent der Abo-Einnahmen bei Spotify an die Plattenfirmen gehen, knappe zehn Prozent den Komponisten und Songwritern zukommen und 7 Prozent für Musiker reserviert sind. Die übrigen Einnahmen durch Abonnementzahlungen gehen an den Streamingdienst selbst oder fließen in Steuerzahlungen. Die Zahlen beziehen sich natürlich auf Frankreich, differieren aber laut Stiftung Warentest kaum von der möglichen Verteilung in Deutschland.

Warum gehen so große Prozentteile an die Labels? Sind das veraltete Plattenverträge aus der Zeit von Schallplatten, Kassetten und CDs? Stiftung Warentest beschreibt die Sicht des Bundesverbands Musikindustrie, der diese Regelung für legitim hält: "Die großen Labels sind ja häufig genug auch die Risikokapitalgeber der Künstler und investieren erstmal Geld".

Letztlich wird deutlich: Künstler verdienen deutlich weniger über Streamingdienste als noch vor Jahren mit Schallplatten, Kassetten oder CDs. Und will man jemanden dafür in die Verantwortung ziehen, so können das nicht nur die Streamingdienste sein, sondern ebenfalls die Plattenfirmen, die den Künstlern nur geringe Teile der Zahlungen durch die Dienste abgeben. Außerdem verantwortlich dafür sind wir Konsumenten, die wir Gebrauch machen von den billigen oder gar kostenlosen Angeboten der Musikindustrie. Denn: Musik ist nicht umsonst, auch wenn es manchmal den Anschein erweckt.

Olga Rogler /

Ausland
[finanzen.net] · 22.05.2020 · 13:22 Uhr
[1 Kommentar]
 

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