Sino AG: 118 Euro Rekordkurs – und der eigentliche Wert liegt noch in Berlin

Rekordhoch und Dividendenrendite
Die Sino-Aktie hat am Mittwoch erstmals die Marke von 118 Euro überschritten. Damit liegt das Jahresplus bei 23 Prozent – und das in einem Umfeld, in dem deutsche Broker-Papiere sonst eher gemieden werden. Der Kursanstieg folgt einem FAZ-Artikel, der vor allem an die hohe Ausschüttung erinnerte. Der Vorschlag für das Geschäftsjahr 2025/26 liegt bei mindestens 14,80 Euro je Aktie.
Selbst auf dem neuen Rekordstand ergibt das eine Dividendenrendite von 12,5 Prozent. Für Anleger, die langfristig denken, ist das bereits ein starkes Argument. Die eigentliche Fantasie aber sitzt woanders.
Trade Republic als versteckter Multiplikator
Sino war 2017 der erste Investor und Gründungsfinanzierer von Trade Republic. Seitdem hat die Beteiligungsgesellschaft ihren Anteil auf 1,77 Prozent reduziert. Bei einem Marktwert von Sino von rund 250 Millionen Euro klingt das zunächst klein. Doch der Hebel bleibt gewaltig.
Ingo Hillen, Vorstand und Großaktionär, vergleicht Trade Republic mit Revolut. Die litauische Neobank wurde im Juli mit 115 Milliarden US-Dollar bewertet. Legt man Trade Republic nur 20 Milliarden Euro Wert bei, würde der rechnerische Sino-Kurs laut Hillen auf 180 Euro steigen. Das ist kein Versprechen, sondern eine einfache Rechenübung – und sie zeigt, wie asymmetrisch das Chance-Risiko-Verhältnis ist.
Was der Markt hier wirklich handelt
Der Kurs spiegelt nicht mehr primär das operative Broker-Geschäft von Sino. Er spiegelt eine Call-Option auf den Exit einer Beteiligung, die das Unternehmen längst weitgehend abgebaut hat. Der verbleibende Rest reicht aus, um den gesamten Marktwert von Sino zu erklären. Alles andere ist bereits ausgezahlt oder wird ausgezahlt.
Das ist der entscheidende Unterschied zu anderen Beteiligungsgeschichten. Hier hat der Gründungsinvestor bereits große Teile realisiert und gibt sie weiter. Der Rest ist Hebel, nicht Hoffnung.
Bewertung und Konsequenz
Wer die Aktie heute kauft, kauft im Kern eine 12,5-Prozent-Dividende plus die Chance auf eine weitere Verdoppelung, falls Trade Republic bei einer späteren Finanzierungsrunde oder einem Verkauf in die Nähe von Revolut-Bewertungen kommt. Der Einstiegspreis ist hoch, aber die Struktur ist sauber.
Der Markt hat das inzwischen verstanden. Die Frage ist nicht mehr, ob Sino noch wächst. Die Frage ist, zu welchem Preis Trade Republic eines Tages bewertet wird – und wie viel davon bei den verbliebenen 1,77 Prozent hängen bleibt.

