Signa Sports spielt sich über SPAC an die Wall Street

Das Berliner Unternehmen, das mehrheitlich der Unternehmensgruppe Signa des österreichischen Investors Rene Benko gehört, plant einen Börsengang durch eine sogenannte SPAC-Transaktion. Das teilte Signa Sports United am Freitag mit und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Bewertet wird das auf Radsport, Tennis, Teamsport sowie Outdoor-Bekleidung spezialisierte Unternehmen dabei mit 3,2 Milliarden Dollar. Ein SPAC ("Special Purpose Acquisition Company") ist eine bereits gelistete Unternehmenshülle, die mit einem nicht notierten Konzern fusioniert - bei SSU die US-Firma Yucaipa Acquisition.

Yucaipa bringt 345 Millionen Dollar an Eigenkapital in den SSU-Unternehmen ein, das Internet-Shops wie Fahrrad.de, Tennis Point, Campz oder Outfitter betreibt. Zusätzlich erhält SSU 300 Millionen Dollar aus einer Kapitalerhöhung von an der SPAC-Transaktion teilnehmenden Investoren. Einen Teil der Einnahmen nutzt SSU für den Kauf des britischen Fahrrad-Onlinehändlers Wiggle mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Dollar. Dessen Eigentümer, der Finanzinvestor Bridgepoint, wird im Zuge des Deals ebenfalls Anteilseigner von SSU.

Der Börsengang ermögliche es SSU, in Europa weiter Marktanteile zu erobern und seine internationale Expansion zu beschleunigen, erklärte SSU-Chef Stephan Zoll. Die Übernahme von Wiggle stärke den Konzern global vor allem im Fahrradgeschäft.

SSU IM FAHRRADGESCHÄFT WEIT VOR BÖRSENASPIRANT BIKE24

In diesem Bereich wird SSU mit der Wiggle-Übernahme etwa vier Mal so groß wie der Dresdner Online-Fahrradhändler Bike24, der derzeit auf das Frankfurter Parkett strebt. Der Online-Handel mit Sportartikeln, unter anderem mit Fahrrädern, ist in der Corona-Krise rasant gewachsen. Viele Verbraucher achteten während des Lockdowns verstärkt auf ihre Gesundheit, trieben deshalb mehr Sport und kauften mehr online ein. Der globale Markt für Sportartikel wird auf mehr als 1 Billion Dollar im Jahr geschätzt.

SSU wollte eigentlich bereits 2018 über einen klassischen Börsengang an den Kapitalmarkt, entschied sich dann aber für eine private Finanzierungsrunde. Seither sind der japanische Handelskonzern Aeon und die asiatische Central Group sowie die deutsche R+V Versicherungsgruppe beteiligt. Sie alle bleiben nach der SPAC-Transaktion Aktionäre von SSU. Rund 50 Prozent des Unternehmens werden Benkos Signa Holding gehören. Die Gruppe des Österreichers umfasst zahlreiche Immobilien sowie den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof.

SSU ist nach eigenen Angaben der weltweit größte reine Online-Sportartikelhändler und betreibt in 20 Ländern mehr als 100 Internet-Shops mit jährlich über sieben Millionen Online-Kunden. Inklusive der jüngsten Akquisitionen erwartet das Unternehmen für das im September zu Ende gehende Geschäftsjahr 2020/21 einen Betriebsgewinn von rund 70 Millionen Dollar und Umsätze von 1,6 Milliarden Dollar. Die Erlöse sollen in den kommenden fünf Jahren um mehr als 25 Prozent jährlich zulegen. Die Gewinnmarge soll sich langfristig auf 12 bis 15 Prozent verdreifachen.

SPACs sind vor allem in den USA beliebt. Dem Datenanbieter Refinitiv zufolge sammelten sie alleine in diesem Jahr bislang 300 Milliarden Dollar bei Investoren ein. Das einziges Ziel dieser SPACs ist es, ein operativ tätiges Unternehmen zu übernehmen und diesem dadurch zu einer Börsennotiz zu verhelfen. Da die Zeichner von SPAC-Anteilen zunächst nicht wissen, wer das Übernahmeziel sein wird, werden SPACs auch als "Blankoscheck-Firmen" bezeichnet.

Frankfurt (Reuters)

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[finanzen.net] · 11.06.2021 · 10:05 Uhr
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