Siemens-Aktie legt letztendlich zu: Siemens hebt zum dritten Mal Prognose an

Unerwartet starke Zahlen für das Frühjahrsquartal machen den Technologiekonzern noch optimistischer. Erwartet wird nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von 11 bis 12 Prozent (zuvor: 9 bis 11 Prozent) und ein Überschuss zwischen 6,1 und 6,4 (5,7 bis 6,2) Milliarden Euro inklusive aller Effekte im Zusammenhang mit der Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian.

Gegenüber dem coronabedingt schwachen Vorjahresquartal verzeichnete Siemens im dritten Quartal (per Ende Juni) zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz (vergleichbar plus 21 Prozent) und Auftragseingang (plus 44 Prozent).

Der bereinigte operative Gewinn (EBITA) kletterte um 500 Millionen auf 2,3 Milliarden Euro und übertraf damit die Analystenerwartung von 2,1 Milliarden Euro. Mit Ausnahme der Fabrikautomatisierung, die im Vorjahr von einem Sondereffekt profitiert hatte, trugen alle Geschäftsfelder zu dem Wachstum bei. In der Medizintechnik sorgten wie bereits bekannt Covid-19-Antigentests für eine Sonderkonjunktur. Der Nettogewinn stieg mit 1,48 Milliarden Euro auf fast das Dreifache des Vorjahreswertes.

"Im dritten Quartal haben wir erneut geliefert - mit starkem und profitablem Wachstum in allen Geschäftsbereichen", sagte Vorstandschef Roland Busch.

Siemens verstärkt Bahn-Sparte mit Kauf der Buchungsplattform Sqills

Siemens Mobility kauft den Anbieter einer Software-Plattform für Bahn-Buchungssysteme. Für 550 Millionen Euro erwirbt die Bahntechnik-Tochter des Münchner Technologieriesen das niederländische Unternehmen Sqills, wie es in einer Mitteilung von Siemens heißt. Daneben wurde eine erfolgsanhängige Kaufpreiskomponente vereinbart. Wesentliches Produkt von Sqills ist die skalierbare Plattform "S3 Passenger". Bahn- und Busunternehmen könnten mit ihrer Hilfe für eine bessere Auslastung und Verfügbarkeit ihrer Angebote sorgen.

33 Firmen in neun Ländern nutzen die cloudbasierte Software für Bestandsmanagement, Reservierung und Fahrkartenverkauf bereits, darunter die französische Staatsbahn SNCF, SJ aus Schweden, Irish Rail und der Schnellzugbetreiber Eurostar. S3 Passenger ergänzt die Flottenmanagementsoftware Hacon von Siemens. Sqills prognostiziert für 2022 einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Siemens erwartet, dass der Zukauf des Software-as-a-Service-Anbieters ab dem zweiten Jahr nach dem Abschluss, der bis Ende Dezember geplant ist, zum Ergebnis beiträgt.

Siemens arbeitet in einigen Bereichen mit Vollauslastung

Wegen der starken Nachfrage aus den Schlüsselmärkten arbeitet Siemens teilweise an der Kapazitätsgrenze. "In verschiedenen Bereichen sind unsere Fabriken inzwischen voll ausgelastet", sagte Siemens-Vorstandschef Roland Busch in einer Telefonpressekonferenz. Das führe zu längeren Lieferzeiten und einem höherer Auftragsbestand, vor allem im kurzzyklischen Geschäft mit der Automatisierung.

Ein Teil der starken Nachfrage aus der Industrie sei Folge eines Aufbaus von Lagerbeständen und Reserven, sagte Busch. "Damit federn sie anhaltende Risiken in ihren globalen Lieferketten ab." Auch für Siemens sei das ein Problem, etwa bei Halbleitern. Bislang seien die Folgen für das Geschäft des Münchner Konzerns aber "begrenzt" geblieben.

Zugleich zeige sich eine anhaltende Verteuerung von Rohstoffen, Bauteilen und Fracht - dies dürfte voraussichtlich auch im nächsten Geschäftsjahr anhalten. Die Folgen des Anstiegs seien durch langfristige Verträge, Absicherungsmaßnahmen und Preisanpassungen teilweise ausgeglichen worden.

Optimistischerer Ausblick verleiht Siemens-Aktie frischen Schwung

Starke Geschäftszahlen und ein abermals erhöhter Ausblick haben die zuletzt etwas erlahmte Rally der Siemens-Aktien wieder befeuert. Die Papiere des Technologiekonzerns waren im frühen Handel am Donnerstag um bis zu viereinhalb Prozent auf 144 Euro nach oben gesprungen und gingen damit auf Tuchfühlung zu ihrem im April erreichten Rekordhoch bei knapp 146 Euro.

Zuletzt notierten die Anteilsscheine von Siemens noch 2,60 Prozent im Plus bei 141,38 Euro. Damit waren sie der zweitbeste Wert im DAX hinter dem Darmstädter Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck. Der deutsche Leitindex legte derweil moderat zu.

Siemens hob nach einem Gewinnsprung im abgelaufenen Quartal erneut die Prognose für das Geschäftsjahr 2020/21 an. Es ist bereits die dritte Erhöhung in diesem Jahr.

Dabei profitierten die Münchener neben der anhaltenden Erholung der Wirtschaft auch vom Bestellverhalten ihrer Kunden: Diese bauen derzeit angesichts knapper Bauteile wie Halbleiter sowie langer Lieferzeiten ihre Lagerbestände auf. Zugute kam dem Konzern ferner das Geschäft mit intelligenter Infrastruktur sowie die robuste Entwicklung bei seiner Medizintechniktochter Siemens Healthineers. Diese hatte Ende vergangener Woche nach glänzenden Geschäften ihrerseits die Prognose für das Geschäftsjahr angehoben.

Insofern übertraf Siemens im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten. Der Experte Andreas Willi von der US-Bank JPMorgan etwa lobte das insgesamt starke Wachstum und die gute Barmittelentwicklung.

Analyst Simon Toennessen von der Investmentbank Jefferies schrieb, der Auftragseingang im Digitalgeschäft habe positiv überrascht. Der Ausblick auf das Gesamtjahr räume den Markterwartungen bis zu fünf Prozent Aufwärtspotenzial ein.

Derweil blicken die Siemens-Anleger auf eine ordentliche Kurserholung vom Corona-Tief im März letzten Jahres zurück. Nachdem die Papiere seinerzeit bei gut 53 Euro den tiefsten Stand seit 2009 erreicht hatten, ging es für sie in den folgenden Monaten wieder stark nach oben bis zum Rekordhoch im April diesen Jahres.

Auch die Kursentwicklung seit der Zeit, bevor die Corona-Krise an den Finanzmärkten so richtig eskalierte, kann sich sehen lassen. Am Tag vor Rosenmontag 2020 war die Aktie noch bei 95 Euro aus dem Handel gegangen, mittlerweile hat sie fast die Hälfte zugelegt. Der DAX kommt in diesem Zeitraum auf etwa 16 Prozent.

In den letzten Monaten aber ging den Siemens-Aktien etwas der Schwung aus. So fällt auf, dass die Papiere im Gegensatz zum Dax nach dem langen Osterwochenende nicht richtig in Fahrt gekommen sind. Während der deutsche Leitindex zu diesem Zeitpunkt mit dem erstmaligen Sprung über die Marke von 15 300 Punkten seine Rekordrally weiter eingeläutet hatte, ging es für die Papiere des Technologiekonzerns vom Bereich über 140 Euro aus abwärts auf knapp 125 Euro Mitte Juli. Erst in den letzten Tagen haben die Anteilsscheine wieder eine Aufholjagd begonnen, die an diesem Donnerstag nun fortgesetzt wurde.

Unter dem Strich hat sich nun das charttechnische Bild für die Siemens-Aktien deutlich aufgehellt. Dank des Kurssprungs an diesem Donnerstag notieren die Papiere jetzt komfortabel über viel beachteten Durchschnittslinien, die den kurz- beziehungsweise mittelfristigen Trend beschreiben. Die 200-Tage-Linie als Maßstab für die langfristige Entwicklung wurde bereits im Juni 2020 übersprungen und seitdem nur zweimal ernsthaft getestet.

FRANKFURT (Dow Jones / dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 05.08.2021 · 17:52 Uhr
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