Formel 1 in Monza

Schumacher und Tifosi: Hamilton streichelt Ferrari-Seele

04. September 2026, 09:13 Uhr · Quelle: dpa
Vor dem Großen Preis von Italien
Foto: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
Großer Auftritt: Lewis Hamilton vor dem Ferrari-Heimspiel.
Ferrari in Monza, das ist italienisches Kulturgut. Diesmal huldigt die Scuderia auch ihrer Legende Michael Schumacher. Lewis Hamilton will die großen Emotionen für sich nutzen.

Monza (dpa) - Seine Ankunft am Speedtempel von Monza zelebrierte Lewis Hamilton im ganz großen Stil. Im schwarzen Maßanzug kletterte der Formel-1-Rekordweltmeister aus einem liebevoll restaurierten Ferrari F40, ließ sich einen beigen Designermantel reichen und warf sich für die Fotografen in Pose. «Ich wollte auf diese Weise auftauchen, um diesem Sport Tribut zu zollen, aber auch, um diesen Moment festzuhalten, denn er wird nie wiederkommen», erklärte der Superstar der Scuderia.

Es ist das Spiel mit den überschäumenden Gefühlen der Tifosi, das Ferrari jedes Jahr aufs Neue rund um das Autodromo Nazionale inszeniert. In diesem Jahr soll der Grand Prix von Italien auch noch zu einer Huldigung des Motorsport-Heiligen Michael Schumacher werden. Vor 30 Jahren gelang dem Kerpener sein erster Monza-Sieg im Ferrari, vor 20 Jahren war er zum letzten Mal hier erfolgreich. Eine besondere Lackierung der Autos von Hamilton und Charles Leclerc soll an Schumachers ersten Ferrari erinnern.

Dazu tragen die beiden Piloten auf ihren Rennanzügen sieben Sterne als Hommage an die sieben WM-Titel von Schumacher. «Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich Michael immer in dem roten Auto gesehen habe. Und ich erinnere mich, wie ich Computerspiele gespielt und immer Michael in diesem Ferrari war und mir vorgestellt habe, wie es wäre, in seiner Haut zu stecken. Und ich habe das Privileg, diese Erfahrung jetzt selbst machen zu dürfen», schwärmte Hamilton vor dem Grand Prix am Sonntag (15.00 Uhr/Sky). 

«Ein unbeschreibliches Gefühl»

Das große Gefühlskino hatte schon am Mittwoch auf dem Domplatz von Mailand begonnen, als die Ferrari-Stars in ein Meer tausender Fans eintauchten. Später, oben auf dem Balkon des Königlichen Palastes, bat Hamilton sogar seine Mutter heraus, damit sie die Emotionen der Menge erleben konnte. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Ferrari-Fahrer zu sein», sagte der Brite.

Ferrari in Monza, das ist italienisches Kulturgut. Wie der Stand eines großen Nudelherstellers im Fahrerlager, wie die üppige Auslage von Büffelmozzarella gleich daneben. «Für die Italiener gibt es den Papst und Ferrari, soweit ich weiß, und Pasta und Pizza und die Familie», schilderte Hamilton seine Beobachtungen. 

Der 41-Jährige weiß, wie er die italienische Seele streichelt. Also erzählte er auch noch einmal von diesem über 30 Jahre alten Ferrari F40, den er nach langer Suche in einer Garage gefunden habe, bedeckt von Staub, mit toten Fliegen im Kühlergrill. «Der Besitzer hat ihn gekauft, ist 69 Kilometer von Maranello nach Hause gefahren, hat ihn geparkt und nie wieder gestartet. Die Beifahrertür war nie geöffnet worden», berichtete Hamilton. 

In der Ferrari-Fabrik brachten Mechaniker den Sportwagen wieder auf Vordermann, frisch lackiert fuhr Sir Lewis ihn zur Rennstrecke. «Das ist ein Traumauto für mich», betonte Hamilton, der im vergangenen Jahr seine komplette private Autosammlung verkauft hatte. 

Derart mit Emotionen aufgepumpt will der siebenmalige Champion nun auch den besonderen Glücksmoment erleben, als Sieger im Ferrari auf das Podium von Monza zu steigen. Dafür bekommt er wie auch Leclerc eine neue Motoren-Ausbaustufe in den Dienstwagen. «Jedes bisschen hilft. Ich glaube fest daran, dass wir alles haben, um zu gewinnen», sagte Hamilton.

Schumacher als ewiges Vorbild 

59 Punkte liegt er vor dem zwölften Saisonlauf hinter WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli, der diesmal mit den Ferrari-Fahrern um die Herzen der Italiener konkurriert. Doch der Mercedes-Pilot muss wegen eines unerlaubten Motorenwechsels vom Ende des Feldes starten. 

Gute Chancen also für den 21. Ferrari-Sieg beim Grand Prix von Italien. «Monza war für Ferrari schon immer ein besonderer Ort, und es besteht stets die Erwartung, dass das Team etwas Besonderes leisten kann, unabhängig davon, wie die Saison bis dahin verlaufen ist», sagte Firmen-Vizepräsident Piero Ferrari. 

Im Titel-Endspurt nimmt sich die Scuderia wie jetzt in Monza auch das PS-Idol Schumacher zum Vorbild. «Michael hat gezeigt, wie wichtig es ist, jedes Detail zu studieren, Daten als Werkzeug zur Verbesserung zu nutzen und sich mit größter Sorgfalt vorzubereiten, selbst abseits der Rennstrecke», lässt Piero Ferrari wissen. 

Ärger um verweigerte Teamorder

Diese unnachgiebige Arbeitsweise pflegt auch Hamilton, der seit seinem Wechsel zu Ferrari im Vorjahr eine Reihe von Veränderungen im Team und im Auto durchdrückte. «Letztes Jahr haben wir unser Bestes getan, aber wussten nicht wirklich, was unser Ziel ist. Jetzt haben wir einen Fixstern», sagte Hamilton. 

Da passt es ihm gar nicht, wenn sich wie zuletzt in Zandvoort Kollege Leclerc der Teamorder verweigert und wertvolle Sekunden und Punkte auf der Strecke bleiben. «Wir müssen uns darauf konzentrieren, unser Wochenende optimal zu nutzen und die Energie der Fans aufzusaugen, um uns hoffentlich an die Spitze zu bringen», sagte Hamilton.

Viel steht für ihn auf dem Spiel. Inmitten all der Schumacher-Verehrung könnte der Brite im Ferrari-Kernland dem ersehnten achten WM-Triumph ein gutes Stück näher kommen.

Motorsport / Formel 1 / Ferrari / Lewis Hamilton / Michael Schumacher / Monza / Italien GP
04.09.2026 · 09:13 Uhr
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