SAP-Aktie unter Druck: SAP enttäuscht mit ausbleibender Margensteigerung

Zwar wächst das Geschäft mit der Software zur Miete weiter kräftig und wurde sogar wie von Investoren ersehnt deutlich rentabler, doch aktuell drückt bei den Walldorfern woanders der Schuh. Abfindungen und höhere Kosten für aktienbasierte Vergütungen schmälerten den Gewinn, in Asien schwächelte der Lizenzverkauf.

Nach dem von Konzernchef Bill McDermott versprochenen Anstieg der operativen Marge über die kommenden Jahre enttäuschte die zuletzt insgesamt lediglich stabil gebliebene Profitabilität spürbar: Die in den vergangenen Monaten stark gelaufene Aktie rutschte nach Handelsbeginn um 10 Prozent ab, der Handel wurde sogar kurzzeitig unterbrochen.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern konnte SAP nicht so stark steigern wie erwartet, es kletterte um 11 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Die entsprechende Marge verharrte bei 27,3 Prozent. Dabei hatte SAP die Rentabilität im Cloudgeschäft weiter deutlich steigern können. Allerdings entwickelten sich die besonders profitablen Einmalgeschäfte mit Lizenzsoftware schwächer als von Experten geschätzt.

Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal vor allem dank des boomenden Cloudgeschäfts und des übernommenen US-Datenanbieters Qualtrics um 11 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Der Umsatz in der Cloud wuchs um 40 Prozent, allerdings verlangsamten sich die Auftragseingänge in der Sparte spürbar. Für SAP-Finanzchef Luka Mucic war das kein Zeichen von weniger Schwung, wie er dem Finanzsender Bloomberg TV sagte. Vielmehr verlagere sich mehr und mehr Geschäft auf Plattformen wie Ariba, Fieldglass und Concur. Hier stellt SAP nutzungsabhängige Gebühren in Rechnung, sie sind damit kein Bestandteil des Auftragseingangs.

Die profitablere Lizenzsoftware schnitt im zweiten Quartal schwächer ab als gedacht. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China bremste das Asiengeschäft. McDermott rechnet aber damit, dass die verschobenen Projekte der SAP-Kunden noch realisiert werden.

Der Gewinn sackte im zweiten Quartal um fast ein Fünftel auf 582 Millionen Euro ab. Das laufende Abfindungsprogramm wird für den Konzern kostspieliger, unter anderem weil sich in Deutschland mehr Mitarbeiter für das Vorruhestandsprogramm entschieden als erwartet. SAP legte noch einmal knapp 200 Millionen Euro dafür beiseite, damit summieren sich die Kosten in diesem Jahr auf knapp 1,1 Milliarden Euro.

Im Januar hatte der Konzern die erste größere Umbaurunde nach 2015 angestoßen, bis zu 4400 Mitarbeiter sollen in andere Funktionen wechseln oder auch mittels Abfindungen die Firma verlassen. Zuletzt beschäftigte SAP weltweit 98 300 Mitarbeiter. Zum Jahresende sollen es aber trotz der Abfindungen mehr sein. Denn gleichzeitig wird in anderen Bereichen eingestellt. Auf diese Weise will die Firma mit den Veränderungen in der Technologiebranche mithalten.

Neben dem Abfindungsprogramm schlug auch die aktienbasierte Vergütung in den Monaten von April bis Juni mit fast 600 Millionen Euro stärker zu Buche, weil sich der Kurs der SAP-Aktie so gut entwickelt hat. Statt bis zu 1,55 Milliarden Euro rechnet SAP für das Gesamtjahr hier jetzt mit Kosten von bis zu 1,9 Milliarden Euro.

An seinen Zielen für das Gesamtzahl rüttelte der SAP-Vorstand wegen der aktuellen Schwierigkeiten nicht. McDermott hatte mit den Zahlen zum ersten Quartal eine positive Entwicklung bei der Profitabilität versprochen. Mit dem Schwenk zur Cloudsoftware aus dem Internet war sie mehrere Jahre in Folge gesunken. SAP hat seine Kernsoftware zur Unternehmenssteuerung inzwischen in die Cloud gehievt und verzeichnet auch hier mehr Kundschaft. Künftig soll eine Kooperation mit dem Chiphersteller Intel das noch beschleunigen.

McDermott muss nach seiner Ansage zur Marge nun unter Beweis stellen, dass sich die milliardenschweren Zukäufe der vergangenen Jahre auszahlen und das Cloudgeschäft die versprochenen Gewinne auch einfahren kann. Für den Vetriebsspezialisten Callidus hat SAP vergangenes Jahr 2,4 Milliarden US-Dollar ausgegeben, für Qualtrics rund 8 Milliarden Dollar. Der Konzern wildert damit immer stärker im Revier des US-Rivalen Salesforce, der auf Software für Vertrieb und Kundenkontakt spezialisiert ist. Größere Zukäufe sind bei SAP vorerst tabu: Schulden sollen abgebaut werden, auch Aktienrückkäufe sind geplant. Details dazu werden aber erst im November bekannt geben.

So reagiert die SAP-Aktie

Enttäuschende Quartalszahlen haben die SAP-Aktie am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Auch die Technologiebranche und der Gesamtmarkt wurden vom Kursrutsch des Softwareriesen in Mitleidenschaft gezogen. Analysten sehen zwar keine dramatischen Abweichungen von den Markterwartungen und verweisen auf die bestätigten Unternehmensziele. Doch angesichts der hohen Bewertung dürfte die Kursreaktion entsprechend negativ ausfallen, hatte Analyst Mohammed Moawalla von der US-Investmentbank Goldman Sachs bereits vor Handelsbeginn prophezeit.

Damit sollte der Experte recht behalten: Direkt nach dem Startschuss an der Frankfurter Börse sackte die Aktie um knapp zehn Prozent auf 108,10 Euro ab. Damit beschleunigte sie ihren jüngsten Abwärtstrend und markierte den niedrigsten Stand seit fast drei Monaten. Anfang Juli hatte die Aktie mit 125 Euro noch ein Rekordhoch erreicht. Bis zum Handelsende konnte das Papier bei 113,32 Euro den Kursverlust auf 5,61 Prozent eindämmen. Damit blieb es abgeschlagenes Schlusslicht im DAX.

Da SAP mit knapp 139 Milliarden Euro die höchste Marktkapitalisierung im DAX auf die Waage bringt, zog der Kursrutsch auch den deutschen Leitindex mit nach unten: Der büßte zuletzt 0,88 Prozent ein. Die Aktie des Branchenkollegen Software AG gab im Index der mittelgroßen Unternehmen MDAX um fast zwei Prozent auf 28,90 Euro nach - mit 28,57 Euro kostete sie zeitweise so wenig wie zuletzt vor über drei Jahren. Auch der Technologiesektor insgesamt geriet unter Druck: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 rutschte mit einem Minus von knapp zwei Prozent ans Ende der Branchenübersicht.

Europas größter Softwarehersteller habe im zweiten Quartal insgesamt die Erwartungen ein wenig verfehlt, weshalb die Konsensschätzungen etwas sinken könnten, schrieb Goldman-Experte Moawalla. Doch das Geschäft mit der Software zur Miete habe trotz der etwas schwächer als prognostizierten Entwicklung eine robuste Dynamik gezeigt. Derweil hätten die operativen Margen positiv überrascht. Hinzu kämen die bestätigten kurz- und mittelfristigen Ziele. Für Moawalla gibt es deshalb keinen Grund, an seiner These eines langfristigen Wachstums zu zweifeln.

Auch andere Analysten sehen die aktuellen Quartalsresultate nur knapp unter den Konsensschätzungen. Zum Jahresauftakt habe SAP noch positiv überrascht und anschließend aggressivere mittelfristige Margenziele ausgegeben, betonte Stacy Pollard von der US-Bank JPMorgan. Entsprechend enttäuscht seien nun die Investoren, die für das zweite Quartal eine höhere Geschäftsdynamik erwartet hätten. Nach dem herausragenden ersten Quartal habe der Schwung etwas nachgelassen, konstatierte Knut Woller von der Baader Bank. Er sieht SAP auf einem guten Weg, die bestätigten Jahresziele zu erreichen.

Woller spricht ebenso wie seine US-Kollegen weiterhin eine Kaufempfehlung für die Aktie aus. Die Kursziele der drei Experten liegen mit 125 bis 135 Euro nicht nur über dem zuletzt gesunkenen Bewertungsniveau, sondern implizieren auch neue Rekordstände.

Wer zu Jahresbeginn bei SAP eingestiegen ist, kann ohnehin nicht klagen: Trotz der aktuell deutlichen Verluste steht immer noch ein Plus von mehr als 29 Prozent zu Buche. Im DAX kann nur der Sportartikelhersteller adidas für diesen Zeitraum eine deutlich bessere Kursperformace vorweisen. Mit Linde liefert sich SAP ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz, wobei der Gasekonzern derzeit die Nase knapp vorn hat.

/men/ang/zb/fba

WALLDORF (dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 18.07.2019 · 19:36 Uhr
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