SAP-Aktie im Minus: SAP schafft Margenüberraschung - Prognose 2020 erhöht

Die Prognose für 2020 hat der Softwarekonzern angehoben, jene für 2023 bestätigt. Angesichts der guten Entwicklung können sich die Aktionäre auf eine - noch nicht bezifferte - Dividenenerhöhung einstellen. Bestätigt wurden die Pläne für eine Sonderdividende und/oder Aktienrückkäufe über 1,5 Milliarden Euro im Jahresverlauf.

SAP steigerte das Betriebsergebnis deutlicher als den Umsatz, so dass die viel beachtete operative Marge 2019 auf 29,7 Prozent zulegte. Analysten hatten 29,6 Prozent prognostiziert. Für 2020 geht Finanzvorstand Luka Mucic auf Basis der Mittelwerte der Prognose von einer Margensteigerung um 120 Basispunkte nach 70 im vergangenen Jahr aus.

Zum starken Jahresergebnis trug einmal mehr ein starkes viertes Quartal bei, in dem die Marge 35,3 Prozent erreichte nach 34,2 Prozent im Vorjahr und erwarteten 35,0 Prozent.

Erneut kräftig war das Wachstum im Cloudgeschäft, wenngleich die Schätzungen von Analysten nicht ganz erfüllt wurden. Die Erlöse legten im Quartal um 35 Prozent und im Gesamtjahr um 40 Prozent zu.

Im traditionellen Lizenzgeschäft sanken die Einnahmen in den letzten drei Monaten des Jahres weniger als erwartet um 4 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro, im Gesamtjahr nur um 2 Prozent, während das Supportgeschäft 4 bzw 5 Prozent höhere Erlöse erbrachte.

Insgesamt verbesserte sich der Quartalsumsatz um 8 Prozent auf 8,051 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 12 Prozent auf 2,843 Milliarden. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 2,192 Milliarden bzw 1,82 Euro je Aktie.

Damit wurden die Erwartungen der Analysten für das Quartal übertroffen. Sie hatten im Konsens einen Gesamtumsatz von rund 8,1 Milliarden, einen operativen Gewinn von 2,833 und netto 2,038 Milliarden bzw 1,70 Euro je Aktie geschätzt.

Alle Angaben sind auf Non-IFRS-Basis.

Auch im vollen Geschäftsjahr lag SAP über den Erwartungen der Analysten und den eigenen Zielen beim Gewinn. Das operative Ergebnis erreichte 8,211 (SAP-Prognose: 7,85 bis 8,05) Milliarden Euro, der Cloudumsatz 7,014 (6,7 bis 7,0) Milliarden Euro. Am Markt war mit 8,2 bzw 7,048 Milliarden Euro gerechnet worden. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 6,154 Milliarden bzw 5,11 Euro je Aktie.

Der Gewinn nach IFRS-Rechnungslegung war belastet durch die Restrukturierung, die im Gesamtjahr mit 1,128 Milliarden Euro zu Buche schlug. SAP wollte Mitarbeiter aus weniger wachstumsstarken Geschäftsfeldern zum Abschied bewegen, um verstärkt in Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Blockchain und Internet der Dinge investieren zu können.

Die Ziele für 2020 hat SAP durchgängig angehoben: Beim operativen Ergebnis werden nunmehr 8,9 bis 9,3 (bisher: 8,8 bis 9,1) Milliarden Euro angepeilt, für den Cloudumsatz 8,7 bis 9,0 (8,6 bis 9,1) Milliarden und beim Gesamtumsatz auf 29,2 bis 29,7 (28,6 bis 29,2) Milliarden.

Die mittelfristigen Erwartungen für 2023 bestätigte SAP.

Co-Konzernchef Klein sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe eine erfolgreiche Transformation vom traditionellen Geschäft mit Softwarelizenzen hin zum Cloudgeschäft geschafft. "Es ist überhaupt nicht einfach, eine Firma mal eben von links nach rechts zu ziehen und in die Cloudwelt zu bringen, wenn die Firma eigentlich sehr erfolgreich mit dem Verkauf von On-Premise-Softwarelösungen ist." Dabei handelt es sich um beim Kunden fest installierte Software.

Weitere Baustelle: Die Verzahnung der etlichen SAP-Anwendungen muss vorankommen. Der bis Oktober amtierende Ex-Konzernchef Bill McDermott hatte mehrere milliardenschwere Übernahmen vor allem für die Cloudsparte durchgezogen, von Seiten der Kunden kam aber zuletzt immer stärker Kritik. So hatte die einflussreiche deutschsprachige Anwendergruppe DSAG im September bei ihrem Jahreskongress die Lücken in der Software und schlechte Integration der Programme kritisiert.

Klein sagte, Ziel sei es, "die gesamte Ausrichtung von SAP zu vereinfachen". Die Verzahnung der Cloud-Angebote mit dem SAP-Kernprodukt S4 Hana solle bereits 2020 abgeschlossen werden. "Alle unsere Führungskräfte müssen verstehen, dass wir unsere Produkte künftig als Dienstleistung liefern wollen - das gilt ganz besonders für das Cloudgeschäft. Unser Businessmodell hört nicht mehr mit dem Verkauf der Produkte auf", sagte Klein. "Wir müssen mit den Kunden auf die letzte Meile gehen."

Das soll auch den Mitarbeitern deutlich gemacht werden - mit barem Geld. "Fast alle unsere Mitarbeiter werden bald in ihren Bonusplänen ein Ziel vorfinden, das besagt: Akzeptanz bei Kunden vorantreiben. Wir werden dann messen, wie das im Einzelnen klappt", sagte Klein. Morgan - die erste Vorstandsvorsitzende in einem DAX-Konzern überhaupt - fügte an, die Kundenbindung sei von größter Bedeutung: "Sie müssen Ihre Kunden in Tagen und Wochen überzeugen und halten, nicht in Jahren und Jahrzehnten."

Angesichts der sich ändernden Geschäftsschwerpunkte hatte SAP Anfang vergangenen Jahres den ersten größeren Personalumbau seit Jahren angestoßen, bis zu 4400 Mitarbeiter sollten entweder auf eine neue Position wechseln oder das Unternehmen mittels Abfindungen verlassen. Bisher hätten 4000 Mitarbeiter ein solches Angebot angenommen, 3000 hätten den Konzern bereits verlassen, sagte Finanzchef Luka Mucic, davon 1400 in Deutschland. In diesem Jahr rechnet er nicht mit wesentlichen weiteren Umbauprogrammen. Bei der Mitarbeiterzahl hat SAP dennoch weiter zugelegt, Ende des Jahres lag sie erstmals bei über 100 000 - fast 4000 mehr als ein Jahr zuvor.

So reagiert die SAP-Aktie: Cloud-Entwicklung verstimmt die SAP-Anleger

Ein erhöhter Ausblick hat am Dienstag die Anleger von SAP auf dem zuletzt erreichten Rekordniveau nicht mehr weiter erfreuen können. Die am Markt kritisch hinterfragte Entwicklung im Cloud-Geschäft sorgte dafür, dass die Aktien im Tagestief am DAX-Ende bis auf 117,28 Euro fielen und damit an die Gewinnmitnahmen vom Vortag anknüpften. Zum BÖrsenschluss notierte das SAP-Papier noch immer 2,62 Prozent tiefer bei 119,84 Euro.

Die Walldorfer haben sich für das gerade begonnene Jahr ein etwas stärkeres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis vorgenommen. Händler betonten aber schnell, dass ein moderat höherer Ausblick nicht unerwartet komme. Kritik gab es an der Entwicklung bei den wichtigen Cloud-Lösungen. Laut dem Experten Chandramouli Sriraman vom Analysehaus Mainfirst ist hier das Wachstum um 2 Prozent hinter den Erwartungen zurück geblieben.

Auch der Experte Julian Serafini von dem Analysehaus Jefferies äußerte sich enttäuscht zu den Cloud-Umsätzen, die als Wachstumstreiber für SAP gelten. Er sprach davon, dass hier die Messlatte für das währungsbereinigte Wachstum in diesem Jahr nun niedriger angesetzt werde als zuletzt. Ein geringerer Anteil der profitableren Cloud-Umsätze bremse wohl auch das operative Ergebniswachstum 2020, schrieb der Fachmann.

In Anbetracht einer im historischen Vergleich bereits ambitionierten Bewertung empfand Analyst Knut Woller von der Baader Bank es auch als eher unwahrscheinlich, dass ein im Erwartungsrahmen angehobener Ausblick zum positiven Kurstreiber wird. Beim bereinigten operativen Ergebnis strebt SAP in diesem Jahr einen Wert zwischen 8,9 und 9,3 Milliarden Euro an, was am oberen Ende der Prognosespanne 200 Millionen Euro mehr als bisher veranschlagt.

Für die operative Entwicklung im vergangenen Jahr gab es derweil allgemeines Lob. Laut Woller haben "die Walldorfer ihre Versprechen gehalten". 2019 hat der Konzern im Tagesgeschäft deutlich profitabler abgeschnitten, aber viel Geld für einen Stellenabbau ausgegeben.

Goldman belässt SAP auf 'Conviction Buy List'

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Aktien der SAP nach Zahlen mit einem Kursziel von 175 Euro auf der "Conviction Buy List" belassen. Die starke Profitabilitätssteigerung der Walldorfer werde vom durchwachsenen Cloudwachstum überschattet, schrieb Analyst Mohammed Moawalla in einer ersten Reaktion am Dienstag. Er sieht Kursrückschläge als Kaufchance./ag/ajx

Veröffentlichung der Original-Studie: 28.01.2020 / 08:01 / GMT

Erstmalige Weitergabe der Original-Studie: Datum in Studie nicht angegeben / Uhrzeit in Studie nicht angegeben / Zeitzone in Studie nicht angegeben

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[finanzen.net] · 28.01.2020 · 19:15 Uhr
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