Salzgitter hebt Jahresprognosen nach Übernahme und starkem Ergebnis an

Salzgitter hebt Prognosen an
Der Stahlproduzent Salzgitter hat nach dem ersten Halbjahr und der vollständigen Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) seine Jahresprognosen optimiert. Der Vorstand des MDax-Konzerns rechnet nun mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 725 bis 825 Millionen Euro für 2026, was eine Erhöhung um jeweils 100 Millionen Euro im Vergleich zur vorherigen Schätzung darstellt. Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag dieser Prognoseanpassung ist direkt auf die Konsolidierung des Zukaufs HKM zurückzuführen.
Positive Marktreaktion und Umsatzsteigerung
Die Salzgitter-Aktie reagierte prompt auf diese Nachricht und verzeichnete am Freitag vor dem Wochenende einen Anstieg von knapp 4 Prozent. Auch am Montagmorgen setzte sich der Aufwärtstrend mit einem Plus von 1,6 Prozent fort. Analysten hatten zuvor für das Gesamtjahr deutlich niedrigere operative Gewinnprognosen aufgestellt, was die positive Marktreaktion unterstreicht.
Ein weiterer Grund für die optimistische Prognose ist die angepasste Umsatzschätzung, die nun bei rund 10,0 Milliarden Euro liegt, was eine Steigerung um eine halbe Milliarde Euro darstellt. Der Zukauf von HKM wird voraussichtlich einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag zum Umsatz beitragen. Auch das Ziel für den bereinigten Vorsteuergewinn wurde angehoben, und Salzgitter peilt nun 325 bis 425 Millionen Euro an, was ebenfalls eine Erhöhung um 125 Millionen Euro im Vergleich zur vorherigen Planung darstellt.
Starkes erstes Halbjahr und positive Geschäftsentwicklung
Im ersten Halbjahr erzielte Salzgitter einen Außenumsatz von 4,6 Milliarden Euro, was leicht unter dem Vorjahreswert liegt. Der operative Gewinn (EBITDA) hingegen stieg signifikant von 117 auf 459 Millionen Euro. Diese positive Entwicklung ist unter anderem auf einen gestiegenen Beitrag der Beteiligung Aurubis zurückzuführen, die in der Rechnungslegungsmethode "at-equity" 193 Millionen Euro beisteuerte, im Vorjahr waren es lediglich 72 Millionen Euro.
Analyst Dominic O'Kane von der US-Bank JPMorgan stellte fest, dass das Unternehmen im zweiten Quartal im Kerngeschäft - Stahlproduktion, Handel und Technologie - einen operativen Gewinn von 133 Millionen Euro erzielte, was den Erwartungen seiner Bank deutlich übertraf. Auch Jefferies-Analyst Cole Hathorn hob hervor, dass das Ergebnis dank der starken Stahlproduktion besser ausfiel als prognostiziert.
Kritik an EU-Emissionshandelsreform
Salzgitter-Chef Gunnar Groebler äußerte sich kritisch zu den Reformplänen der EU-Kommission für den Emissionshandel. Er warnte, dass diese Pläne Investitionen in den Klimaschutz gefährden und Unternehmen bestrafen, die bereits mit dem Umbau begonnen haben. Groebler forderte eine Überarbeitung der Gesetzgebung, um Vorreiterunternehmen nicht im Stich zu lassen.
Sein Unternehmen hat bereits Milliarden in den Übergang zu grünem Stahl investiert, gestützt auf einen stabilen Rechtsrahmen. Diese Investitionen dürften nicht durch Änderungen im Emissionshandel entwertet werden. Groebler betonte, dass Unternehmen, die im Vertrauen auf die europäische Gesetzgebung investiert haben, nicht bestraft werden dürfen.
Zukunftsausblick und staatliche Förderung
Der niedersächsische Stahlkonzern hat Ende 2023 mit der Umrüstung seines Stahlwerks in Salzgitter begonnen, wobei Bund und Land den Umbau mit über 1,3 Milliarden Euro fördern. Die erste Anlage für grünen Stahl soll 2027 in Betrieb gehen und wird zunächst mit Erdgas betrieben, bevor sie auf grünen Wasserstoff umgestellt wird.
In einem angespannten politischen Umfeld, in dem die EU-Kommission unter Druck von Wirtschaft und Mitgliedsstaaten eine Abschwächung von zentralen Klimaschutzinstrumenten vorschlägt, bleibt abzuwarten, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen auswirken werden. Für Anleger und den Standort Deutschland könnte dies entscheidende Auswirkungen auf zukünftige Wachstumschancen haben.

