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RWE-Aktie erholt sich: RWE will bei schwächerem Ausblick höhere Dividende zahlen

Die Anteilseigner sollen 80 Cent je Anteilsschein erhalten und damit 10 Cent mehr als für das abgelaufene Jahr, wie das Unternehmen bei der Vorlage seiner Bilanz verkündete.

Wegen des vorläufigen Rodungsverbots im Hambacher Forst am gleichnamigen Tagebau und der geringeren Braunkohleförderung sowie ausbleibenden Prämien für die sichere Stromlieferung in Großbritannien erwartet der Energiekonzern einen niedrigeren Gewinn. Der Vorstand peilt ein bereinigtes Nettoergebnis zwischen 0,3 und 0,6 Milliarden Euro an. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich auf 1,2 Milliarden bis 1,5 Milliarden summieren.

RWE wolle "die Profitabilität unseres Geschäfts in der konventionellen Erzeugung stabil halten", erklärte Finanzvorstand Markus Krebber. "Das wird vor dem Hintergrund vielfältiger Herausforderungen ein Kraftakt, den wir jedoch voller Energie und Zuversicht angehen", ergänzte er.

Im alten Jahr erreichten die Essener die selbstgesteckten Ziele. Wie erwartet, wurde in allen Segmenten des Konzerns weniger verdient. Der operative Gewinn der Braunkohlesparte musste heftig Federn lassen und halbierte sich. RWE hatte seinen Strom für das alte Jahr bereits im Vorfeld verkauft, als die Preise an der Strombörse niedrig lagen.

Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA von 1,5 Milliarden Euro und damit 600 Millionen weniger als 2017. Prognostiziert hatte RWE zwischen 1,4 und 1,7 Milliarden. Der Überschuss erreichte 591 Millionen Euro, nach zuvor 1 Milliarde. Auch hier wurde die Prognose von 500 bis 800 Millionen erfüllt. Die vorgelegten Zahlen beziehen sich auf das Kerngeschäft von RWE zuzüglich der Dividende der Noch-Ökostromtochter innogy (RWE stand-alone).

Mit dem früheren Rivalen E.ON hat RWE die Zerschlagung und Aufteilung der innogy verabredet, die die deutsche Energielandschaft neu ordnen wird.

Anleger sehen in RWE-Aussagen etwas mehr Licht als Schatten

Aussagen zum Schuldenabbau, der Dividende und erwarteten Milliardenentschädigungen haben am Donnerstag den Aktien von RWE in die Gewinnzone verholfen. Nach einem zunächst sehr schwachen Start drehten die Papiere des Versorgers zeitweise ins Plus. Gegen Mittag zeigten sie sich dann im Vergleich zum Vortagesschluss etwas höher mit plus 0,65 Prozent auf 21,80 Euro. Zum Handelsende tendierten die Papiere 1,85 Prozent im Plus bei 22,06 Euro. Am Morgen noch waren sie nach mit Missmut aufgenommenen Jahreszahlen und Enttäuschungen über den Ausblick unter ihre 50-Tage-Linie bei rund 21,20 gerutscht.

Eine geringere Stromerzeugung durch Braunkohle und Kernenergie sowie geringere Großhandelspreise hatten die Essener im vergangenen Jahr belastet. Für 2019 erwartet RWE bestenfalls ein stabiles Ergebnis. Wie dazu die Analysten der Schweizer Großbank UBS und von Goldman Sachs schrieben, verfehlten sowohl die Vorjahresergebnisse als auch der Ausblick auf das angelaufene Jahr die Markterwartungen deutlich. Allerdings, so schränkte UBS-Experte Sam Arie ein, seien die Gründe dafür überwiegend Einmaleffekten geschuldet gewesen und daher nur temporär. Er hatte daher einkalkuliert, dass sich die Aktie nach einer deutlich negativen Reaktion zum Handelsstart erholen könnte.

Goldman-Experte Alberto Gandolfi verwies seinerseits auf "sehr erfreuliche Neuigkeiten" mit Blick auf die Schulden, die Dividenden und Investitionen für die Restrukturierung. "Die Nettoverschuldung am Jahresende lag bei 2,3 Milliarden Euro und damit deutlich unter der Marktprognose von 4,3 Milliarden Euro", schrieb er. Zudem hob er die für 2018 vorgeschlagene Dividende von 70 Cent je Aktie und für 2019 von 80 Cent je Aktie positiv hervor sowie auch die Pläne des Konzerns, sein Portfolio mit Erneuerbaren Energien um 2 bis 3 Gigawatt pro Jahr zu erweitern.

Auch Analyst Vincent Ayral von JPMorgan schrieb: Die Zahlen für 2018 seien recht schwach gewesen. Anders als Gandolfi allerdings sieht er zugleich auch die Nettoverschuldung trotz eines gemeldeten wesentlichen Rückgangs nicht positiv. Vielmehr nannte er sie "besorgniserregend" Denn: Wäre die Summe um einen angefallenen 4,4 Milliarden Euro schweren positiven Effekt bereinigt worden, hätte sie deutlich über der Konsensschätzung gelegen.

Milliardenentschädigungen für Braunkohle-Aus

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz erwartet Milliardenentschädigungen für die vorzeitige Abschaltung von Braunkohlekraftwerken. Pro Gigawatt abgeschaltete Leistung müssten die Entschädigungen bei 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro liegen, sagte Schmitz am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz des Energiekonzerns in Essen.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hat vorgeschlagen, bis 2022 rund 3 Gigawatt Braunkohlekapazität zusätzlich vom Netz zu nehmen. RWE geht davon aus, dass der Großteil der Abschaltungen auf das Rheinische Revier entfällt, wo der Essener Konzern die Kraftwerke und Tagebaue betreibt. "RWE kann und wird aber nicht alles alleine stemmen könne", fügte Schmitz hinzu.

Im Vergleich zur Ökostromförderung seien Entschädigungen für abgeschaltete Kraftwerke aber überschaubar, sagte Schmitz. "Ein kompletter Kohleausstieg wird wahrscheinlich nicht mehr kosten als ein halbes Jahr staatliche Förderung der erneuerbaren Energien."

Gespräche mit der Bundesregierung zur Umsetzung der Beschlüsse der Kohlekonferenz hätten gerade erst begonnen, sagte Schmitz. Der Prozess werde sicherlich Monate dauern.

ESSEN (Dow Jones) / dpa-AFX

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[finanzen.net] · 14.03.2019 · 19:51 Uhr
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